Sendling: Ärger um Kunstbunker

Ratzingerplatz: Konzerte einer Studenten-Aktion stören die Anwohner

OberSendling „Kunst ist ja schön und gut, aber der Lärm muss nicht sein.“ Schon beim Anblick des Ratzingerplatzes schüttelt Gertraud Füssl (73) den Kopf – hässlich ist er, die neue Verzierung macht es auch nicht besser. Seit Anfang des Monats stehen drei ehemalige Studentenbungalows aus dem Olympiadorf auf dem Platz im Münchner Süden. Die studentische Aktion „Bestandsverpflanzung“ soll die städtebauliche Entwicklung und Veränderung Münchens verdeutlichen. „Das war so ein Lärm. Am Anfang habe ich gedacht, die Nachbarin hat ihre Stereoanlage volle Pulle aufgedreht“, erzählt die 73-jährige Rentnerin. Dabei war das, was sie gehört hat, das Rahmenprogramm der Aktion: Musik von „Antihelden“ und „Majmoon“. Lange soll am Abend laute Musik gespielt worden sein – und das unter Woche. „Was sollen denn die Leute machen, die am nächsten Tag in die Arbeit müssen?“, fragt Füssl. Die Musik hat so lange gedröhnt, bis sie die Polizei gerufen hat. „Dann war Ruhe“. Füssl wohnt in einer Wohnanlage unweit des Ratzingerplatzes. „Da war richtige Remmidemmi-Discomusik“, merkt die ehemalige Krankenpflegerin an. Noch bis Oktober sollen die Bungalows stehen bleiben. Füssl hat große Befürchtungen: „Bis dahin gibt es eine Katastrophe. Das war nämlich kein Konzert, sondern Krach.“ „Es ist alles angemeldet und offiziell“, sagt Mit-Initiator Robert Huber zu den Vorwürfen. Münchens Oberbürgermeister Christian Ude hat das Kunstprojekt sogar höchstpersönlich eröffnet. Außerdem habe man die umliegenden Anwohner vorher informiert. Von anderen Nachbarn hat Füssl aber gehört, dass sie es genauso störend empfanden. Und tatsächlich, ein Nachbar, der bei dem Pressetermin zufällig vorbeikommt, stößt sofort in das gleiche Horn: „Es ist ärgerlich, das war schon ziemlich laut“, sagt er. Außerdem verstehe er eh nicht, was die Veranstalter erreichen wollen. „Kunst sieht für mich anders aus“, sagt er. Student Robert Huber von „Bestandsverpflanzung“ erklärt das so: „Wir wollen den Ratzingerplatz in den Fokus rücken.“ Es soll gezeigt werden, dass der Ratzingerplatz nicht nur ein „hässlicher Platz“ ist, sondern, dass es außenrum ein belebtes Viertel gebe. Vor allem sollen die Anwohner motiviert werden, Ideen für den seit 20 Jahren brach liegenden Platz zu sammeln und so zur Gestaltung beizutragen. Fest steht jedenfalls, dass die Bungalows noch bis Ende Oktober am Ratzingerplatz bleiben, dann geht’s weiter an den Lenbachplatz und an die Karlstraße. Katharina Kraus

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