Eine neue Selbsthilfegruppe für Eltern, deren Nachwuchs psychische Probleme hat

Kleine Kinder – große Sorgen

Plötzlich lacht das Kind nicht mehr und hat an nichts mehr Freude. Die Aktionsgemeinschaft der Angehörigen psychisch Kranker gründet jetzt eine Selbsthilfegruppe für Betroffene. Angelika Herrmann, eine der Leiterinnen und selbst Mutter einer erkrankten Tochter, erklärt im Interview, was es damit auf sich hat.

Frau Herrmann, wer kann alles zu dem Infoabend kommen?
Eltern und erwachsene Angehörige, die psychisch auffällige oder kranke Kinder unter 18 Jahren haben. Es ist dabei egal, welche Probleme die Kinder haben und ob sie in Behandlung sind oder nicht. Auch wer nur das Gefühl hat, dass etwas nicht stimmt, ist willkommen. Wenn sich herausstellt, dass die Schwierigkeiten doch ganz andere Gründe haben, vermitteln wir die Eltern weiter.
Was bringt die Selbsthilfegruppe den Eltern?
Oft fehlt eine Gelegenheit, um sich mit anderen in der gleichen Situation auszutauschen. Wir wollen den Eltern eine Hilfe sein, Hoffnung geben und aufklären. Je mehr man über die Erkrankung weiß, desto weniger Ängste hat man. Mit Leuten, die nicht selbst davon betroffen sind, kann man oft nur schwer darüber reden.
Wieso? Was ist das Problem?
Viele geben Ratschläge wie ‚da müsst ihr halt mal auf den Tisch hauen‘. Die Eltern fühlen sich wegen solcher Tipps selbst schuldig und denken, dass ihre Erziehung nicht gut war. Sie beziehen die Handlungen des Kindes auf sich persönlich, dabei kann das Kind gar nicht anders.
Ist jedes Kind, das etwas ungewöhnlich ist, gleich krank?
Nein, Kinder sind immer in der Entwicklung, darum muss man genau schauen, woran auffälliges Verhalten liegt. Nicht jedes Kind, das ein bisschen anders ist, hat gleich ein Problem. Da muss man sehr vorsichtig sein. Wir wehren uns auch gegen Konformismus.
Wann sollte man denn als Eltern hellhörig werden?
Knackpunkte sind oft Ereignisse wie zum Beispiel der Schulanfang oder wichtige Prüfungen. Sie müssen nicht immer negativ sein, auch positiver Stress kann die Kinder und Jugendlichen überfordern. Bei psychischen Problemen verändern sich die Kinder oft so stark, dass sie nicht mehr der Mensch sind, den die Eltern kannten.
Inwiefern?
Zum Beispiel zieht sich ein Jugendlicher stark zurück. Er möchte nicht mehr aufstehen und sich nicht mehr mit seinen Freunden treffen. Bei relativ kleinen Kindern ist das natürlich nicht so leicht zu sehen.
In welchem Alter fangen psychische Probleme bei Kindern an?
Im ungünstigsten Fall können fast alle Altersstufen betroffen sein. Daher ist es wichtig, dass sich besorgte Eltern etwa in einer Selbsthilfegruppe austauschen und Rat und Hilfe finden.


Interview: cla

Der Infoabend für die Selbsthilfegruppe für Angehörige von Kindern mit psychischen Problemen findet am Dienstag, 8. November, von 19 bis 21 Uhr im Haus des Stiftens, Landshuter Allee 11, statt. Um Anmeldung unter info@apk-muenchen.de oder 5 02 46 73 wird gebeten. Weitere Infosgibt es im Internet unter www.apk-muenchen.de

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