Riskanter Winkel

Radeln in Hadern: Lebensgefährlich! – Rechtliche Präventionsmaßnahmen gefordert

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Eine Verringerung der Parkplätze vor Einmündungen könnte das Sichtfeld der Autofahrer vergrößern und Zusammenstößen vorbeugen.

Eva Grill hatte Glück im Unglück: Auf dem Heimweg wurde sie von einem Rechtsabbieger übersehen und angefahren. Jetzt fordert sie weniger Parkplätze vor Einmündungen. Was die Polizei dazu sagt...

Hadern – Drei Wochen ist es her, dass Eva Grill über den Haufen gefahren wurde. Der Schock sitzt noch immer tief, die 55-Jährige hatte Glück im Unglück: „Wäre ich einen halben Meter weiter gewesen, hätte mich das Auto wohl im 90-Grad-Winkel erwischt und überfahren – und ich wäre vermutlich tot.“ So ist sie mit blauen Flecken und einem verbeulten Vorderrad davon gekommen.

Was passiert war: Grill radelte auf der Waldwiesenstraße in nördlicher Richtung von der Arbeit nach Hause nach Obermenzing. „Ein Autofahrer meinte, noch kurz vor der Autobahn tanken zu müssen, bog eilig in die Esso-Tankstelle ein – und fuhr mich dabei über den Haufen“, erinnert sich Grill. 

Betreten machte sie die erste Bemerkung des Autofahrers: er habe doch geschaut und da war niemand. „Er klang sogar ein bisschen vorwurfsvoll“, sagt Grill. Doch: „Natürlich hat er mich nicht gesehen. Da ist ja der dicht vollgestellte Parkstreifen – und proaktives Vorausdenken ist nicht jedermanns Sache.“

Eva Grill fuhr mit dem Rad auf der Waldwiesenstraße in nördlicher Richtung auf die Tankstelle zu , als sie von einem rechtsabbiegenden Auto erwischt wurde.

Peter Werthman, Sprecher der Münchner Polizei, bezeichnet die „Verkehrsunfalllage mit Beteiligung des Radverkehrs in der Waldwiesenstraße als äußerst unauffällig“. Seit 2016 kam es zu „lediglich“ drei Unfällen mit Radlern – allesamt beim Rechtsabbiegen der Autos.

Grill ist Professorin an der LMU und forscht zu „erfolgreichem Altern – dazu gehört natürlich auch Bewegung.“ Täglich ist sie selbst mit dem Rad unterwegs, fährt dabei verschiedene Strecken. Mindestens einmal pro Woche erlebt sie eine „brenzlige Situation“. Was sie besonders nervt: „Offenbar sind in München die Autofahrer immer wichtiger als andere Verkehrsteilnehmer. Besonders Randbezirke wie Hadern, werden meiner Meinung nach stiefmütterlich behandelt.“

Sie fordert: „Weniger Platz für Autos – vor allem weniger Parkplätze vor Einmündungen.“ Außerdem solle die Stadt stärker durchsetzen, dass auf Radwegen nicht mehr geparkt wird. Denn auch wenn die Waldwiesenstraße von der Polizei als unauffällig eingestuft wird, fragt Grill: „Wie viele Beinahezusammenstöße und leichte Unfälle mag es hier wohl gegeben haben, die nicht zur Anzeige kamen?“ So wie bei der Obermenzingerin selbst.

Daniela Borsutzky

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