München ist seine Spielwiese

In 70 Plakaten um die Welt: Ex-Wiesn-Stadtrat Hermann Memmel von A bis Z

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Der Ex-Wiesn-Stadtrat Hermann Memmel hat sein Leben auf vielen Ebenen in die Wiesn investiert - mit Hallo hat er von A bis Z gesprochen

München - Sie sind teilweise 100 Jahre alt: Die 70 historischen Plakate des Deutschen Theaters, die der Münchner Hermann Memmel nun dem Stadtmuseum übergibt. Wie er in ihren Besitz gekommen ist und welche Geschichten sich dahinter verbergen, gibt es im Interview

Ob orientalisches Künstlerfest oder süße Früchtchen: Geworben wird auf den Plakaten vor allem für Faschingsbälle. Anhand der Umsetzung lassen sich Rückschlüsse auf die Zeit ziehen, wie nicht zuletzt an den Beispielen von 1935 (3.v.l.) und 1953 (r.) erkennbar ist.

Der FC Bayern, die Wiesn, die Messe – alles feste Münchner Institutionen. Und alle sind untrennbar mit dem Ex-SPD-Stadtrat Hermann Memmel verbunden. Noch immer ist er in diversen Vorständen und Verwaltungsbeiräten aktiv. Auch das Deutsche Theater hat dem 78-Jährigen einiges zu verdanken. Der Truderinger gründete 2003 den Verein „Freunde des Deutschen Theaters“. Der Grund: Die Bühne der Stadt sollte an einen Investor verkauft werden. „Das wollten wir unbedingt verhindern. Unser Motto war: Rettet das Deutsche Theater.“ Weil genau das mittlerweile längst gelungen ist, hat sich der Verein nun – wegen Erfolgs, wie Memmel betont – aufgelöst. Die letzte Amtshandlung steht am Donnerstag, 18. Januar, an: Dann übergibt Memmel nicht nur einen Scheck an das Münchner Stadtmuseum, sondern auch 70 historische Plakate des Deutschen Theaters. Wie der Verein an diese gekommen ist und warum es gar nicht so leicht war, dem Theater mit Spenden zu helfen, verrät Memmel im A bis Z. Darin blickt er auch auf besondere Momente seiner von Ehrenämtern und der Wiesn geprägten Vergangenheit zurück. Marco Litzlbauer

Aufgelöst haben sich die „Freunde des Deutschen Theaters“ bereits 2016. Mit der Übergabe von 70 historischen Plakaten und dem Rest der Vereinskasse wird dieser Schritt auch de facto vollzogen.

Bayern München: Ich feiere heuer 40-Jähriges als Verwaltungsbeirat des FC Bayern. Damit bin ich dienstältester Funktionär – und optimistisch, dass wir das Triple holen. 

Chronik: In meinem Büro zuhause stehen über 300 Ordner mit Unterlagen, Erinnerungen und Zeitungsausschnitten zu meinen Aktivitäten. Ich hoffe, dass die mal meine Enkel übernehmen.

Deutsches Theater: Als der Stadtrat 2003 diskutierte, das Theater an einen Objektentwickler zu verkaufen, wollte ich mich für den Erhalt einsetzen. Schon, weil ich als Stadtrat eine zeitlang im Aufsichtsrat und schon seit der Jugend ein großer Fan des Theaters war.

Enkel: Ich habe sechs Enkel. Für sie habe ich entschieden mehr Zeit als für meine zwei Söhne damals.

Festring: Als Beiratsvorsitzender konnte ich dort viele Impulse setzen – unter anderem den Oide-Wiesn-Ball, der die Faschingssaison eröffnet.

Genosse: Ich bin seit 59 Jahren bei der SPD. Eine große Koalition ist momentan auf Bundesebene die einzige Konstellation, die Verbesserungen für die Bürger bringt. Allerdings sollte man trotz Sondierung noch Spielraum bei den Koalitionsverhandlungen haben.

Ehrenhelmträger, Jäger und Sammler und ehemaliges Landtags-Mitglied - Hermann Memmel hat viele Interessen

Helm: Ich bin Ehrenhelmträger der Damischen Ritter – und war schon als Bub großer Faschingsfan.

Internet: Die Münchner-Schausteller-Stiftung besitzt hunderte Exponate von der Wiesn und anderen Volksfesten, die aktuell im Museumsdepot der Stadt schlummern. Diese zu fotografieren und online zugänglich zu machen, ist eines unserer nächsten Projekte.

Jäger und Sammler: Ich besitze unter anderem über 30 original Bierschlegel, mit denen die OBs das erste Fass auf der Wiesn angezapft haben – mit Datum, Anzahl der Schläge und Unterschrift.

Kasse: Es sind knapp 2000 Euro, die wir dem Stadtmuseum übergeben.

Landtag: Dort war ich von 1994 bis 2008 tätig. Mein Vorschlag eines Volksfestgesetzes hat sich zwar nicht durchgesetzt, wird aber bis heute diskutiert. Bäume sind Naturdenkmäler, Häuser stehen unter Denkmalschutz – warum genießen nicht auch Volksfeste und Festplätze einen besonderen Schutz?

Manchesterplatz: Das Denkmal in Trudering wurde auf meine Initiative errichtet und erinnert an den Absturz des Flugzeugs von Manchester United, der sich am 6. Februar zum 60. Mal jährt.

Narrhalla: Dort bin ich Ehrensenator und das aktuelle Prinzenpaar wird bei der Übergabe der Plakate an das Stadtmuseum dabei sein.

Oktoberfest-Ehrenrat: Viele Wiesn-Traditionen gehen auf meine Initiativen zurück. Am meisten stolz bin ich aber auf meine Idee, den 200. Geburtstag mit historischen Elementen zu feiern. Immerhin war das so nachhaltig, dass daraus die Oide Wiesn entstanden ist.

Plakate: Die Plakate habe ich vor vielen Jahren in einem Antiquariat erworben. Es sind hauptsächlich Plakate von Faschingsbällen, die das Gesellschaftsleben der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg widerspiegeln.

Quartier: Bei einem Faschingsball im Ausweichquartier des Deutschen Theaters in Fröttmaning kam mir die Idee zum Oide- Wiesn-Bürgerball.

Riem: 1972 habe ich den Stadtratsantrag zur Verlegung der Messe nach Riem eingebracht. 

Schon seit 46 Jahren ist die Theresienwiese Memmels Wohnzimmer

Silbersaal: Unser Verein wollte auch finanziell etwas zur Sanierung beitragen. Weil es sich beim Deutschen Theater aber um eine GmbH handelt, ging das nicht. Spenden waren nur für den denkmalgeschützten Silbersaal möglich, wo heute eine Tafel an das Engagement des Vereins erinnert.

Theresienwiese nimmt in meiner Lebenszeit natürlich einen hohen Stellenwert. Seit 46 Jahren ist sie für mich der Inbegriff vieler Aufgaben und noch mehr Freude.

Unermüdlich: Neue Projekte nehme ich mir aktuell nicht vor. Die Vergangenheit holt mich oft genug ein. Ständig gibt es Jubi­läen von Vereinen oder Jahrestage, zu denen etwas organisiert werden muss.

Volksfestmuseum: Ein Museum für die vielen Exponate der Münchner-Schausteller-Stiftung ist ein großer Traum von mir. Konkret ist nichts, es fehlt einfach an leerstehenden Hallen.

Wiesn-Stadtrat: Dieser Begriff wurde quasi für mich erfunden, den gab es vorher nicht. Bei meinem Amtsantritt war ich noch der Verwaltungsbeirat fürs Oktoberfest, mittlerweile ist „Wiesn-Stadtrat“ ein fester Begriff.

X-fach ausgezeichnet: Natürlich habe ich mich über jede Auszeichnung gefreut. Aber auf den Bayerischen Verdienstorden und die goldene Bürgermedaille bin ich besonders stolz.

Yoga brauche ich nicht. Ich arbeite leidenschaftlich gerne in meinem Garten. Da sieht man das Ergebnis seiner Arbeit und es hält jung.

Zukunft: Das Deutsche Theater braucht keinen unterstützenden Verein mehr. Die Renovierung ist gelungen und das Theater mit dem tollen Programm ein Selbstläufer.

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