Sigrid Siegmund-Haus

Organspenden dank High-Tech am Campus Großhadern

Passen die Merkmale von einem Spenderorgan zu einem potentiellen Empfänger? Das überprüft Laborleiterin Andrea Dick am Mikroskop im neuen Sigrid Siegmund-Haus.
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Passen die Merkmale von einem Spenderorgan zu einem potentiellen Empfänger? Das überprüft Laborleiterin Andrea Dick am Mikroskop im neuen Sigrid Siegmund-Haus.

Großhadern: Im neuen Sigrid Siegmund-Haus in Großhadern soll modernste Technik Patienten helfen.

Hier entscheidet sich, ob schwerkranke Patienten weiter bangen müssen oder endlich hoffen können: Andrea Dick sitzt vor einem großen Mikroskop, auf dem Bildschirm daneben ist ein Kreis mit vielen roten Punkten zu sehen. Das heißt: Weiter bangen. Dieses Mal handelt es sich nur eine Demonstration. Im Ernstfall aber würde die rote Farbe bedeuten, dass ein Spenderorgan nicht zu einem potentiellen Empfänger passt.

Dick ist Leiterin des Labors für Immungenetik und Molekulare Diagnostik des Klinikums Großhadern. Sobald es in Süddeutschland ein Spenderorgan gibt, wird dort untersucht, wie gut dessen Gewebemerkmale mit denen von Patienten übereinstimmen, die dringend auf eine Organspende warten. „Wir kreuzen sechs potentielle Empfänger“, erklärt Dick. Sieht sie bei einer Variante im Mikroskop und auf dem Bildschirm grüne Kreise, handelt es sich um einen Treffer: Dann stehen die Chancen gut, dass es bei einer Spende zu keinen Abstoßreaktionen kommt. Auch bei Stammzellentransplantationen wird so geprüft, ob die genetischen Merkmale übereinstimmen.

Das Labor für Immungenetik ist eine von drei Abteilungen, die auf dem Campus Großhadern vor kurzen ins neue Sigrid Siegmund-Haus gezogen sind. Vier Millionen Euro kostete das Gebäude, das durch die Spende einer Stifterin finanziert wurde und jetzt eingeweiht wird. Das vierstöckige Haus hat eine Nutzfläche von 1500 Quadratmetern und ist Arbeitsort von rund 40 Ärzten, Apothekern und Wissenschaftlern sein. „Das Gebäude hat alles, was nötig ist, um auch alle Anforderungen der Zukunft zu erfüllen“, sagt Bernhard Zwißler, kommissarischer Leiter der Abteilung Transfusionsmedizin.

Neben der Immungenetik beschäftigen sich weitere Experten im Sigrid Siegmund-Haus mit der Immunzelltherapie. Diese Technik bietet unter anderem neue Behandlungsmöglichkeiten für Krebspatienten. Zum Beispiel können damit durch die Entnahme von bestimmten Blutzellen Arzneimittel hergestellt werden.

Ebenfalls im neuen Gebäude untergebracht sind Spezialisten für die Thrombozytenspende. Bei dieser Form der Blutspende wird das Blut bereits während der Entnahme in seine Bestandteile getrennt, um Thrombozyten, das sind Blutzellen, die die Blutgerinnung einleiten, zu gewinnen. Vor allem Krebspatienten sind auf regelmäßige Spenden angewiesen. „Am Klinikum werden 11 000 bis 13 000 Präparate pro Jahr benötigt“, erklärt der Mediziner Georg Wittmann. Der Bedarf kann derzeit jedoch bei weitem nicht gedeckt werden, das Krankenhaus muss externe Spenden hinzukaufen. Zur Einweihung des neuen Gebäudes hat Wittmann deshalb einen großen Wunsch: „Unser Ziel ist es, dass wir deutlich mehr Spender bekommen.“
cla

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