Petra Reiter ist Schirmherrin eines neuen Hilfsnetzwerks

First Lady im Einsatz für Wohnungslose

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Petra Reiter hat die Schirmherrschaft für das Netzwerk Wohnungslosenhilfe übernommen.

6782 Münchner haben keine Wohnung, Tendenz steigend. Sie bekommen jetzt eine prominente Fürsprecherin: OB-Gattin Petra Reiter (Foto) ist Schirmherrin des neuen Netzwerks Wohnungslosenhilfe. Was sie damit bewirken will, erzählt sie im Interview.

Die Zahlen sind besorgniserregend: In München sind immer mehr wohnungs- oder sogar obdachlos. Momentan haben 6782 Bürger keine eigene Wohnung, 550 leben sogar auf der Straße. Hilfe bekommen Betroffene von verschiedenen sozialen Institutionen. Die wollen jetzt enger zusammenarbeiten und ihr Angebot besser publik machen. Der Sozialdienst katholischer Frauen, der Katholische Männerfürsorgeverein, das Evangelische Hilfswerk München, der Internationale Bund und der Verein Wohnhilfe haben sich zum Netzwerk Wohnungslosenhilfe zusammengeschlossen. Schirmherrin ist die Gattin des Oberbürgermeisters, Petra Reiter (Foto). Im Gespräch erklärt sie, warum das Thema jeden etwas angeht.

Frau Reiter, Sie haben bereits viele Ehrenämter. Wieso jetzt noch ein weiteres?

Es war eine schnelle Entscheidung, dass ich bei dem Netzwerk mitmache. Ich engagiere mich schon seit längerem im Projekt „Aktiv gegen Wohnungslosigkeit“. Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass es uns so gut geht. Wohnungslosigkeit geht oft schneller als man denkt, es kann wirklich jeden treffen.

Warum ist das neue Netzwerk so wichtig?

Die Träger sind gut aufgestellt, aber sie müssen bekannter gemacht werden, damit ihre Dienste angenommen werden. Viele Wohnungslose sind psychisch erkrankt. Da ist das Fingerspitzengefühl der Streetworker gefragt. Sie machen die Menschen darauf aufmerksam, dass es Hilfestellen und genügend Betten gibt, damit keiner im Freien schlafen muss. Ich möchte, dass in München jeder ein Obdach hat, dass keiner verhungert, verdurstet oder erfriert.

Sie waren mit den Helfern unterwegs auf den Straßen. Was hat Sie besonders berührt?

Besonders berührt hat mich die Arbeit in der Straßenambulanz. Die Menschen warten auf der Straße, bis der Arzt kommt und sie versorgt werden. Sie sind so dankbar dafür, das kennt man sonst gar nicht. Auch in der Teestube hat mich beeindruckt, wie sehr sich die Obdachlosen über Kleinigkeiten gefreut haben. Danach bin ich sehr demütig heimgegangen.

Sprechen Sie mit Ihrem Mann über diese Erfahrungen?

Natürlich reden wir wie jede andere Familie auch über die Dinge, die uns beschäftigen. Aber mein Mann braucht niemanden, der ihn erst für das Thema sensibilisiert. Er weiß ja selbst um die Problematik und die Zahlen der Wohnungslosen.

Wird die Entwicklung so weiter gehen oder kann sie gestoppt werden?

Das kann ich nicht beurteilen. Ich hoffe aber schon, dass die Zahlen sinken oder zumindest nicht weiter steigen, auch weil wir jetzt bei dem Netzwerk alle zusammen helfen.

Ein Problem ist, dass der Wohnungsmarkt in München sehr hart umkämpft ist. Braucht es mehr Sozialwohnungen?

Selbstverständlich wäre es immer gut, wenn man mehr Wohnungen hätte, aber damit ist nicht automatisch das Problem mit der Obdachlosigkeit gelöst. Das politische Ziel unserer Stadt ist es, dass sich alle Münchner eine Wohnung leisten können. Dafür setze ich mich ein.

Interview: Claudia Schuri

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