Historischen Niedrigwasser-Tiefstand ist bald erreicht

Nach dem Hitzesommer: München trocknet aus

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Die Bäche, Seen und Flüsse der Landeshauptstadt sind leer.

München – In der Isar und der Würm fließt derzeit nur noch rund ein Drittel des üblichen Wassers – mit verheerenden Folgen für Biber, Fische und Bäume – Hallo hat nachgehakt

Nun rächt sich der Traumsommer 2018: Selbst wenn es jetzt wieder regnet, sorgen sich Experten um Münchens Flora und Fauna. Denn die Bäche, Seen und Flüsse der Landeshauptstadt sind leer, dem historischen Niedrigwasser-Tiefstand von 1976 oder 2003 gefährlich nah.

Martin Hänsel vom Bund Naturschutz machen die Folgen dieses außergewöhnlichen Hitzesommers für die Natur Sorgen: „Gerade die Fichten werden leiden. Wenn die weit verästelten Wurzeln so lange wie dieses Jahr nicht mit Wasser gespeist werden, sterben sie ab.“ Die Folge: „Der Baum geht ein. Erst in drei Jahren werden wir sehen, welche Auswirkung das auf den Grünzug entlang der Würm und die Bereiche rund um die Isar haben wird.“

Auch Christian Leeb vom Wasserwirtschaftsamt (WWA) bekommt seit Monaten die sinkende Pegelstände an den beiden größten Flüssen der Landeshauptstadt mitgeteilt. „Von dem normalen Mittelwasserabfluss sind wir derzeit weit entfernt. Die Grundwasserstände in der Münchner Schotter

Am Schwabinger Bach sitzen die Enten auf dem Trockenen, wo sonst Wasser ist.

ebene sind derzeit auf niedrigem Niveau.“ Leeb nennt drastische Zahlen zur Verdeutlichung: „Die Isar hat am Münchner Pegel einen Mittelwasserabfluss von 63,8 Kubikmetern. Derzeit sind es nur 19,9 Kubikmeter. An der Würm fließen aktuell 1,7 Kubikmeter ab, wo zu dieser Jahreszeit 4,7 normal sind.“

Beide Experten sehen die stabilen ökologischen Verhältnisse in Gefahr. Hänsel: „Fische können in der Würm mit den vielen Wehren nicht wandern und in tiefere Gebiete ausweichen. Sie stehen unter Stress, können verenden.“ Schon jetzt sind zusätzliche 40 bis 50 Zentimeter je Uferrand hell sichtbar. „Der jetzt kritische Zustand ist ein deutliches Warnsignal. Wie sich diese zunehmend trockenen Sommer des Klimawandels tatsächlich auswirken, sehen wir erst Jahre später.“ Auch Biberkolonien sind auf höheren Wasserstand angewiesen, denn ihr Bauzugang liegt unter Wasser. Also werden sie stauen, versuchen ihre Heimat zu schützen.“ Wenn eine Kolonie fliehen muss, sieht Hänsel Gefahr: „Bieberkolonien benötigen ein bis drei Kilometer Flusslauf. Da muss eine Biberfamilie schon mal 50 Kilometer wandern, um endlich wieder einen festen Platz zu finden.“ Die Folge: Die Tiere werden überfahren. „Sogar in der Mitte von Pasing hatten wir einen Fall.“ Seine Bitte an die Bürger: Auffälligkeiten am Wasserstand oder Tierpopulationen melden. Der Bund Naturschutz nimmt sich der Sache an.

Beide Experten warnen davor, das Niedrigwasser auf die leichte Schulter zu nehmen: Selbst wenn es viel schneit und im nächsten Frühjahr wieder regnet, sei es zu spät. Leeb: „Wir haben derzeit noch keine dramatischen Zustände, aber sie sind ernst, bedürfen genauer Beobachtung. Schon jetzt haben wir die Situation, dass vor allem kleinere Gewässer trocken fallen. Das trifft etwa auf den Schwabinger Bach, die Auebäche im Münchner Norden oder den Garchinger Mühlbach zu. Für die ist nicht mehr genug Wasser da.“ Hänsel gibt zu bedenken: „Ob noch Bäume wachsen können, die einmal 100 Jahre alt werden, das ist wirklich fraglich.“

Marie-Julia Hlawica

Hallo München Interview: "Messbar weniger Öko-Strom produziert"

Michael Solic ist Sprecher der Stadtwerke München (SWM).

Die bayerische Landeshauptstadt setzt vermehrt auf Ökostrom, wie Solarenergie oder Wasserkraft, deren Gewinnung immer größere Bedeutung hat. Allein in der Münchner Region gibt es 13 Wasserkraftwerke, die gespeist werden müssen, um rentabel zu laufen. Michael Solic, Sprecher der Stadtwerke München (SWM), erklärt in Hallo München, wie es damit derzeit bestellt ist.

Wieweit ist München bei der Stromgewinnung von der Wasserknappheit betroffen?
Die Erzeugung von regenerativer Energien ist nur dann möglich, wenn die Gegebenheiten es erlauben. Die drei Isarkraftwerke am Wehrkanal haben diesen Sommer messbar weniger Öko-Strom produziert, als die Sommer zuvor.

Gibt es genug Grundwasserreserven?
Die SWM gewinnen Trinkwasser im Mangfall- und Loisachtal. Der jährliche Regen speist unsere Grundwasserressourcen um ein Vielfaches. Die Versorgungssicherheit ist daher auch in diesem trockenen Jahr sehr hoch. Stauräume zum Hochwasserrückhalt oder Niedrigwasseraufhöhung betreibt die SWM aber keine.

Woher holt die SWM aktuelle Informationen?
Die SWM steht in regelmäßigem Kontakt zu den Wasserwirtschaftsämtern, können dort online auf die Pegelstände zurückgreifen. Alle Bürger übrigens ebenso, im Internet unter: www.wwa-m.bayern.de

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