Münchner Künstler stellt Postkarten in einer Galerie in den USA aus

Vom Westend nach New York

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Inmitten im kreativen Chaos: Im Atelier von Kenneth Brown hängen einige seiner umgestalteten Karten an der Wand.

Postkarten sind seine Passion: Kenneth Brown (64, Foto) aus dem Westend sammelt sie – und macht Kunst aus ihnen. So einzigartig, dass seine Werke jetzt sogar in New York zu sehen sind.

An den Wänden hängen bunte Bilder, Postkarten, Skizzen, der ganze Raum ist übervoll mit Farben, Entwürfen und Arbeitsmaterialien, die Sessel sind schon etwas abgewetzt. In dem kleinen Keller im Westend herrscht kreatives Chaos. Ein typisches Kunstatelier eben. Es ist das Reich von Kenneth Brown. Von dem fensterlosen Zimmer aus hat er es mit seinen Werken jetzt nach New York geschafft. Der 64-Jährige darf dort einige Werke in einer Galerie ausstellen. Brown ist Amerikaner, er kennt die Stadt und ihre Kunstszene und hat sogar sieben Jahre dort gelebt.

Wenn er jetzt in die alte Heimat zurückkehrt, ist er trotzdem aufgeregt. „So eine Ausstellung hatte ich noch nie“, sagt er. Zum Geldverdienen nahm er immer verschiedene Jobs an, gerade arbeitet er als Zeitungsausträger der Hallo München. Seine Berufung aber ist schon seit Schulzeiten die Kunst.

„Jeder sieht etwas anderes darin“, erklärt er die Faszination, „und manche Sachen kann man nur durch Kunst ausdrücken.“ Dinge zum Beispiel, von denen er selbst gar nicht wusste, dass er sie sagen möchte. Denn Pläne, wie seine Werke aussehen sollen, macht er nicht. „Sie sind sehr intuitiv“, erklärt er. „Oft komme ich durch unvorhergesehene Umwege zu einem Ergebnis.“

Zurzeit gestaltet Brown vor allem Fotos, Kalenderblättchen und Postkarten vom Flohmarkt. Er malt die Karten zum Beispiel neu an, kratzt die Farbe aus oder bearbeitet sie mit Tinte. Manche Motive sind danach abstrakt, manche eher figurativ, Brown möchte sich nicht auf einen Stil einschränken. Die meisten Arbeiten ergänzt er mit einem Text. Der kann witzig und kurios, aber auch philosophisch und lyrisch sein. „Alles muss sich entwickeln“, erklärt Brown und zeigt eine Postkarte, die nur mit Wörtern gestaltet ist. „Bei der hat es mit einem Einkaufszettel angefangen“, sagt er. Von Wurst und Brot ist er über viele Assoziationsketten auf große Begriffe wie zum Beispiel Verständigung oder Freundschaft gekommen.

In den USA wird dieses Werk nicht zu sehen sein. Stattdessen werden dort acht Kalenderblättchen und Postkarten ausgestellt, die etwas mit Katzen zu tun haben. Sie wurden alle wirklich per Post versandt. Eine Bekannte hat den Kontakt zu der New Yorker Galeristin hergestellt. Bei einer USA-Reise traf sich Brown mit ihr. Die Arbeiten gefielen ihr – also schickte ihr Brown immer wieder Postkarten. 20 waren nötig, dann hatte er die Ausstellungszusage. C.Schuri

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