FC Ludwigsvorstadt ärgert sich über heruntergekommene Anlage in Sendling-Westpark

Eklig! Sportstätte ist total verschimmelt

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Den größten Schimmelbefall gibt es bei den Duschen: Herbert Nagl ärgert sich über den schlechten Zustand der Anlage.

Schimmel, wohin man blickt: Die Umkleiden und Duschen der Bezirkssportanlage Sendling-Westpark sind völlig heruntergekommen, klagt Herbert Nagl (großes Foto) vom FC Ludwigsvorstadt. Was Günter Schwarz, neuer Sportamt-Chef, zu den Zuständen sagt, lesen Sie hier.

Es riecht muffig in den Duschen der Bezirkssportanlage Sendling-Westpark in der Siegenburger Straße. Nicht nur nach dem Schweiß der Sportler. Auch modriger Schimmelgeruch sticht in die Nase. „Der Zustand in den Duschen ist nicht mehr zumutbar“, sagt Herbert Nagl (76), Vorsitzender des FC Ludwigsvorstadt. Der Verein teilt sich die Anlage mit dem BSC Sendling und dem SC Armin. Regelmäßig trainieren und spielen die 15 Jugend- und sechs Seniorenmannschaften des FC Ludwigsvorstadt in der Sportstätte – und ärgern sich über deren schlechten Zustand. „Der Schimmel ist extrem, gesund kann das nicht sein“, sagt Nagl. „ Ab einem gewissen Alter sollten wir die Kinder zum Duschen nach dem Sport erziehen“, erzählt er. Bei diesen Voraussetzungen sei das nur schwer möglich.

Neben dem Schimmel fällt der Putz von manchen Wänden herab, die Auswirkungen eines Wasserschadens treten zutage. Die Bezirkssportanlage stammt aus den 70er-Jahren, viel renoviert hat die Stadt bisher nicht. Vor ein paar Jahren wurden zwar die Schimmelpilze provisorisch beseitigt und die Wände wieder gestrichen, langfristig genutzt hat das aber nichts. Wenn abends 40 Sportler duschen, ist es dampfig in den Räumen. „Wir können aber nicht einfach die ganze Nacht das Fenster auflassen“, erklärt Nagl. So jedoch bleibt immer eine Restfeuchtigkeit zurück. Die Folge ist, dass der Schimmel immer wieder kommt. „Wir bräuchten eine Belüftungsanlage oder einen Luftabzug“, fordert Nagl. Ihm sei vor ein paar Jahren eine umfangreiche Sanierung versprochen worden – passiert sei aber nichts.

Noch lieber als eine Sanierung wäre dem Vorsitzenden des FC Ludwigsvorstadt gleich ein kompletter Neubau. Denn der Verein hat auch mit Platzproblemen zu kämpfen. Teilweise müssten sich bis zu vier Mannschaften eine Kabine teilen und es fehlt an Platz für Trikots und andere Materialien. „Und wir bräuchten dringend einen Jugendraum“, so Nagl. „Wir können nicht mal eine Besprechung mit den Jugendmannschaften machen.“

Der FC Ludwigsvorstadt ist Herbert Nagls Herzensangelegenheit, er war vor 57 Jahren Gründungsmitglied und engagiert sich seitdem mit Leidenschaft für den Verein. „Da kann man auch nicht einfach loslassen nach so einer langer Zeit“, sagt er. „Da muss man sich weiter einsetzen, auch wenn ich nur noch wenig Hoffnung habe.“ Er betont: „Wir verlangen nichts Unmögliches und es ist klar, dass nicht alles von heute auf morgen geht. Aber es muss ein Konzept vorgelegt werden.“

Das soll auch geschehen, sagt der neue Sportamtsleiter Günter Schwarz (siehe Interview). „Die Sportanlage an der Siegenburger Straße hat die oberste Priorität.“ Er verspricht: „Es wird ein komplett neues Betriebsgebäude mit Kunstrasenplatz entstehen.“ Rund 5,1 Millionen Euro seien für einen Neubau vorhanden, der größer sein soll und an die Bedürfnisse eines modernen Sportvereins angepasst wird. „Wir werden uns die Anlage in Kürze anschauen“, sagt Schwarz. Es ist geplant, dass möglichst bald die Vorplanung startet. So eine große Baumaßnahme braucht jedoch Vorlauf. Bis die neue Sportstätte fertig ist, kann es noch ein paar Jahre dauern. Bis dahin hat Schwarz einen Tipp: „Den Schimmel einfach bei uns melden, dann kommt jemand vorbei, der auf Schimmelbeseitigung spezialisiert ist.“ Claudia Schuri

Mehr Bilder finden Sie in unserer Fotostrecke.

Hallo München-Interview

Das Sportamt hat einen neuen Chef. Günter Schwarz (62), der das Amt schon mehrmals kommissarisch inne hatte, folgt auf Thomas Urban. Im Interview erklärt er, welche Aufgaben anstehen.

Herr Schwarz, was sind die wichtigsten Herausforderungen, die auf Sie warten?

„Das Allerwichtigste ist, die Infrastruktur für die Sportler in einen vernünftigen Zustand zu bringen. München wächst, wir stellen zunehmend fest, dass wir zu wenig Sportstätten haben. Aber gleichzeitig werden die Flächen, die für Sportstätten in Frage kommen, immer weniger.“

Wie geht das Sportamt damit um?

„Wir müssen Kooperationen eingehen, beispielsweise eine Fläche gemeinsam mit einer Schule nutzen. Und wir brauchen multifunktionale Flächen. Zum Beispiel könnte man auf dem Dach einer Turnhalle ein Beachvolleyball-Feld bauen. Auch in Parks und Grünanlagen müssen wir Bewegungsräume wie Parcours schaffen.“

Was ist mit den bestehenden Sportanlagen?

„Da gibt es einen Sanierungsstau, den wir versuchen, kontinuierlich abzuarbeiten. Wir haben dafür jedes Jahr acht Millionen Euro zur Verfügung. Zu viele Projekte gleichzeitig gehen aber nicht. 2016 realisieren wir sieben

Projekte, mehr sind für uns nicht zu schultern.“

Wieso? Was ist das Problem?

„Eine Bezirkssportanlage ist im Schnitt mit 30 Mannschaften belegt. Während der Bauarbeiten müssen wir diese wohnortnah woanders unterbringen. Ein Stadtviertel verträgt deshalb nicht zu viele Sanierungen gleichzeitig und auch unsere Mitarbeiter müssen noch alles stemmen können.

Weshalb sind so viele Renovierungen nötig?

„Die Bezirkssportanlagen wurden größtenteils in den 50er- und 60er-Jahren gebaut. Heute würde man sie ganz anders konzipieren. Wir brauchen zum Beispiel mehr Platz und es gibt inzwischen ein viel größeres Spektrum an Sportarten. Wir müssen die Spielflächen besser nutzen. Ascheplätze gehören der Vergangenheit an, Kunstrasenplätze sind die Zukunft. Diese kann man deutlich intensiver und witterungsunabhängiger nutzen."

Welchen weiteren Themen werden das Sportamt in nächster Zeit beschäftigen?

„Auch Großveranstaltungen gehören zu unseren Aufgaben, zum Beispiel die Ausrichtung von Spielen bei der UEFA 2020. Wichtig ist natürlich das kommunale Freizeitsportprogramm als Ergänzung zum Vereinsangebot. Wir brauchen außerdem eine Schwimmoffensive. Früher konnten in der vierten Klasse noch 90 Prozent der Kinder sicher schwimmen, jetzt sind es nur rund noch 50 Prozent. Und wir müssen ein Leistungssportkonzept entwickeln. Wir entwickeln gerade den Münchner Weg, welche Sportarten besonders gefördert werden sollen.“

Das Interview führte Claudia Schuri.

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