Clubheim, bitte kommen...

Münchner Amateurfunker suchen nach festem Sitz im Viertel

In seiner Sendestation nimmt Amateurfunker Rainer Englert Kontakt mit der ganzen Welt auf.

Selbst mit Astronaut Alexander Gerst auf der ISS haben sie schon geplaudert: Die Amateurfunker des Ortsverbandes München-Süd stehen in Kontakt mit der ganzen Welt und sogar dem All. Doch sie haben ein Problem: Ihnen fehlt ein Clubheim. Deswegen hat sich der Vorsitzende jetzt an den BA Sendling-Westpark gewandt.

„Delta November 4 Oskar Delta“: Was klingt wie eine Geheimsprache ist der Schlüssel in die Weiten des All, zu einem Plausch mit dem Astronauten Alexander Gerst. Bei einem Schulprojekt haben Abiturienten die Raumstation ISS kontaktiert – mit Hilfe von Amateurfunkern aus dem Viertel. Rund 180 Mitglieder hat der Funker-Ortsverband München-Süd, das Einzugsgebiet reicht vom Westpark bis hin zu Giesing, Grünwald und Gauting. Die Mitglieder stehen in Kontakt mit der ganzen Welt, sie funken die Antarktis genauso an wie Australien oder Amerika.

Jetzt haben sie sich an den Bezirksausschuss Sendling-Westpark gewandt. Das Anliegen: „Wir suchen schon seit langem ein Clubheim“, erklärt Funker-Vorsitzender Rainer Englert (57). „Da sind wir auf öffentliche Unterstützung angewiesen.“ Zur Zeit behelfen sich die Funker mit privaten Räumen, manche Veranstaltungen können im Jugend- und Nachbarschaftstreff Tatz oder beim Chaoscomputerclub stattfinden, Clubversammlungen sind in einem Wirtshaus am Westpark. Eine Dauerlösung ist das aber nicht. „Wir bräuchten einen Raum, wo wir uns treffen könnten und eine Werkstatt“, so Rainer Englert. Wichtig wäre dabei, dass es möglich ist, eine Antenne zu installieren und die zum Teil mehrere tausend Euro teuren Geräte abzusperren.

Die Funker haben viele Pläne, die meisten können sie nur mit einem festen Sitz umsetzen. Sie wollen an den Funkgeräten basteln, neue Teile bauen und ein Repair-Cafe gründen, bei dem sie für Bürger defekte technische Geräte aller Art reparieren. Auch die Nachwuchsarbeit soll verstärkt werden. Denn daran mangelt es zur Zeit ein wenig. „Wir müssten uns unbedingt um mehr Jugendgewinnung kümmern“, erklärt Englert. Zum Beispiel soll es irgendwann wieder so eine spektakuläre Schulaktion wie es der Funk ins All war, geben.

Zur Zeit liegt das Durchschnittsalter der Funker zwischen 40 und 50 Jahren. In Zeiten von Facebook, Smartphone und Co. ist es nicht immer leicht, Jugendliche für das Funken zu begeistern. Dazu bräuchte es mehr Aktivitäten. „Doch damit wir mehr machen können brauchen wir die Infrastruktur – und die haben wir jetzt nicht“, erklärt Englert.

Mitmachen kann jeder mit Interesse an Technik, egal welchen Beruf er hat, egal wie alt er ist. Englert ist seit 40 Jahre dabei, er hat als 17-Jähriger mit dem Funken begonnen. Die Faszination hält bis heute an: „Es ist interessant, zu begreifen, was hinter der Technik steht“, sagt er. Die Ortsgruppe organisiert zum Beispiel Funkkurse und bereitet sich darauf vor, bei Stromausfällen mit ihren Geräten bei der Krisenbewältigung mitzuhelfen (Info unten).

Eine wichtige Aufgabe, befand auch der BA. Doch: Den Wunsch nach einem Clubheim kann das Gremium so schnell nicht erfüllen. Die Mitglieder boten ihre Hilfe an, um für einzelne Veranstaltungen Orte zu finden. Aber: „Im Moment kann ich keine Hoffnung für einen Standort machen“, sagte BA-Chef Günter Keller. „Mir würde nichts einfallen.“ Die Funker suchen weiter.
C. Schuri

Die Funker als Nothelfer

„Telefon und Internet funktionieren nur solange es Strom gibt“, sagt Rainer Englert. „Bei einem Stromausfall ist die Bevölkerung bald abgeschnitten.“ Die Geräte der Amateurfunker dagegen können an Autobatterien angeschlossen werden und funktionieren mit Solarenergie. So können die Funker das technische Hilfswerk unterstützen. „Wir sorgen dafür, dass die Kommunikation beim Zivilschutz klappt“, so Englert.

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