So klingt das Viertel

Westend: Beim Hörspaziergang wird die Geräuschkulisse gemessen

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Maria Ernst (57) vom Gesundheitsladen in der Astallerstraße unternimmt mit Interessierten einen ganz besonderen Spaziergang durch das Viertel.

Motorenlärm, Hupkonzerte, das Vibrieren der Tram – aber auch Gespräche, Musik oder Umgebungsgeräusche: Wie sehr und Lärm im Alltag belastet, zeigt eine besondere Exkursion im Westend.

Westend – Bunt und vielseitig klinge das Westend, meint Maria Ernst. Die 57-jährige Sozialgeographin ist Mitarbeiterin im Gesundheitsladen in der Astallerstraße. Etwa zwei mal pro Jahr führt sie Interessierte bei einer Hörexkursion durch München und möchte diese für das Thema „Lärm“ sensibilisieren. 

Am Freitag, 5. Juli, findet ein ebensolcher Spaziergang durchs Westend statt. In Hallo erklärt Ernst vorab, was die Teilnehmer erwartet.

Startpunkt ist der Gesundheitsladen, von welchem es mit gespitzen Ohren in Richtung Landsberger Straße geht. „Unter der Donnersberger brücke messe ich immer die höchsten Werte“, sagt Ernst. Promt fährt ein Motorrad mit qietschenden Reifen los, der Wert des Schallpegelmessgeräts klettert auf über 90 Dezibel. „Hauptquelle des Lärms ist natürlich der Straßenverkehr“, weiß Ernst. 

Als Richtwert gelten in München 67 Dezibel tagsüber und 57 nachts. Werden diese überschritten, haben Anwohner Anspruch auf eine öffentlich geförderte Lärmsanierung. „Lärm hat massiven Einfluss auf unsere Gesundheit. Er stresst ungemein, was wiederum zu Herzkreislauf- und Stoffwechselerkrankungen führen kann“, erklärt Ernst. 

Das Westend in Dezibel

Unter der Donnersbergerbrücke misst das Schallmessgerät Werte über 90 Dezibel.
Unter der Donnersbergerbrücke misst das Schallmessgerät Werte über 90 Dezibel. © dbo
Auch das Plätschern eines Brunnens ist mit 69 Dezibel laut – obwohl es als angenehm empfunden wird.
Auch das Plätschern eines Brunnens ist mit 69 Dezibel laut – obwohl es als angenehm empfunden wird. © dbo
Neben den Bahngleisen entlang der Philipp-Loewenfeld-Straße werden 63 Dezibel gemessen – Züge fahren zu diesem Zeitpunkt nicht vorbei.
Neben den Bahngleisen entlang der Philipp-Loewenfeld-Straße werden 63 Dezibel gemessen – Züge fahren zu diesem Zeitpunkt nicht vorbei. © dbo
Der niedrigste Wert wird in der Kirche St. Benedikt erzielt mit leisen 29 Dezibel.
Der niedrigste Wert wird in der Kirche St. Benedikt erzielt mit leisen 29 Dezibel. © dbo
Auch die Fläche hinter dem MKJZ ist mit etwa 45 Dezibel eine Oase der Ruhe.
Auch die Fläche hinter dem MKJZ ist mit etwa 45 Dezibel eine Oase der Ruhe. © dbo

Oftmals würden wir die allgemeine Geräuschkulisse um uns gar nicht mehr wahrnehmen: „Erst ein Krankenwagen lässt uns mit seiner lauten Sirene wieder aufschrecken. Aber die muss so extrem laut sein – damit sie alles andere übertönt.“

Unangenehme Geräusche mit angenehmen Geräuschen übertönen – dieses Phänomen nennt sich „Soundscaping“. Zu finden beispielsweise auf dem Platz neben dem Central Tower an der Landsbergerstraße. Nur wenige Meter neben der lärmbelasteten Straße steht ein Brunnen. „Je näher man rangeht, desto weniger hört man noch von der Straße, bis man irgendwann nur noch das Plätschern wahrnimmt“, sagt Ernst und zückt dass Messgerät – 69 Dezibel. „Doch letztendlich bleibt Lärm einfach Lärm.“

Der leiseste Ort der Exkursion befindet sich in der Schrenkstraße – die Kirche St. Benedikt. Runter auf 28 Dezibel geht das Gerät, auch wenn sich der Moment mit der Kamera nicht einfangen lässt – zu laut, ist das Betätigen des Auslösers.

Daniela Borsutzky

Der nächste Hörspaziergang durchs Westend findet am Freitag, 5. Juli, von 16 bis circa 18 Uhr statt. Treffpunkt ist im Gesundheitsladen, Astallerstraße 14. Eine Anmeldung ist nicht nötig. Die Teilnahme ist kostenlos.

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