Er lässt alte Zeiten aufleben

Um der alten Zeiten Willen: Auf dem Stammtisch mit Ex-Wiesn-Wirt Richard Süßmeier

+
Posieren kann Richard Süßmeier auch mit 89 noch.

Wie könnte Richard Süßmeier wohl besser auf die guten alten Zeiten anstoßen, als mit seinen ehemaligen Bedienungen? Hallo war live und vor Ort dabei.

Theresienwiese – Er ritt beim Wiesn-Einzug auf einem Esel, trat als Puffmutter auf, veräppelte den damaligen Kreisverwaltungsreferenten Peter Gauweiler (CSU) und teilte ein Hendl in drei Hälften: Richard Süßmeier ist wohl die Wiesnwirt-Legende schlechthin. 

Von 1958 bis 1984 war er Festwirt des Armbrustschützenzelts und ab 1970 Sprecher der Wiesn­wirte. „Der Gauweiler fand den Herrn Süßmeier allerdings nicht so lustig“, erinnert sich die ehemalige Bedienung Brigitte Müller – 1984 verlor Süßmeier seine Konzession.

Doch bis heute lässt er die alten Zeiten aufleben: beim Stammtisch mit seinen ehemaligen Bedienungen. Das Treffen im August in der Gaststätte Großmarkthalle – auch dort war Süßmeier einmal Wirt – ist ein ganz besonderes: Denn der Gastronom feiert seinen 89. Geburtstag.

Schnaps ist in den Kurzen keiner – Spaß hat die Runde trotzdem.

Man unterhält sich über Freiluftopern und Enkel, Zipperlein und natürlich die Wiesn. Platten mit tranchierter Kalbshaxe werden serviert. „Hab ich mir gewünscht“, verkündet Süßmeier, seine hellblauen Augen blitzen spitzbübisch. „Die gibt’s nämlich nicht so oft.“ 

Es geht ihm „fast tadellos“, langweilig wird ihm nie. Acht aktive Stammtische hat er noch. Der in der Gaststätte Großmarkthalle hat noch etwa elf Mitglieder. „Unsere Älteste ist leider vor Kurzem mit 99 Jahren verstorben“, sagt Süßmeier. 

„Jeden Sonntag war sie noch immer mitm Rollator auf der Wiesn“, erinnert sich „Biermadl“ Helmut Hagn. Der heute 86-Jährige hat unter Süßmeier immer 14 Maß vom Zapfhahn zur Bedienung gebracht, damit alles „zack zack“ ging. 

„Bedienungen werden alt“, bemerkt Brigitte Müller. „Das harte Arbeiten schadet nicht, man merkt’s an uns.“ Dabei ist sie mit 70 Jahren eine der Jüngeren. Auch nach Süßmeier hat sie noch weiter im Armbrustschützenzelt gearbeitet, bis sie 64 war. „Aber keiner war so ein toller Chef wie er. Er hatte für jeden kleinen Menschen ein liebes Wort.“

Der nächste Stammtisch findet – wie könnte es auch anders sein – auf der Wiesn statt.

Daniela Borsutzky

Lesen Sie hier aktuelle Nachrichten aus den Stadtteilen

Ihr Viertel ist nicht dabei? Eine große Auswahl weiterer Lokalthemen finden Sie in unserer Übersicht.

Auch interessant:

Meistgelesen

36-Jähriger wird bedroht, nachdem er den Tätern Bargeld gab
36-Jähriger wird bedroht, nachdem er den Tätern Bargeld gab
Ein Rundgang durch die Sanitätsstation
Ein Rundgang durch die Sanitätsstation
Fußballfans gehen aufeinander los – Massenschlägerei zwischen drei Fanclubs
Fußballfans gehen aufeinander los – Massenschlägerei zwischen drei Fanclubs
Ein Stück Geschichte: Colorierte Trachtenfotos von 1895
Ein Stück Geschichte: Colorierte Trachtenfotos von 1895

Kommentare