Geschichte aus erster Hand

Münchens Kult-Spektakel: Sein Ur-Opa erfand den Wiesnumzug

+
Dr. Rolf Schmidt genannt Waldschmitt promovierte über das Leben seines Ur-Großvaters.

Er war Bayerns beliebtester Autor: Maximilian Schmidt, genannt Waldschmidt, holte 1895 rund 1500 Trachtler nach München – warum, erzählt sein Ur-Enkel in Hallo.

München – „Das geradezu langweilige und einförmige Oktoberfest auffrischen“ – das war das Ziel von Maximilian Schmidt genannt Waldschmidt, als er 1895 das Volkstrachtenfest zu Beginn der Wiesn organisierte. 

Fast ein halbes Jahr war der damals hochverehrte Autor, dessen 100. Todestag im Dezember ansteht, unterwegs in sieben Regierungsbezirken. Dort suchte er nach authentischen Trachten und überzeugte die Menschen, nach München zu kommen. 

Am Ende trafen sich dort 150 Gruppen, 1400 Menschen zu einem noch nie gesehenen Spektakel. Daraus entwickelte sich der Trachtenumzug, bei dem jährlich rund 9000 Mitwirkende am ersten Wiesn-Samstag von der Maximilianstraße zur Theresienwiese ziehen.

Sein Ur-Enkel, Dr. Rolf Schmidt genannt Waldschmidt, der in Schwabing wohnt, hat über Leben und Werk seines Ur-Großvaters promoviert. „Er hat 60 große Volkserzählungen geschrieben, von 1885 bis 1895 war er der meistgelesene aller deutschen Schriftsteller“, erklärt der 88-Jährige. Zu seinen Werken zählen „Die Fischerrosl von St. Heinrich“, „s’Liserl vom Ammersee“ oder „Der Schutzgeist von Oberammergau“. „Aber die Qualität litt manchmal unter der Quantität – heute muss man ihn nicht mehr unbedingt lesen“, urteilt der Jurist und Zeitungswissenschaftler.

Heute bedeutender sei sein Einsatz für Bayern. 1890 gründete er den Bayerischen Fremdenverkehrsverband, um den Tourismus zu fördern. Und die verschiedenen Teilnehmer des Volkstrachtenfests von 1895 ließ er mit colorierten Fotos dokumentieren, die lange als verschollen galten.

Ein Stück Geschichte: Colorierte Trachtenfotos von 1895

Maximilian Schmidt genannt Waldschmidt ließ die verschiedenen Teilnehmer des Volkstrachtenfests von 1895 mit colorierten Fotos dokumentieren.
Maximilian Schmidt genannt Waldschmidt ließ die verschiedenen Teilnehmer des Volkstrachtenfests von 1895 mit colorierten Fotos dokumentieren. © Bayerisches Nationalmuseum München
Maximilian Schmidt genannt Waldschmidt ließ die verschiedenen Teilnehmer des Volkstrachtenfests von 1895 mit colorierten Fotos dokumentieren.
Maximilian Schmidt genannt Waldschmidt ließ die verschiedenen Teilnehmer des Volkstrachtenfests von 1895 mit colorierten Fotos dokumentieren. © Bayerisches Nationalmuseum München
Maximilian Schmidt genannt Waldschmidt ließ die verschiedenen Teilnehmer des Volkstrachtenfests von 1895 mit colorierten Fotos dokumentieren.
Maximilian Schmidt genannt Waldschmidt ließ die verschiedenen Teilnehmer des Volkstrachtenfests von 1895 mit colorierten Fotos dokumentieren. © Bayerisches Nationalmuseum München
Maximilian Schmidt genannt Waldschmidt ließ die verschiedenen Teilnehmer des Volkstrachtenfests von 1895 mit colorierten Fotos dokumentieren.
Maximilian Schmidt genannt Waldschmidt ließ die verschiedenen Teilnehmer des Volkstrachtenfests von 1895 mit colorierten Fotos dokumentieren. © Bayerisches Nationalmuseum München
Maximilian Schmidt genannt Waldschmidt ließ die verschiedenen Teilnehmer des Volkstrachtenfests von 1895 mit colorierten Fotos dokumentieren.
Maximilian Schmidt genannt Waldschmidt ließ die verschiedenen Teilnehmer des Volkstrachtenfests von 1895 mit colorierten Fotos dokumentieren. © Bayerisches Nationalmuseum München
Maximilian Schmidt genannt Waldschmidt ließ die verschiedenen Teilnehmer des Volkstrachtenfests von 1895 mit colorierten Fotos dokumentieren.
Maximilian Schmidt genannt Waldschmidt ließ die verschiedenen Teilnehmer des Volkstrachtenfests von 1895 mit colorierten Fotos dokumentieren. © Bayerisches Nationalmuseum München
Maximilian Schmidt genannt Waldschmidt ließ die verschiedenen Teilnehmer des Volkstrachtenfests von 1895 mit colorierten Fotos dokumentieren.
Maximilian Schmidt genannt Waldschmidt ließ die verschiedenen Teilnehmer des Volkstrachtenfests von 1895 mit colorierten Fotos dokumentieren. © Bayerisches Nationalmuseum München
Maximilian Schmidt genannt Waldschmidt ließ die verschiedenen Teilnehmer des Volkstrachtenfests von 1895 mit colorierten Fotos dokumentieren.
Maximilian Schmidt genannt Waldschmidt ließ die verschiedenen Teilnehmer des Volkstrachtenfests von 1895 mit colorierten Fotos dokumentieren. © Bayerisches Nationalmuseum München
Maximilian Schmidt genannt Waldschmidt ließ die verschiedenen Teilnehmer des Volkstrachtenfests von 1895 mit colorierten Fotos dokumentieren.
Maximilian Schmidt genannt Waldschmidt ließ die verschiedenen Teilnehmer des Volkstrachtenfests von 1895 mit colorierten Fotos dokumentieren. © Bayerisches Nationalmuseum München
Maximilian Schmidt genannt Waldschmidt ließ die verschiedenen Teilnehmer des Volkstrachtenfests von 1895 mit colorierten Fotos dokumentieren.
Maximilian Schmidt genannt Waldschmidt ließ die verschiedenen Teilnehmer des Volkstrachtenfests von 1895 mit colorierten Fotos dokumentieren. © Bayerisches Nationalmuseum München

„Eigentlich wollte er noch einen großes Volkstrachtenband herausgeben“, erklärt sein Ur-Enkel. Doch dazu kam es nicht – auch aus finanziellen Gründen. „Finanziell war es ein Reinfall für ihn, er blieb auf 8000 Mark Schulden sitzen.“ Die Zuschauer kamen in Scharen, kauften aber keine Festzeichen.

Sein gutes Verhältnis zum Königshaus beeinträchtigte das nicht. „1898 wollte der Prinzregent meinen Ur-Großvater in den Adelsstand erheben, aber er wollte das nicht. Es gab einen Maximilian von Schmidt, zu dem sein Verhältnis nicht gut war.“ Stattdessen erbat er sich den Namenszusatz „genannt Waldschmidt“ – angelehnt an seine Herkunft aus dem Bayerischen Wald. Dieser vererbt sich seither von Generation zu Generation. 

In München erinnert noch eine Tafel an seinem Haus an der Thierschstraße an ihn, wo er bis zu seinem Tod 1919 lebte. Und jedes Jahr die BR-Kommentatoren während des Trachtenumzugs.

Maren Kowitz

Die wundersame Foto-Rettung

Anja Behringer.

München – Als sie für ein Buch über die Bewohner des Midgard-Hauses in Tutzing recherchierte, stieß Anja Behringer auf Maximilian Schmidt genannt Waldschmidt, der von 1864 bis 72 dort gelebt hatte, und war fasziniert. 

Zwei Jahre lang suchte sie im Bayerischen Nationalmuseum und anderen Münchner Museen nach den Trachten-Fotos, die er 1895 hatte anfertigen lassen. „Ständig hieß es, sie seien im Krieg verschollen gegangen.“ 

2011 unternahm sie noch einen letzten Versuch beim Bayerischen Nationalmuseum. Eine Mitarbeiterin machte sich auf die Suche und stieß auf eine Schachtel im Archiv. Heute befinden sich die 97 Fotos in der Sammlung des Bayerischen Nationalmuseums. 

2018 wurden sie in der Bayerischen Landesausstellung in Ettal gezeigt. „Seitdem ist er wieder mehr ins Bewusstsein gerückt“, erklärt Anja Behringer.

So zünftig wird es dieses Jahr

Zahlreiche historische Trachtengruppen wie die Passauer Goldhauben bereichern jährlich den Wiesnumzug.

München – Rund 9000 Mitwirkende machen den traditionellen Trachten- und Schützenzug beim Oktoberfest zu einem Höhepunkt für Traditionsfans. Am ersten Wiesn-Sonntag, 22. September, starten um 10 Uhr Schützenvereine, historische Trachtengruppen wie die Passauer Goldhauben, Musikkapellen und Fahnenschwinger am Max-II-Denkmal an der Maximilianstraße. 

Sie ziehen durch die Münchner Innenstadt über die Residenzstraße, den Odeonsplatz, die Ludwigstraße, Briennerstraße über die Kardinal-Faulhaber-Straße zum Promenadeplatz und über die Pacellistraße zum Lenbachplatz. Von dort geht es zum Stachus über die Sonnenstraße, Schwanthalerstraße und den Kaiser-Ludwig-Platz bis zum Esperantoplatz an der Theresienwiese. 

Bis circa 13.30 Uhr sind deswegen die Straßen für Autos gesperrt und die Tramlinien 16/17, 18/19, 20/21, 27/28 sowie die Buslinien X98, 100 und 132 von Änderungen betroffen.

Haben wir Ihr Interesse geweckt? Eine große Auswahl weiterer Oktoberfest-Themen finden Sie in unserem Hallo-Wiesn-Spezial.

Auch interessant:

Meistgelesen

Hauptbahnhof München: Jetzt wird nach Fliegerbomben gesucht
Hauptbahnhof München: Jetzt wird nach Fliegerbomben gesucht
Wird das ehemalige Waldschlössl nun abgerissen?
Wird das ehemalige Waldschlössl nun abgerissen?
Blick hinter den Bauzaun: So wird am Hauptbahnhof gewerkelt
Blick hinter den Bauzaun: So wird am Hauptbahnhof gewerkelt
Tram 16, 17, N17 – Einschränkungen und Umleitung wegen Bauarbeiten 
Tram 16, 17, N17 – Einschränkungen und Umleitung wegen Bauarbeiten 

Kommentare