Wann kehrt hier wieder Leben ein?

Waldfriedhofviertel: Bürger beklagen die schlechte Nahversorgungslage

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Das beste Beispiel für den Zustand des Viertels sei der leerstehende Gebäudekomplex an der Waldfriedhof-/Fürstenrieder Straße.

Leerstand, fehlender Einzelhandel... Das Waldfriedhofviertel ist tot, finden Anwohner. Wie die Lokalpolitiker die Lage beurteilen und welche Maßnahmen geplant sind...

Sendling-Westpark – „Wir wohnen nicht nur am Waldfriedhof – wir haben schon einen Fuß drin“, beklagt sich Freya M., die seit 40 Jahren im Viertel lebt. Die 82-Jährige hat in den letzten Jahren eine Beobachtung gemacht, die ihr so gar nicht gefällt: „Immer mehr Läden machen zu. „Hier rührt sich gar nichts mehr!“

Bezeichnendes Beispiel: Der Gebäudekomplex an der Waldfriedhof-/Fürstenrieder Straße. Hier gab es mal einen Supermarkt, einen Bäcker, ein beliebtes Café mit Terrasse, Ärzte – alle sind weg, zuletzt zog ein Drogeriemarkt aus.

Seit Jahren ist bereits geplant, hier ein neues Quartierszentrum zu errichten. Investor ist die Rock Capital Group GmbH aus Grünwald, ein Werbebanner hängt prominent an der Fassade.

Früher war Freya M. gerne in dem Ladenzentrum an der Waldfriedhof-/Fürstenrieder Straße einkaufen.

Doch: „Langsam wird der Zustand ein bisschen peinlich“, meint Uwe Kramm (Grüne), Mitglied im BA und Vorsitzender des Unterausschusses (UA) Bau und Umwelt. „Wir hatten im UA schon einige Anträge auf Vorbescheid. Direkt an der Ecke entsteht ein Hochpunkt mit bis zu acht Stockwerken, Büros und Wohnungen, unten soll wieder der Einzelhandel unterkommen. Das größte Problem war die Anlieferung, die dann allerdings über die Fürstenrieder gelöst werden konnte – letztlich könnte der Eigentümer jetzt also bauen“, erklärt Kramm. 

Ein Bauantrag liegt bislang nicht vor

Doch ein Bauantrag liegt bis heute nicht vor. Das bestätigt auch Ingo Trömer vom Planungsreferat. Aus datenschutzrechtlichen Gründen könnten jedoch keine weiteren Auskünfte – beispielsweise zu potentiellen künftigen Mietern – erteilt werden. „Ärgerlich“, findet Kramm den Stillstand, schließlich sei der Komplex ein „gewisses Entree zum Viertel, den man schon als Schandfleck bezeichnen kann.“

Bis Redaktionsschluss war von Rock Capital niemand für eine aktuelle Stellungnahme zu erreichen. Anfang Mai ließ man gegenüber Hallo verlauten, dass man sich noch in der Planungsphase befinde.

Vor einem Monat hat außerdem der Gemüsemarkt an der Fürstenrieder Straße, zwischen Post und Burger King, dicht gemacht. Kramm vermutet, dass bei einem nahenden Abriss auch diese angrenzenden Gebäude dran glauben müssen: „Wenn es denn mal losgeht, wird das ein sehr umfängliches Bauvorhaben.“

Freya M. wünscht sich indes, dass sie ein neues, großes Kaufhaus noch erleben darf. Im Viertel bleibt ihr im Moment nur der Edeka zum Einkaufen – weitere Wege sind mit dem Rollator zu beschwerlich.

Daniela Borsutzky

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