Optische Aufwertung

Neue Street-Art-Projekte: Wie Sendling-Westpark bunter wird

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Schüler zweier zehnter Klassen des Ludwigsgymnasiums haben mit Unterstützung des Künstlers Loomit die Unterführung am Stegener Weg/Westendstraße gestaltet.

Erfahrene Künstler treffen auf kreative Jugendliche: Bei so viel geballter künstlerischer Begabung, wird das Viertel bald in neuem Farbglanz erstrahlen.

Sendling-Westpark – Die Unterführung zum Südpark an der Innerkoflerstraße zeigt Szenen aus dem Sendlinger Wald, der Durchgang am Grasweg zum Audi Dome optische Täuschungen und Illusionen und der Tunnel an der Markomannenstraße die Geschichte Sendlings. 

Via ,Seitensprung’ zum Audi Dome

Die Unterführung am Grasweg, unterhalb der Garmischer Straße, wird seit ein paar Wochen neu gestaltet.
Die Unterführung am Grasweg, unterhalb der Garmischer Straße, wird seit ein paar Wochen neu gestaltet. © dbo
Die Künstler vom International Munich Art Lab (IMAL), rund um Dozent Michael Rösch (links), übernehmen die Bemalung. Initiiert wurde das Projekt von Hans Dusolt (Grüne, 2.v.l.) und dem Bezirksausschuss Sendling-Westpark. Rund 50 Jugendliche beteiligen sich an der Aktion, darunter Leon Boden (23) und Alexandre LeQuément (18, v.l.).
Die Künstler vom International Munich Art Lab (IMAL), rund um Dozent Michael Rösch (links), übernehmen die Bemalung. Initiiert wurde das Projekt von Hans Dusolt (Grüne, 2.v.l.) und dem Bezirksausschuss Sendling-Westpark. Rund 50 Jugendliche beteiligen sich an der Aktion, darunter Leon Boden (23) und Alexandre LeQuément (18, v.l.). © dbo
„Das Konzept ist auf optische Täuschungen und Illusionen ausgelegt. Die Streifen, unter denen die alte Bemalung noch hervorscheint, ermöglicht Perspektivwechsel“, sagt Rösch.
„Das Konzept ist auf optische Täuschungen und Illusionen ausgelegt. Die Streifen, unter denen die alte Bemalung noch hervorscheint, ermöglicht Perspektivwechsel“, sagt Rösch. © dbo
Auf der weißen Grundierung wird mit Schablonen gearbeitet. Nach und nach werden verschiedene Motive platziert, so wie dieser Kehrichtbesen als „ironischer Seitenverweis“, erklärt Rösch.
Auf der weißen Grundierung wird mit Schablonen gearbeitet. Nach und nach werden verschiedene Motive platziert, so wie dieser Kehrichtbesen als „ironischer Seitenverweis“, erklärt Rösch. © dbo
Die Gänsefamilie ist ein Motiv von Alexandre LeQuément (18).
Die Gänsefamilie ist ein Motiv von Alexandre LeQuément (18). © dbo
Beim Hallo-Ortstermin arbeitet Leon Boden (23) gerade an seinem „Fenster nach außerhalb“. Unter anderem bekommt es noch einen Goldrahmen.
Beim Hallo-Ortstermin arbeitet Leon Boden (23) gerade an seinem „Fenster nach außerhalb“. Unter anderem bekommt es noch einen Goldrahmen. © dbo
Ab September wird die zweite Seite der Unterführung bemalt, gegen Oktober soll die Bemalung abgeschlossen sein. Zum Abschluss sollen sich auch noch die Viertel-Bewohner verewigen dürfen ¬– so die Idee von Rösch und Dusolt.
Ab September wird die zweite Seite der Unterführung bemalt, gegen Oktober soll die Bemalung abgeschlossen sein. Zum Abschluss sollen sich auch noch die Viertel-Bewohner verewigen dürfen ¬– so die Idee von Rösch und Dusolt. © dbo

Jetzt wird ein weiterer unterirdischer Weg mit Street-Art neu in Szene gesetzt: Die Unterführung am Stegener Weg Ecke Westendstraße bekommt Farbe.

Schüler zweier zehnter Klassen des Ludwigsgymnasiums haben mit Unterstützung des Künsters Loomit am vergangenen Wochenende begonnen, die Wände zu gestalten, Schüler der Georg-Büchner-Realschule werden die Arbeit fortsetzen. 

Street-Art in München: Hier kann man Viertel-Historie an der Wand bewundern

Künstlerin Anna-Louise Bath aka Fraubath.
Künstlerin Anna-Louise Bath aka Fraubath. © Foto: dbo | Abgebildete Motive: Fraubath, Cemnoz, Morefines, Flin
Die Unterführung an der Markomannenstraße führt in den Südpark – jetzt wurde sie von Street-Art-Künstlern neu gestaltet.
Die Unterführung an der Markomannenstraße führt in den Südpark – jetzt wurde sie von Street-Art-Künstlern neu gestaltet. © Foto: dbo | Abgebildete Motive: Fraubath, Cemnoz, Morefines, Flin
Die Unterführung ist Bestandteil einer ausgeschilderten Radlhauptroute. Die Wände des Zwei-Richtungsradwegs sind nun mit bunten Schriftzügen geschmückt.
Die Unterführung ist Bestandteil einer ausgeschilderten Radlhauptroute. Die Wände des Zwei-Richtungsradwegs sind nun mit bunten Schriftzügen geschmückt. © Foto: dbo | Abgebildete Motive: Fraubath, Cemnoz, Morefines, Flin
Im November 2018 hatten die Künstler mit der Bemalung begonnen. Weil es Probleme mit der Dosenlieferung gab und dann der Wintereinbruch folgte, kam es zu Verzögerungen. "Ich schätze, wir haben 800 bis 900 Farbdosen benötigt. Wenn es zu kalt ist, kann man nicht sprühen – unter anderem weil dann zu viel Druck auf der Dose ist", so die Künstlerin Fraubath.
Im November 2018 hatten die Künstler mit der Bemalung begonnen. Weil es Probleme mit der Dosenlieferung gab und dann der Wintereinbruch folgte, kam es zu Verzögerungen. "Ich schätze, wir haben 800 bis 900 Farbdosen benötigt. Wenn es zu kalt ist, kann man nicht sprühen – unter anderem weil dann zu viel Druck auf der Dose ist", so die Künstlerin Fraubath. © Foto: dbo | Abgebildete Motive: Fraubath, Cemnoz, Morefines, Flin
„Am Wochenende um den 18. Mai wollen wir fertig werden“, sagt Fraubath. Damit der Durchgang heller wirkt, wurde hauptsächlich mit Sand- und Blautönen gearbeitet – mehr als 300 Quadratmeter wurden bemalt.
„Am Wochenende um den 18. Mai wollen wir fertig werden“, sagt Fraubath. Damit der Durchgang heller wirkt, wurde hauptsächlich mit Sand- und Blautönen gearbeitet – mehr als 300 Quadratmeter wurden bemalt. © Foto: dbo | Abgebildete Motive: Fraubath, Cemnoz, Morefines, Flin
„Die Garmischer Autobahn war früher eine Allee. Vom Schloss Fürstenried konnte man bis zur Frauenkirche sehen. Das haben wir nachgebildet“, erklärt Fraubath.
„Die Garmischer Autobahn war früher eine Allee. Vom Schloss Fürstenried konnte man bis zur Frauenkirche sehen. Das haben wir nachgebild © Foto: dbo | Abgebildete Motive: Fraubath, Cemnoz, Morefines, Flin
Weil auf dieser Allee damals Kutschen gefahren sind, finden sich in der Unterführung viele Pferde. Mal abstrakter...
Weil auf dieser Allee damals Kutschen gefahren sind, finden sich in der Unterführung viele Pferde. Mal abstrakter... © Foto: dbo | Abgebildete Motive: Fraubath, Cemnoz, Morefines, Flin
... mal realistischer. Dieses Motiv ist von Fraubath: „Ich nenne es immer die Geisterkutsche. Eigentlich war geplant, dass der Mann noch Zügel in die Hände bekommt – jetzt habe ich es doch so gelassen. Ich finde es hat was!“
... mal realistischer. Dieses Motiv ist von Fraubath: „Ich nenne es immer die Geisterkutsche. Eigentlich war geplant, dass der Mann noch Zügel in die Hände bekommt – jetzt habe ich es doch so gelassen. Ich finde es hat was!“ © Foto: dbo | Abgebildete Motive: Fraubath, Cemnoz, Morefines, Flin
Ein historisches Ereignis ist ebenfalls festgehalten: Die "Sendlinger Mordweihnacht" von 1705.
Ein historisches Ereignis ist ebenfalls festgehalten: Die "Sendlinger Mordweihnacht" von 1705. © Foto: dbo | Abgebildete Motive: Fraubath, Cemnoz, Morefines, Flin
In dieser Bauernschlacht metzelten Truppen der Reichsarmee bayerische Aufständische nieder. Der Legende nach soll als einer der letzten Verteidiger der sagenhafte "Schmied von Kochel" gefallen sein.
In dieser Bauernschlacht metzelten Truppen der Reichsarmee bayerische Aufständische nieder. Der Legende nach soll als einer der letzten Verteidiger der sagenhafte "Schmied von Kochel" gefallen sein. © Foto: dbo | Abgebildete Motive: Fraubath, Cemnoz, Morefines, Flin
Einige wenige Überlebende flüchteten zur Pfarrkirche St. Margaret. Doch selbst vor diesem geweihten Ort machten die Besatzer in der Weihnachtsnacht nicht Halt und töteten alle.
Einige wenige Überlebende flüchteten zur Pfarrkirche St. Margaret. Doch selbst vor diesem geweihten Ort machten die Besatzer in der Weihnachtsnacht nicht Halt und töteten alle. © Foto: dbo | Abgebildete Motive: Fraubath, Cemnoz, Morefines, Flin

„Wir versuchen immer, einen Bezug zum Standort herzustellen“, erklärt Hans Dusolt (kl. Foto oben, Grüne), Vorsitzender des Unterausschusses (UA)Soziales und Kultur im Bezirksausschuss. „Diesmal haben sich die Schüler verschiedene Filmszene ausgesucht – in Anlehnung an die Veranstaltung Kino, Mond und Sterne im Westpark“, sagt Dusolt.

Bildergalerie: Neuer Südpark-Zugang

Fraubath (Anna-Louise Bath) und der Rest der Crew sind stolz auf ihr Projekt: die Unterführung zum Südpark ist jetzt bunt
Fraubath (Anna-Louise Bath) und der Rest der Crew sind stolz auf ihr Projekt: die Unterführung zum Südpark ist jetzt bunt © dw
Dass es hier um den Weg in den Park geht ist nicht zu übersehen. Ranken gestalten den Schriftzug „Südpark“.
Dass es hier um den Weg in den Park geht ist nicht zu übersehen. Ranken gestalten den Schriftzug „Südpark“. © dw
Synthese: Graffiti-typische verwobene Schriftzügen sind eingebettet in das Grün des Waldes.
Synthese: Graffiti-typische verwobene Schriftzügen sind eingebettet in das Grün des Waldes. © dw
Das Zick-Zack Schema zwischen dunkel und hell, zwischen rund und kantig und zwischen Natur und Stadt zieht sich durch den gesamten Tunnel.
Das Zick-Zack Schema zwischen dunkel und hell, zwischen rund und kantig und zwischen Natur und Stadt zieht sich durch den gesamten Tunnel © dw
Wie unterschiedlich die Stile der verschiedenen Künstler sind ist unschwer zu erkennen: abstrakt trifft realistisch.
Wie unterschiedlich die Stile der verschiedenen Künstler sind ist unschwer zu erkennen: abstrakt trifft realistisch. © dw
Fraubath beim Gestalten des nächsten Schriftzugs „Sand“ aus Wurzel.
Fraubath beim Gestalten des nächsten Schriftzugs „Sand“ aus Wurzel. © dw
Blau und Grün: Kontrast oder Synthese?
Blau und Grün: Kontrast oder Synthese? © dw
Auch verpixelte Elemente treten durch das Gesamtwerk hindurch auf, hier in deutlichen Kontrast zu der Libelle als natürliches Lebewesen.
Auch verpixelte Elemente treten durch das Gesamtwerk hindurch auf, hier in deutlichen Kontrast zu der Libelle als natürliches Lebewesen. © dw
Asphalt trifft Graffiti: Ein Sprayer muss auch in den unbequemsten Posen gute Arbeit leisten können.
Asphalt trifft Graffiti: Ein Sprayer muss auch in den unbequemsten Posen gute Arbeit leisten können. © dw
Zwischen den Wurzeln treffen sich alle wiederkehrenden Elemente wieder.
Zwischen den Wurzeln treffen sich alle wiederkehrenden Elemente wieder. © dw

In der jüngsten BA-Sitzung hatte außerdem Charlotte Mosebach (kl. Foto unten, SPD), ebenfalls Mitglied im UA, den Antrag gestellt, verschiedene Trafo-Häuschen im Viertel künstlerisch aufzuwerten. 

„Es wäre toll, wenn man auch hier wieder die Jugend miteinbeziehen könnte“, so Mosebach. Der UA will sich nun darum kümmern.

Daniela Borsutzky

Lesen Sie auch: Martin Blumöhr: Künstler gestaltet technische Anlagen entlang Autobahn

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