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Eigentor für das künstliche Grün?

Mikroplastik im Kunstrasen: BA wittert Gefahr für Gesundheit und Umwelt

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Kunstrasenplätze sind womöglich die drittgrößte Quelle für Mikroplastik – wie man mit ihnen in Zukunft umgehen will ist unklar.

Sind Kunstrasenplätze möglicherweise die drittgrößte Quelle für Mikroplastik? Alternativen sind gefordert – vor allem, weil im Viertel aktuell ein neuer Kunstrasen angelegt werden soll...

Sendling-Westpark – Fußballplätze mit Kunstrasen aus Gummigranulat sondern möglicherweise Mikroplastik ab – zu diesem Ergebnis kam eine Studie des Fraunhofer-Instituts. Jetzt macht sich Verunsicherung breit. 

Auch die Grünen-Fraktion im Bezirksausschuss (BA) Sendling-Westpark fordert jetzt Alternativen, die unbedenklicher für die Umwelt und Gesundheit sind. Hans Dusolt hat in der jüngsten Sitzung diesen Antrag gestellt, in dem er auch verlangte, Neuanlagen „auf das unbedingt Notwendige zu beschränken.“

Betroffen davon ist der MTV München von 1879. Er hatte in seinem Sportpark Werdenfelsstraße die Verlegung eines Kunstrasens beantragt. Dort ist man sich der Problematik seit etwa einem halben Jahr bewusst, wie Geschäftsführer Veit Hesse erklärt. „Die Planung zu zwei Kunstrasenplätzen, je einer für Hockey und Fußball, gibt es aber bereits seit über zehn Jahren. Der erste Antrag beim Bayerischen Landessportverband wurde dazu 2012 gestellt“, so Hesse. 

Ein „echter“ Rasen stehe allerdings nicht zur Debatte. Denn Hockey werde nahezu ausschließlich auf Kunstrasen gespielt, außerdem sei dieser deutlich belastbarer. „Während Rasenplätze in den Herbst- und Frühlingsmonaten nur sehr eingeschränkt und in den Wintermonaten gar nicht nutzbar sind, kann ein reiner Kunstrasen das ganze Jahr über bespielt werden. Auch im Sommer ist eine deutlich intensivere Nutzung möglich“, erklärt Hesse.

Das Referat für Bildung und Sport (RBS) betreibt derzeit 41 städtische Freisportanlagen mit insgesamt 47 Kunstrasenplätzen. „44 der Spielfelder sind mit Gummigranulat-/Quarzsand-Mischung gefüllt. Die anderen Plätze sind entweder ungefüllt oder mit reinem Quarzsand“, so Katharina Rieger vom RBS. 

Hans Dusolt hat in der jüngsten Sitzung beantragt, dass nach neuen und gesundheitlich unbedenklicheren Alternativen für Kunstrasenplätze gesucht wird.

Aktuell befinden sich vier Plätze mit einer Granulatsandmischung im Bau, drei weitere sind in Planung. Weil den Referaten ein Stadtratsantrag sowie eine Anfrage zum Thema vorliegen, wollen sie der Beantwortung dieser Anträge nicht vorgreifen. Das Referat für Gesundheit (RGU) und Umwelt verweist außerdem für „derartige Grundsatzthemen“ auf das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) sowie das Umweltbundesamt (UBA).

Ein Sprecher des LfU möchte keine Empfehlung an Sportvereine aussprechen – zu dürftig sei der Wissensstand. Und auch aus dem UBA heißt es, dass man derzeit zu diesem Thema nicht „sprachfähig“ sei. „Allerdings findet noch im Mai eine Besprechung statt“, so Sprecherin Catleen Rieprich.

Im BA entschied man sich, die Problematik zusammen mit den betroffenen Vereinen und Vertretern der Stadt im Unterausschuss näher zu diskutieren.

Daniela Borsutzky

Die Kunstrasen-Problematik

Untersuchungen des Fraunhofer-Instituts besagen, dass Sportplätze mit 11 000 Tonnen jährlicher Emission die drittgrößte Quelle für Mikroplastik (= Kunststoffpartikel kleiner als fünf Millimeter) in Deutschland darstellen. Zum einen können die Kunststoffhalme der Kunstrasenflächen abreißen. Zum anderen wird vor allem das Kunststoffgranulat, mit dem der Rasen aufgeschüttet ist, durch Niederschläge oder die Sportler selbst abgetragen. 

Mikroplastik gelangt sowohl über die Nahrungskette als auch durch direkte Aufnahme über die Atmung in den menschlichen Organismus. Die gesundheitlichen Auswirkungen auf die Gesundheit sind derzeit noch nicht ausreichend untersucht.

Die Landtags-SPD hat die Staatsregierung kürzlich aufgefordert zu handeln. Und auch die Stadtratsfraktion Grüne/Rosa Liste fordert in einem Antrag an das RBS sowie RGU, ein Stadtratshearing zum Thema „Einsatz von Kunstrasen“ zu organisieren. Zudem möchte die Fraktion in einer Anfrage unter anderem erfahren, ob sich die Stadt bereits mit alternativen Verfüllmaterialien wie beispielsweise Kork oder mit Hybridrasen auseinandergesetzt hat.

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Auch die Sendlinger Diplom-Biologin Verena Platt-Till kämpft für den Artenschutz und den Erhalt einer gesunden Umwelt. Im Herbst letzten Jahres hat sie sich auf einen Taucheinsatz nach Irland begeben, um dort vor Ort gegen Geisternetze zu kämpfen – und von ihren Erlebnissen berichtet.

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