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Jubiläum in Sendling-Westpark

100 Jahre Kriegersiedlung: So hat sich das Leben in der Genossenschaft verändert

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Die heutige Siedlung aus der Luftperspektive.

Bezahlbarer Wohnraum: Wovon tausende Münchner heute nur träumen können, ist Gang und Gäbe in der Kriegersiedlung. Wie sich das dortige Leben seit 1919 verändert hat, erklärt ein Bewohner in Hallo.

Sendling-Westpark – Der Ruf nach bezahlbarem Wohnraum in München ist laut – und das war er auch schon vor 100 Jahren. In den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg war die Idee zur Gründung von Genossenschaften weit verbreitet. So wurde auch die Baugenossenschaft Kriegersiedlung im Jahr 1919 ins Leben gerufen. 

Mit einem Fest am Freitag, 12. Juli, wird dieser Anlass gefeiert. Peter Väth, Jahrgang 1943, wurde in die Siedlung an der damaligen Forstenrieder Straße – heute Albert-Roßhaupter-Straße – hineingeboren. Väths Mutter war Schneiderin, zusammen mit den vier Söhnen lebte die Familie auf 48 Quadratmetern in einem Mehrfamilienhaus der Siedlung. 

„1957 wurde gegenüber eine größere Wohnung in einem Reihenhaus frei – seitdem wohne ich hier“, berichtet Väth, der in der neuen, größeren Bleibe ein etwa drei Quadratmeter großes „Kammerl“ unter der Dachschräge sein Eigen nennen konnte. Auch eine Dusche gab es nun, die der ältere Bruder, gelernter Sanitärinstallateur, eingebaut hatte. „Im alten Haus gab es im Keller eine Badewanne für alle Bewohner. Badetag war nur am Wochenende“, berichtet Väth.

100 Jahre Kriegersiedlung: Impressionen der Geschichte

Die Einfahrt zur Siedlung vor 1934.
Die Einfahrt zur Siedlung vor 1934. © Baugenossenschaft Kriegersiedlung
Die Einfahrt zur Siedlung heute.
Die Einfahrt zur Siedlung heute. © dbo
Die Kriegersiedlung aus der Luftperspektive.
Die Kriegersiedlung aus der Luftperspektive. © Baugenossenschaft Kriegersiedlung
Der erste Bauabschnitt nach Fertigstellung vom heutigen Spielplatz aus gesehen.
Der erste Bauabschnitt nach Fertigstellung vom heutigen Spielplatz aus gesehen. © Baugenossenschaft Kriegersiedlung
Bis 1994 fuhr die Straßbenbahnlinie 18 an der Siedlung vorbei.
Bis 1994 fuhr die Straßbenbahnlinie 18 an der Siedlung vorbei. © Baugenossenschaft Kriegersiedlung
Das "Wirtshaus in Sendling" gibt es noch heute.
Das "Wirtshaus in Sendling" gibt es noch heute. © dbo
Peter Väth wurde 1943 in die Kriegersiedlung hineingeboren – er lebnt bis heute dort.
Peter Väth wurde 1943 in die Kriegersiedlung hineingeboren – er lebnt bis heute dort. © dbo
In der Anfangszeit gab es noch Nutztierhaltung in den Vorgärten.
In der Anfangszeit gab es noch Nutztierhaltung in den Vorgärten. © Baugenossenschaft Kriegersiedlung
Die Kinder der Kriegersiedlung versuchten sich als Rennfahrer.
Die Kinder der Kriegersiedlung versuchten sich als Rennfahrer. © Baugenossenschaft Kriegersiedlung
Peter Väth saß 40 Jahre im Vorstand der Siedlung. 2017 gab er sein Amt auf, um sich vermehrt einem neuen Hobby zu widmen: den Bienen.
Peter Väth saß 40 Jahre im Vorstand der Siedlung. 2017 gab er sein Amt auf, um sich vermehrt einem neuen Hobby zu widmen: den Bienen. © dbo

An der Euckenstraße gab es in Väths Kindheit eine Kiesgrube mit einer kleinen Lorenbahn. „Am Wochenende war dort niemand. Dann sind wir zu zehnt mit einem großen Hurra mit der Lore gefahren“, erinnert sich der gelernte Maschinenbauer und späterer Mitarbeiter im Landratsamt. Er habe trotz der Armut eine „phänomenale“ Kindheit gehabt: „Ringsrum gab es noch keine Bebauung. Wir hatten alle Möglichkeiten und Freiheiten.“

Mittlerweile umfasst die Siedlung 224 Wohnungen, ein Ladengeschäft und eine Gaststätte. Früher gab es dort einen Metzger, ein Lebensmittelgeschäft und einen Milchladen. „Das war der Kommunikationsmittelpunkt, ein jeder hat dort eingekauft. Wenn ich eine Kanne Milch geholt habe, hab ich mich dort ernst genommen gefühlt.“ Heute sei das Leben ja viel anonymer, eingekauft werde am Partnachplatz oder im großen Edeka.

Dennoch sei die Kriegersiedlung im Gegensatz zu anderen Genossenschaften, eine besondere: „Weil wir konzentriert an einem Fleck und nicht allzu groß sind, ist es sehr transparent und familiär. Das merken auch die jüngeren und schätzen es“, sagt Väth. Ein Zeichen der Verbundenheit hat seine jüngste Tochter gesetzt: „Sie hat sich die Koordinaten der Kriegersiedlung auf den Arm tätowieren lassen.“

Daniela Borsutzky

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