Substanz an der Ruppertstraße feiert 30. Geburtstag.

Wie eine Nazikneipe zum linken Punk-Schuppen wurde

Bei den Feierlichkeiten zu 25 Jahre Substanz war die Musikkneipe rappelvoll.
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Bei den Feierlichkeiten zu 25 Jahre Substanz war die Musikkneipe rappelvoll.

Substanz-Gründer Jürgen Franke erzählt im Hallo-Interview von seiner Zeit als Wirt der Substanz-Kneipe und ihrer Entwicklung.

Ludwigsvorstadt: An der Ruppertstraße öffnete sich am Samstag den 10. März 1990 zum ersten Mal die Tür des Substanz. Direkt gegenüber des KVR trafen sich Punks, Alternative, Flüchtlinge des Bürgertums. Warum eines Tages Nick Cave in einer Stretchlimo vorfuhr und eine ganz bestimmte Unterhose beim Substanz-Gründer Jürgen Franke (59) traumatische Fußballerinnerungen weckt, erzählt der Sendlinger im Interview.

Herr Franke, wie wird man vom Sozialpädagogen zum Kultwirt?
Ursprünglich wollten mein Studienkollege Frank Bergmeyer und ich ja eine Kinderbetreuung aufmachen. Eine Kommilitonin hat erzählt, dass ein Eigentümer an der Ruppertstraße eine Kleinkunstbühne aufmachen will. Wir haben spontan ein Konzept vorgeschlagen und die Zusage bekommen. Das Gaststättenrecht hier war von 1934. Ein richtiger Nazischuppen also.

... der ab den 90ern für die linke Szene bekannt wurde.
Es ist mal ein älterer Herr vorbeigekommen. Die Nazis seien hier ein und aus gegangen. Da brauche er sich keine Sorgen mehr zu machen, Nazis kommen nicht mehr rein, habe ich gesagt. 

Substanz-Gründer Jürgen Franke

Stattdessen saßen Rockstars an der Bar?
Ja, ich erinnere mich an Skin, Frontfrau von Skunk Anansie. Die ist über 1.80 Meter groß! Der Geiger von Nick Cave, Warren Ellis, hat mit seiner Band „Dirty Three“ bei uns gespielt und ist während des Auftritts kollabiert. Ich musste den Krankenwagen rufen. Ein Jahr später hielt hier eine Stretchlimo. Nick Cave hat sich bei mir für die Hilfe bedankt.

Die Zeiten der Rock-Auftritte sind vorbei. Der Trend geht seit einiger Zeit zum Spoken Word. Die Szene hat sich gewandelt, weg von den lauten Gitarren hin zum Poetry Slam, zum Podcast. Es macht Spaß.

Ein Herr um die 60 betritt das Substanz und stellt sich als Sepp vor. Er kocht, wenn Bayernspiele gezeigt werden. Und zündet sich die erste Zigarette an.

Herr Franke, vermissen Sie eigentlich den Zigarettenqualm in Ihrem Substanz?
Es ist eine Unart, dass das die Wirte nicht selbst entscheiden dürfen. Zigarettenrauch gehört zu einer Kneipe.

Genauso wie Fußball?
In den 90ern, als die Löwen noch in der Ersten Bundesliga waren, haben wir Bayern und 60er-Spiele gezeigt.

Ein wahrer Ort der Begegnung also...
Früher war das hier ein 1860-Laden. Als sie 1997 im Olympiastadion gegen die Bayern spielten, habe ich mir eine 60er-Unterhose gekauft. Beim Sieg wollte ich mich auf den Tresen stellen und meine Hose runterziehen. Es ging 3:3 aus... Heute sagt man, das Substanz sei ein Bayern-Laden mit 60er-Wirt.

Und wie lange wird das voraussichtlich noch so bleiben?
Ich bin dabei, mein Nachfolge-Team zusammenzustellen.

Machen Sie viele Vorgaben?
Es wird anders werden. Das einzige, was ich wirklich will, ist ein Freibierplatz – direkt an der Bar. 

Der 30. Geburtstag wird im Substanz den ganzen März über gefeiert. Programm unter www.substanz-club.de.

soph

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