Verein in Geldnot

Krise beim MTV München: Sanierung zehn Millionen Euro teurer als erwartet

Ein Schild an der Häberlstraße 11b weist auf einen der ältesten und größten Sportvereine Münchens im Innenhof hin.
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Ein Schild an der Häberlstraße 11b weist auf einen der ältesten und größten Sportvereine Münchens im Innenhof hin.
Auch von außen ist erkennbar, dass beim MTV derzeit gewerkelt wird. 1908 wurde das Gebäude errichtet, im Krieg wesentlich zerstört und anschließend wieder aufgebaut.
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Auch von außen ist erkennbar, dass beim MTV derzeit gewerkelt wird. 1908 wurde das Gebäude errichtet, im Krieg wesentlich zerstört und anschließend wieder aufgebaut.
Vorstandsvorsitzender Klaus Laroche hat Hallo die Baustelle gezeigt. Das Gebäude umfasst auf insgesamt 3400 Quadratmetern Sportfläche neben einer großen Sporthalle noch eine weitere kleinere. Außerdem zwei Gymnastikräume, einen Fechtsaal, einen Boxkeller, einen Kletter- und Boulderbereich sowie ein Dojo.
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Vorstandsvorsitzender Klaus Laroche hat Hallo die Baustelle gezeigt. Das Gebäude umfasst auf insgesamt 3400 Quadratmetern Sportfläche neben einer großen Sporthalle noch eine weitere kleinere. Außerdem zwei Gymnastikräume, einen Fechtsaal, einen Boxkeller, einen Kletter- und Boulderbereich sowie ein Dojo.
Der MTV wurde 1879 gegründet. Mit heute 24 Abteilungen, mehr als 200 Übungsleitern, etwa 8000 Mitgliedern und über 25000 Sportstunden pro Jahr ist er der größte Breitensportverein im Zentrum Münchens.
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Der MTV wurde 1879 gegründet. Mit heute 24 Abteilungen, mehr als 200 Übungsleitern, etwa 8000 Mitgliedern und über 25000 Sportstunden pro Jahr ist er der größte Breitensportverein im Zentrum Münchens.
Die große Halle steht seit 2016 unter Denkmalschutz. Pfingsten 2018 wurde mit ihrer Sanierung begonnen – eigentlich sollten die Arbeiten im September 2018 beendet sein.
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Die große Halle steht seit 2016 unter Denkmalschutz. Pfingsten 2018 wurde mit ihrer Sanierung begonnen – eigentlich sollten die Arbeiten im September 2018 beendet sein.
Doch dann stellte sich im Zuge der Bauarbeiten heraus, dass der Beton mit Chloriden belastet ist. Daraufhin stand die Baustelle fast ein Jahr still. Der aktuelle Zeitplan sieht vor, dass die große Halle ab Ostern 2020 wieder nutzbar ist.
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Doch dann stellte sich im Zuge der Bauarbeiten heraus, dass der Beton mit Chloriden belastet ist. Daraufhin stand die Baustelle fast ein Jahr still. Der aktuelle Zeitplan sieht vor, dass die große Halle ab Ostern 2020 wieder nutzbar ist.
In einer alten Sprunggrube hat man Holzspäne gefunden, die wiederum gesondert entsorgt werden mussten.
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In einer alten Sprunggrube hat man Holzspäne gefunden, die wiederum gesondert entsorgt werden mussten.
Auch die Herrenumkleide ist im Moment nicht nutzbar. Hier wurde die Decke beanstandet – sie liegt unter der großen Halle. Die Herren müssen sich derzeit in der Sauna umziehen.
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Auch die Herrenumkleide ist im Moment nicht nutzbar. Hier wurde die Decke beanstandet – sie liegt unter der großen Halle. Die Herren müssen sich derzeit in der Sauna umziehen.

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Ludwigsvorstadt – Alles fing damit an, dass der MTV München von 1879 den maroden Parkettboden in der großen Halle tauschen wollte. 

„Dass der Boden darunter so schlecht ist – damit hatte niemand gerechnet“, erzählt Vorstand Klaus Laroche. Die Folge: Aus fünf Millionen Euro Sanierungskosten wurde 15,6 Millionen Euro. Damit steht der größte Breitensportverein im Münchner Zentrum vor einem erheblichen Finanzierungsproblem. 

Ein weiteres Dilemma: Der Vorstand ist von vier auf drei Mitglieder geschrumpft. „Es ist schwer, jemanden für ehrenamtliche Arbeit zu begeistern. Noch dazu, in so einer schwierigen Situation, wie wir sie gerade haben“, so Laroche.

Das Sportzentrum an der Häberlstraße am Goetheplatz wurde 1908 errichtet. „Nachdem es im Zweiten Weltkrieg weitestgehend zerstört wurde, hat man es anschließend wieder aufgebaut“, erzählt Laroche. Herzstück des Gebäudes ist die große Halle, welche 2016 unter Denkmalschutz gestellt wurde. 

Pfingsten 2018 wurde mit ihrer Sanierung begonnen – eigentlich sollten die Arbeiten im September letzten Jahres beendet sein. „Das Eisengeflecht in der Decke des Fechtsaals war zum Teil stark zerrostet. Leider stellte sich im Zuge der Bauarbeiten auch noch heraus, dass der Beton der großen Halle mit Chloriden belastet ist. Er muss komplett raus“, berichtet Laroche. „Daraufhin stand die Baustelle fast ein Jahr still, bis verschiedene Sanierungskonzepte mit den Fachplanern und Denkmalschutzbehörden abgestimmt werden konnten.“

Acht Prozent Mitglieder verloren

Das zog weitreichende Folgen nach sich: Seit Pfingsten 2018 ist die große Halle inklusive dem Galeriebereich nicht mehr nutzbar, ebenso der darunterliegende Fechtsaal. Auch die Halle 2 steht nicht in gewohnter Weise zur Verfügung, weitere Räume werden umgebaut. Hinzu kommt allgegenwärtiger Baulärm. 

Zwar hat der MTV Unterstützung bei der Suche nach Ausweichhallen erfahren – trotzdem haben die Einschränkungen Auswirkung auf die Mitgliederzahlen: „Wir haben bisher etwa acht Prozent Mitglieder verloren und rechnen mit einem weiteren Rückgang“, klagt Laroche. Das bedeutet wiederum weniger Einnahmen. Und während die große Halle nicht vermietet werden kann, müssen Ausweichräume angemietet werden – ein Teufelskreis.

Laroche hofft auf Unterstützung: von der Stadt, Banken, Mitgliedern und Sponsoren. Nachdem die Rathaus-SPD im August einen Antrag gestellt hatte, dass die Stadt den MTV finanziell unterstützen solle, folgte ein Antrag der CSU für ein Sonderförderprogramm. „Zwar haben uns viele Instanzen Unterstützung signalisiert – aber noch ist kein Geld im Topf“, sagt Laroche. 

Der aktuelle Zeitplan sieht vor, dass die große Halle ab Ostern 2020 wieder nutzbar ist. „Der Worst Case wäre, dass wegen fehlender Einnahmen nichts mehr voran geht – und wir eine Bauruine verkaufen müssten“, so Laroche. 

Am Mittwoch, 18. September, ist die Delegiertenversammlung, bei der ein neuer Vorstand gewählt werden soll. „Wir werden sehen, ob sich überhaupt jemand zur Wahl stellt“, so Laroche.

Daniela Borsutzky

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