Internationale Fahnder gegen Taschendiebe

Undercover im Dirndl – Auf geheimer Mission gegen Taschendiebe

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Je wilder die Party, desto höhere Chancen sehen Diebe.

So jagen norwegische Polizisten internationale Banden auf dem Oktoberfest...

München – Sie sind in geheimer Mission auf dem größten Volksfest der Welt: Turid (34) und Kristian (33) aus Norwegen. Auf der Wiesn jagen sie Taschendiebe – gemeinsam mit einem internationalen Undercover-Team.

Denn die Erfahrung hat den Ermittlern zufolge gezeigt: Das Oktoberfest ist nicht nur Besuchermagnet, sondern zieht auch jede Menge international agierende Diebe an.

Marcus da Gloria Martins, Münchens Polizeisprecher

Wie viele Fahnder in dem Team im Einsatz sind, das will Marcus da Gloria Martins, Münchens Polizeisprecher, nicht verraten. 

„Die Zahl bewegt sich im mittleren zweistelligen Bereich“, sagt er. Bekannt gibt er nur so viel: Italiener, Spanier, Schweizer, tschechische Kollegen und eben Norweger mischen sich seit dem Anstich unters Volk. 

Der Einsatz hat sich offenbar bewährt: „Die ersten Tage waren ruhig: Obwohl mehr Besucher hier waren als in den Vorjahren, gab es weniger Straftaten.“ Strategie der Polizei ist es, mit möglichsten vielen Fahndern und einem hohen Strafmaß von vornherein abschreckend zu wirken. 

Zudem ist auch das privaten Sicherheitspersonal von Securitas ist auf der Wiesn vertreten (Hallo berichtete).

„Oft kommen die Diebe gleich in U-Haft, wenn wir ihnen eine gewerbsmäßige Begehung der Diebstähle nachweisen können“, sagt da Gloria Martins.

Gleich am ersten Wiesntag hat das norwegische Ermittler-Duo zwei Diebe verhaftet, die mit einer fiesen Masche unterwegs waren, die nur allzu typisch ist. 

„Sie warten bis die Leute betrunken sind und auf den Bänken tanzen, gehen dann durchs Zelt und stehlen Taschen aus den Netzen unterm Tisch“, berichtet Turid. 

Die 34-Jährige und ihr Kollege sind von einem Touristenpärchen nicht zu unterscheiden – Dirndl, Lederhosn und Trachtenjacke sitzen perfekt. 

Ein internationales Undercover-Team ist Dieben im Zelt auf den Fersen.

Freilich nur Tarnung, privat waren beide noch nie auf der Wiesn. Vielleicht auch, weil sie das Fest aus einem anderen Blickwinkel erleben. „Wir trinken gar nichts und beobachten den ganzen Tag – da sieht man viele merkwürdige Dinge“, sagt Kristian und grinst.

Vor allem geht es den norwegischen Ermittlern um eins: „Es ist eine einzigartige Möglichkeit für uns, mit Kollegen Informationen und Erfahrungen auszutauschen“, sagt Kristian. „Ganz Europa hat in der Kriminalität dieselben Probleme.“ 

Die professionellen Taschendiebe halten niemals inne, sie fahren von einer Großstadt in die nächste, von einer Party zum nächsten Fußballspiel. Ihnen sind sie auf der Spur. Besonders gefreut hat Kristian sich, als er in Oslo einen Dieb fassen konnte, der zuvor schon auf dem Oktoberfest gestohlen hatte. 

Hanni Kinadeter

Diebe, Grapscher und Schläger – dafür gibt es Wiesnverbot

Das Oktoberfest war gleich am ersten Tag für einen 22-Jährigen schon wieder vorbei. Mit 2,7 Promille geriet er mit einem Besucher in Streit und prügelte auf diesen ein. Die Polizei beantragte für den 22-Jährigen beim zuständigen Kreisverwaltungsreferat (KVR) ein Betretungsverbot der Wiesn für die restliche Dauer.

„Die Verbote gelten immer fürs jeweils laufende beziehungsweise anstehende Oktoberfest“, erklärt Johannes Mayer, Sprecher des KVR. 

Im Vorfeld der Wiesn 2018 hatte die Behörde 28 gewaltbereiten Personen, zwölf Taschendieben und einer Person aufgrund eines sexuellen Übergriffs für die Dauer des Oktoberfests untersagt, das Festgelände zu betreten – weil sie auf der Wiesn 2017 auffällig geworden waren. 

Weitere Betretungsverbote werden gegen Personen verhängt, die während der laufenden Wiesn auffällig werden. „Dieses Jahr haben wir im Vorfeld 31 Betretungsverbote ausgestellt“, so Mayer. „KVR und Polizei haben in den vergangenen Jahren gute Erfahrungen mit diesen präventiven Maßnahmen gesammelt, um Straftaten auf dem Festgelände zu verhindern.“

Ob die verhängten Verbote allerdings den gewünschten „Abschreckungseffekt“ erzielen, scheint fraglich. Denn wirklich kontrolliert werden die Verbote nicht: „Das funktioniert nicht. Dann müsste sich jeder Besucher ausweisen“, erklärt Mayer. 

„Sollte jemand mit Verbot allerdings erwischt werden, beispielsweise wegen einer erneuten Auffälligkeit – dann wirkt sich das strafverstärkend aus.“

dbo

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