Grab von Stadtplaner Theodor Fischer

Sieht so ein Ehrengrab in München aus?

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Versteckt im Alten Teil des Waldfriedhofs befindet sich die letzte Ruhestätte des Münchner Stadtplaners Theodor Fischer.

Die Bepflanzung blamabel, das Namenstäfelchen vermoost und kein Hinweis, wer sich hinter dem Namen verbirgt. Kaum zu glauben, aber hierbei handelt es sich um das Ehrengrab des für München sehr bedeutenden Architekten Theodor Fischer. 

München – Aufgedeckt hat das die Laimer SPD-Politikerin Ursula Striegl, die bei einem Spaziergang auf dem Waldfriedhof ihren Augen nicht trauen wollte. 

Ihm verdankt Laim das Laimer Schlössl, die Gunzenleh-Siedlung, die Stadtlohner Straße oder auch die Evangelische Interimskirche: Theodor Fischer war einer der bedeutendsten Stadtplaner in München und hat zahlreiche Bauten entworfen, die bis heute das Stadtbild prägen. 

Als die Lokalpolitikerin Ursula Striegl  zusammen mit dem Historischen Archiv Laim bei einem Rundgang auf dem Waldfriedhof unterwegs war, sei ihr das Grab von Fischer negativ aufgefallen.

Ursula Striegl (SPD)

 „Unscheinbar und ungepflegt sieht es aus“, sagt Striegl und begründet so auch ihren Antrag, den sie jüngst im BA stellte: Eine Umwidmung in eine Sondergrabstätte. Was ihr zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht bekannt war: Bei der letzten Ruhestätte Fischers handelt es sich bereits um ein Ehrengrab. 

Auch beim Hallo-Besuch bestätigt sich das Bild: Versteckt liegt das Grab in einer dunklen Ecke, einen Hinweis auf die Verdienste der Persönlichkeit die dort ruht, sucht man vergeblich. Die Tafel ist moosbewachsen und scheint seit Jahren nicht gesäubert. 

Von liebevoller Bepflanzung kann nicht die Rede sein. 92 Ehrengräber unterhält die Stadt aktuell – darunter auch das von Theodor Fischer, wie ein Sprecher des Referats für Gesundheit und Umwelt (RGU) erklärt. 

Architekten Theodor Fischer

Nach Fischers Tod 1938 war zunächst seine Frau Therese die Inhaberin der Ruhestätte. „Erst als 1962 kein weitere Familienangehöriger das Nutzungsrecht auf sich übertragen ließ, übernahm es die Stadt als Ehrengrab im Gedenken an die für München geleisteten Verdienste Theodor Fischers. 

Warum das Grab nach seinem Tod nicht gleich als Ehrengrab eingestuft wurde, ist aus den Grabbüchern nicht ersichtlich“, so der RGU-Sprecher. 

Theodor Fischer liegt hier mit seiner Frau Therese begraben.

Sogenannte Ehrengräber werden in München für Persönlichkeiten bereitgestellt, „die in engster Beziehung zur Stadt standen und sich um deren Entwicklung hervorragende Verdienste erworben haben“ – so ist es in einem Stadtratsbeschluss von 1950 geregelt. 

Theodor Fischer ist auch nicht die einzige Berühmtheit die im Waldfriedhof begraben ist.

Für ein Ehrengrab übernimmt die Stadt die Grabgebühren, stellt ein Grabmal auf, unterhält dieses und sorgt dafür, dass die Grabstätte gärtnerisch gestaltet und gepflegt wird. Ursula Striegl ist mehr als verwundert: „Eigentlich eine Frechheit. Wenn Privatleute Gräber verkommen lassen, kann man ja nichts machen – aber die Stadt?“ 

Die SPD-Politikerin ist der Meinung, dass Fischers Grab „wild“ aussehe und man nicht auf die Idee kommen könnte, dass es sich hierbei bereits um ein Ehrengrab handle. Für eine Stellungnahme verweist das RGU auf das Direktorium der Stadt. 

Sprecher Matthias Kristl- bauer erklärt hierzu: „Die schattige Lage des Grabs bringt es mit sich, dass die Möglichkeiten der Bepflanzung eingeschränkt sind. Die mit der Pflege beauftragte Gartenbaufirma wird im Frühjahr die zuletzt entstandenen Lücken bei den Bodendeckern schließen und die Bepflanzung mit Blumen etwas vergrößern.“ 

Laut RGU werde die Lage und Größe der Grabstätten mit den Angehörigen der zu ehrenden Person abgestimmt. „Was die Kostenübernahme betrifft, wird jedes Ehrengrab gleich behandelt“, so der Sprecher.

dbo

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