Betreten verboten

Ohne Rücksprache mit der Stadt: Bauherr sperrt Kinder aus Spielplatz aus

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Das Tor ist laut Anwohnern für gewöhnlich abgesperrt. Derzeit werden von Arbeitern Spielgeräte installiert.

Die armen Kinder: Statt sich frei auf einem Spielplatz bewegen zu können, stehen sie vor einem eingezäunten und abgesperrten Bereich, der jetzt einer Kita vorbehalten ist.

Hadern – Ein zweijähriger Junge steht vor dem Metallzaun und blickt gespannt durch die Gitterstäbe. Ein weiterer Bub gesellt sich dazu, gemeinsam beobachten sie die Arbeiter im Inneren, die gerade dabei sind, Spielgeräte aufzubauen. 

„Da dürft ihr leider nicht rein“, sagt Brigitte Quilola und nimmt die beiden an der Hand. Der Hintergrund: Am Stiftsbogen wird nachverdichtet (Hallo berichtete mehrfach) und etwa an der Stelle, wo sich einst ein Spielplatz für die Anwohner-Kinder befand, wurde eine neue Spielfläche aus dem Boden gestampft. Eingezäunt und abgesperrt – und somit nur von den Kindern der privaten Tagesstätte „Wichtelakademie“ nutzbar.

Tagesmutter Brigitte Quilola kann mit ihren Kindern nicht auf den Spielplatz.

Brigitte Quilola ist Tagesmutter am Stiftsbogen, seit 22 Jahren hauptberuflich. Täglich betreut sie fünf Kleinkinder – inmitten der Baustelle, die seit eineinhalb Jahren regelmäßig Negativschlagzeilen macht (siehe unten). Mittlerweile hat sich herausgestellt, dass die „Wichtel­akademie“ ohne zwei eigene Spielplätze überhaupt keine Betriebserlaubnis erhalten hätte. 

Auf Nachfrage bestätigt Irmgard Hofmann (SPD) vom BA, dass es einen Vertrag zwischen Kita und Bauherr gebe, der eine ausdrückliche Trennung der Kinder vorsehe. Vom Gesetz her sind Bauherren verpflichtet, anteilig zu der von ihnen geschaffenen Wohnfläche Platz zum Spielen vorzusehen. Von Seiten des Planungsreferats wurde bislang die Aussage getroffen, dass jener rückwärtige Spielplatz, westlich der aufzustockenden Gebäude, für alle vorgesehen sei.

Das Tor ist laut Anwohnern für gewöhnlich abgesperrt. Derzeit werden von Arbeitern Spielgeräte installiert.

Auf Hinweis von Hallo erklärt Sprecher Thorsten Vogel am Dienstag kurz vor Redaktionsschluss: „Die Lokalbaukommission (LBK) hat sich eben mit dem Bauherren in Verbindung gesetzt und erfahren, dass dieser den Spielplatz ohne Absprache der Wichtelakademie zugesichert hat. Die LBK fordert nun umgehend einen neuen Freiflächengestaltungsplan, der auch bereits zugesichert ist.“

Was eigenartig anmutet: In der jüngsten Sitzung des BA am Montagabend war die Rede von einem – wohl inoffiziellen – Plan des zuständigen Landschaftsarchitekten, auf welchem zwei neue mögliche Spielflächen für die Anwohner eingezeichnet sind. Während einige Mitglieder diesen Plan, mit Datum vom 26. August diesen Jahres, bereits gesehen haben, hat ihn die LBK offenbar bisher nicht erhalten.

Daniela Borsutzky

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