HIV pausiert nicht

Städtische Beratung zu Geschlechtskrankheiten bleibt wegen Corona weiter geschlossen – die Auswirkungen

An der Bayerstraße sind seit einem Jahr Pandemie-bedingt keine Tests auf Geschlechtskrankheiten mehr möglich.
+
An der Bayerstraße sind seit einem Jahr Pandemie-bedingt keine Tests auf Geschlechtskrankheiten mehr möglich.
  • Sophia Oberhuber
    vonSophia Oberhuber
    schließen

Aufgrund der Corona-Pandemie ist die Beratungsstelle der Stadt für Geschlechtskrankheiten seit einem Jahr geschlossen. Was dies für Folgen mit sich bringt.

Ludwigsvorstadt - Die Türen der städtischen Beratungsstelle des Gesundheitsreferats (GSR) zu sexuell übertragbaren Krankheiten sind geschlossen. Inzwischen seit genau zwölf Monaten.

Mit Beginn der Corona-Pandemie wurde das medizinsche Personal von der Bayerstraße abgezogen und anderweitig eingesetzt. Persönliche Gespräche mussten ausfallen, anonyme und teils kostenlose Tests auf Geschlechtskrankheiten sind nicht mehr möglich. Private Träger, wie die Münchner Aids-Hilfe, können das aber nur bedingt auffangen.

„Wir sind die einzige noch offene Beratungsstelle“, sagt Gerd Hartmann von der Aids-Hilfe München, die seit der Pandemie ebenso ihr Angebot reduzieren musste. Persönliche Betreuung und Tests auf sexuell übertragbare Krankheiten, wie HIV, Syphilis oder Chlamydien, gibt es nur noch nach vorheriger Terminvereinbarung. Bis zu einer Woche im Voraus seien diese ausgebucht, so Hartmann.

Von der Aids-Hilfe München: Gerd Hartmann.

Das GSR bietet eine telefonische Sprechstunde an, die Montag bis Donnerstag für jeweils eineinhalb Stunden stattfindet. Durchschnittlich gehen dort laut einer Sprecherin pro Tag drei Anrufe ein. Umgerechnet meldet sich damit ein Hilfesuchender jede halbe Stunde. Das GSR verweist die Anrufer dann unter anderem an die Aids-Hilfe.

In absoluten Zahlen lassen sich die Folgen der Schließung des Zentrums an der Bayerstraße nicht beziffern. Die Aids-Hilfe kann nur so viele Menschen testen, wie sie Termine zu vergeben hat. Grundsätzlich ziehe sie auch ein anderes Klientel an, als es das Zentrum an der Bayerstraße tut.

Wo die Patienten, die sich vor der Pandemie an der Bayerstraße testen ließen, bleiben, kann Hartmann nicht erklären. Im Zweifel lassen sie sich vielleicht gar nicht testen. „Es fehlt ein großer Teil der Testwilligen. Die Stadt hat vor Corona mehrere tausend Menschen pro Jahr getestet.“

Forderung: Öffnung oder Übergangslösung

Die Münchner Aids-Hilfe hat bereits im Juli vergangenen Jahres vom Stadtrat gefordert, eine Übergangslösung zu schaffen: Entweder müsse die Teststelle an der Bayerstraße sofort geöffnet, oder es müssten durch Finanzierung und temporäre Kooperationen mit Vereinen andere Teststellen aufgebaut werden.

Ansonsten gefährde man nachhaltig Erfolge in der Vorbeugung von sexuell übertragbaren Krankheiten. Im Antwortschreiben des Stadtrates, ebenfalls aus Juli 2020, heißt es, man bedauere die Schließung sehr, eine Öffnung des Testzentrums sei aber derzeit Pandemie-bedingt nicht möglich.

Bis heute hat sich daran nichts geändert. Immerhin soll das Testzentrum voraussichtlich Anfang April wieder für einen Nachmittag pro Woche öffnen. Damit könnten 15 Beratungen pro Woche stattfinden. Voraussetzung ist aber, dass es das Corona-Infektionsgeschehen zulässt. Das Vertrauen darauf scheint nicht allzu groß. Ein konkreter Termin steht noch nicht fest.

Sophia Oberhuber

Auch interessant:

Meistgelesen

Kommentare