Kulturverein sucht verzweifelt nach neuem Standort

Muss das „Irrland“ bald umher irren?

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Die Nutzer des Irrlands, wie Moritz Dittmeyer, Steffen Müller, Fabian Sefzig und die Künstlerin „Paulaner“ (von links), hoffen auf einen neuen Raum.

Schwanthalerhöhe – „Irrland“ ist ein Zentrum für Kunst und freundliches Miteinander – Doch nach sieben Jahren wurde dem Kulturverein zum 30. Juni gekündigt – neue Räume sind bisher nicht in Sicht

Keine 25 Quadratmeter ist der Kulturraum „Irrland“ groß. „Sitzend kriegen wir 35 Leute unter, stehend, mit fliegendem Wechsel, bis zu 100“, erklärt Fabian Sefzig, einer der Vorstände des Betreibervereins „Mischwald“. Hier fanden in den vergangenen sieben Jahren Ausstellungen, Lesungen und Workshops statt – meist kostenlos.

Anfang 2017 wechselte der Eigentümer des Anwesens an der Bergmannstraße 8. Die Verwaltungsgesellschaft „B 8 Immobilien GmbH und Co. KG“, hatte das Gebäude aufgekauft. Kurz vor Weihnachten flatterte die Kündigung ins Haus: Bis Ende Juni muss der Verein die Unterkunft räumen.

  • Dass beliebte kulturelle Zentren in den Stadtvierteln ihre Räumlichkeiten verlassen müssen, kommt leider häufig vor:
  • Erst kürzlich wurde dem beliebten Gebrauchtwarenhaus „Weißer Rabe“ in Sendling der Pachtvertrag gekündigt. Seither sucht der Betrieb händeringend nach einem neuen Standort (Hallo berichtete).
  • Das selbe Schicksal blühte dem Kulturzentrum „Gorod“ im Frühjahr letzten Jahres (Hallo berichtete).

Das „Irrland“ wird für unterschiedlichste Formen künstlerischen und zivilgesellschaftlichen Engagements genutzt: als Atelier, Upcycling-Werkstatt, Probe- und Unterrichtsraum oder Treffpunkt. Viele Veranstaltungen wurden durch das Kulturreferat gefördert, ansonsten finanziert sich das Kollektiv über Spenden und aus Eigenmitteln. Ein ganz besonderer „Schatz“ sei der „Risograph“, erklärt die Künstlerin „Paulaner“. Dabei handelt es sich um eine Siebdruckmaschine. „Bei uns kann man zum Unkostenpreis selber drucken – und dabei etwas lernen“, erklärt die Künstlerin.

Anfang 2017 wechselte der Eigentümer des Anwesens an der Bergmannstraße 8. Kurz vor Weihnachten flatterte dem Verein dann die Kündigung ins Haus.

„Als die Kündigung eintraf, waren wir gleichzeitig schockiert und ernüchtert“, klagt Sefzig. „Das Fressen und Gefressenwerden der Immobilienwirtschaft ist typisch für München. Jetzt müssen wir die Stadt um Maßnahmen zum Erhalt bitten.“ Daher hat der Verein ein Plädoyer verfasst und Unterschriften gesammelt. Bislang fanden sich mehr als 100 Unterstützer. Außerdem wurde das Kollektiv beim Bezirksausschuss (BA) vorstellig. Viertel-Chefin Sibylle Stöhr (Grüne) betonte, dass es dem Gremium ein Anliegen sei, den Verein im Viertel zu behalten – sie wolle versuchen, zu vermitteln. Doch bisher kam kein Kontakt mit dem Eigentümer zustande. Auch auf Hallo-Nachfrage kam bis Redaktionsschluss keine Rückmeldung.

Der Verein hofft mit Rückendeckung die Kündigung nach hinten zu schieben. Um Zeit zu gewinnen, einen anderen geeigneten und erschwinglichen Raum zu finden. „Auch wenn sich dort das gleiche Spiel in ein paar Jahren wiederholen kann“, sagt Sefzig und geht noch weiter in die Offensive: „Die Stadt sollte sich endlich einmal dafür entscheiden, Kulturschaffenden eine feste und dauerhafte Bleibe für ihr Wirken zu ermöglichen – anstatt die so in Mode gekommenen Zwischennutzungen von baufälligen Bruchbuden, die überhaupt erst nach zähesten Verhandlungen genehmigt werden.“

Daniela Borsutzky

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