Baumschäden

Baumschlitzer am Werk? Schäden an Linden in Hadern wohl Klima zuzuschreiben

Roswitha Ziegler
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Roswitha Ziegler hat die beschädigten Linden beim Gassigehen mit ihrem Hund entdeckt.
  • Daniela Borsutzky
    vonDaniela Borsutzky
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Sorge um Risse in Bäumen: Die Schäden an den Linden sind wohl klimabedingte Frostschäden, erklärt das Baureferat. Ein „Baumschlitzer“ sei nicht daran schuld.

  • Die beschädigten Linden weisen große, breite Risse in der Rinde auf.
  • Schuld daran ist wohl Hitze-, Trockenstress oder Frost.
  • Mit dem richtigen Einpflanzen und ausreichendem Gießen können Schäden verhindert werden.

Treibt in Hadern ein Serientäter sein Unwesen, der sich an Bäumen vergeht? Das fragt sich Roswitha Ziegler und hat sich in ihrer Sorge an Hallo gewandt, um das Phänomen aufzuklären.

Täglich spaziert die 57-Jährige vom Stiftsbogen über einen Weg in der dortigen Grünanlage bis zum Studentenwohnheim. Etliche der dortigen Linden weisen starke Schäden auf, lange, breite Risse ziehen sich über die Stämme. „Es ist rätselhaft, als wäre ein Baumschlitzer am Werk gewesen“, sagt Ziegler. „Ich kann es mir nicht erklären. Mir tun die Bäume sehr leid.“

Der zuständigen Polizeiinspektion sei die Angelegenheit bislang nicht bekannt, wie Sprecher Ronny Ledwoch mitteilt. Anscheinend steckt aber kein Bäume hassender Mensch hinter den Schlitzen – darin sind sich die städtischen Referate und der Bund Naturschutz einig. Verursacher der zerstörerischen Spuren ist höchstwahrscheinlich das Klima.

Klima schuld an Rissen in Bäumen: Naturschutzbund und Baureferat vermuten Frostschäden

Martin Hänsel vom Bund Naturschutz (BN) vermutet, dass es sich bei den Schlitzen um eine Reaktion infolge von Hitze-, Trockenstress oder Frost handelt. „Solche Symptome sind im Stadtgebiet relativ häufig zu beobachten“, sagt Hänsel. Auch die Untere Naturschutzbehörde, die im Planungsreferat angesiedelt ist, teilt diese Einschätzung.

„Es sieht eher nach einem Rinden-Riss im gefrorenen Stamm aus, verursacht durch Spannungen durch einseitige Februarsonne“, teilt Sprecher Thorsten Vogel mit. „Möglicherweise wurde bei der Pflanzung der Stammschutz vergessen oder er war fehlerhaft angebracht.“

Zuständig für die Linden ist die Abteilung Gartenbau des Baureferats. Ein Sprecher erklärt, dass es sich um Frostrisse handeln dürfte: „Diese können an jungen Bäumen entstehen, wenn die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht im Winterhalbjahr sehr hoch sind.“

Dem kann man aber vorbeugen, weiß Hänsel (siehe Kasten). Auch wenn in diesem Fall wohl kein „Baumschlitzer“ am Werk war, appelliert der BN an die Münchner, stets die Augen offen zu halten, um mutwillige Verstöße aufklären zu können. Vollständig erholen werden sich die Linden laut Hänsel nicht mehr – sie müssen wohl in ein paar Jahren ersetzt werden.

Tipps vom Bund Naturschutz

Wichtig, um auch bei sich verschärfenden Klimabedingungen gesunde und möglichst widerstandsfähige Bäume in der Stadt zu haben:

• Auswahl standortangepasster Bäume. Keine Bäume verwenden, die zum Beispiel aus besten Wuchslagen in Norddeutschland kommen, aber auf den städtischen Extremstandorten überfordert sind.

• Beibehalten der Exposition des Stammes bei der Pflanzung. Der Stamm muss während der Anzuchtperiode entsprechend markiert sein, um ein „Verdrehen“ zu verhindern.

• Auf entsprechend großen Wurzelraum achten, sehr gut wasserspeicherndes Substrat verwenden.

• Schutz des Stammfußes und seiner Umgebung vor nachträglicher Verdichtung.

• Regelmäßig gießen.

• Schutz des Stammes vor Sonneneinstrahlung, beispielsweise durch Schutzanstrich oder Bastmatten.

Der BN empfiehlt Vertragsstrafen bei Nichtbeachtung für die ausführenden Firmen.

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