Für eine würdige Sterbebegleitung

Seniorenvertreter beantragt zum vierten Mal bessere Palliativbetreuung im Münchenstift

In den Münchenstift-Häusern, wie hier in St. Josef, soll die Palliativbetreuung besser werden.
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In den Münchenstift-Häusern, wie hier in St. Josef, soll die Palliativbetreuung besser werden.
  • Daniela Borsutzky
    VonDaniela Borsutzky
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Richard Stahnsdorf ist Seniorenvertreter in Sendling und mit der Pflegesituation in den Münchenstift-Häusern unzufrieden. Was genau er beantragt und wie die Reaktionen darauf ausfallen:

SENDLING-WESTPARK Die Bürger in Sendling-Westpark wünschen sich, dass in St. Josef, dem Münchenstift-Altenheim am Luise-Kiesselbach-Platz, die Sterbebegleitung verbessert wird. Bereits drei Mal hat die Bürgerversammlung eine entsprechende Empfehlung beschlossen.

Weil die Umsetzung schwierig ist, hat Richard Stahnsdorf heuer erneut einen Antrag gestellt – allerdings in abgewandelter Version.

Richard Stahnsdorf ist Seniorenvertreter im Viertel. Vor einigen Jahren hat er eine Führung in St. Josef gemacht. Die Situation habe ihm zu denken gegeben. „Viele Bewohner sterben ungewollt im Krankenhaus. Ich habe das selbst mit meiner Schwiegermutter miterlebt, es war schrecklich“, erzählt der 84-Jährige. Deshalb will er sich für eine würdigere Sterbebegleitung einsetzen.

Richard Stahnsdorf setzt sich für eine bessere Palliativbetreuung in den Münchenstift-Häusern ein.

Münchenstift: Rufe nach besserer Palliativbetreuung werden erneut laut

Seine bisherige Forderung, in St. Josef eine Palliativstation samt Palliativarzt einzurichten, konnte nicht umgesetzt werden. Denn gesetzliche Vorgaben sehen derlei in einer vollstationären Pflegeeinrichtung nicht vor und seien daher auch nicht refinanzierbar. So steht es in den bisherigen Beschlüssen des Sozialausschusses.

Bei der jüngsten Bürgerversammlung beantragte Stahnsdorf jetzt, dass es die Stadt ermöglichen soll, seinen einzelnen Münchenstift-Häusern zur Verbesserung der Pflege im Sterbefall jeweils eine Palliativ-Pflegefachkraft freizustellen.

Becker: „Vorschlag durchaus unterstützenswert“

Ute Becker ist Fachreferentin für Palliativ Care im Qualitätsmanagement von Münchenstift. Sie findet Stahnsdorfs Vorschlag „durchaus unterstützenswert“ – wenn dafür nicht an anderer Stelle „abgeknapst“ werde. Das Problem sei nunmal die Finanzierung.

Allerdings wurde bereits eine „echte Verbesserung“ erreicht, wie Becker erklärt: „Über das Sozialreferat bekommt jedes unserer Häuser – wie auch alle anderen Einrichtungen in München – eine Viertelstelle einer weitergebildeten Fachkraft freigestellt.“ Einen höheren Stellenanteil fände sie trotzdem berechtigt.

Man sei bei Münchenstift „sehr bemüht, ungewollte Krankenhauseinweisungen am Lebensende zu vermeiden“. Ihrer Statistik nach zum Sterbeort der Bewohner war man 2014 noch bei über 30 Prozent im Krankenhaus – inzwischen seien es je nach Einrichtung 20 bis 25 Prozent.

Palliativ-Versorgung bei Münchenstift

Sozialreferats-Sprecher Frank Boos erklärt zur aktuellen Situation: „Münchenstift verfolgt bereits seit Jahren eine klare Strategie mit dem Ziel einer in allen Häusern einheitlich gelebten Palliativversorgung (Palliative-Care) und Hospizkultur.“ Dafür seien in allen Häusern mehrere in Palliative-Care ausgebildete Pflegefachkräfte beschäftigt, zudem erhalten alle Mitarbeiter entsprechende Basisschulungen. 

„Mit den Teams der Spezialisierten Ambulanten Palliativ Versorgung (SAPV-Teams) sowie den Hospizdiensten besteht eine enge Kooperation, die zusätzlich neben der Betreuung durch das fachlich qualifizierte Personal in den Häusern eine individuelle, psychosoziale und professionelle Begleitung in dieser letzten Phase des Lebens ermöglicht.“

Forderungen von Stahnsdorf werden nicht ablassen

Stahnsdorf ist zuversichtlich, diesmal eine weitere Verbesserung zu erreichen. Und er hat angekündigt, nicht locker lassen zu wollen: Auch in den kommenden Jahren will er wieder einschlägige Anträge stellen.

Zentrum für Hospiz- & Palliativbetreuung

Die Rathaus-CSU beantragte Anfang 2020, ein Zentrum für Hospitz- und Palliativbetreuung einzurichten. „Mit diesem deutschlandweit ersten, innovativen Leuchtturmprojekt könnte in München ein wichtiger Schritt gegangen werden, die palliativen Angebote besser mit dem bestehenden Gesundheitssystem zu vernetzen“, heißt es in der Begründung. Auf Hallo-Nachfrage sagt ein Sprecher des Gesundheitsreferats, dass hierzu eine Beschlussvorlage erarbeitet werde, die voraussichtlich noch bis Ende des Jahres im Gesundheitsausschuss des Stadtrates behandelt wird.

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