Bronzebüste für bedeutende Frau

Frauenrechtlerin, Armenpflegerin, Sozialpolitikerin: Luise Kiesselbach soll jetzt ein Denkmal gewidmet werden

Künstlerin Roswitha Freitag hat die Bronzebüste nach zwei Fotografien von Luise Kiesselbach modelliert.
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Künstlerin Roswitha Freitag hat die Bronzebüste nach zwei Fotografien von Luise Kiesselbach modelliert.
  • Daniela Borsutzky
    vonDaniela Borsutzky
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Luise Kiesselbach war eine bedeutende Frau. Einen Platz zu ihren Ehren gibt es schon. Nun soll noch ein Denkmal dazu kommen. Wo ein möglicher Standort sein könnte.

Allegorien der Schönheit und Phantasie oder die liegende Flussnymphe im Bavariapark, die Nereiden in Großhadern. Antike Allegorien und mythologische Figuren – man findet sie durchaus hier und da im Münchner Stadtbild, zwischen all den Ludwigs und Leopolds. Aber echte Frauen, die prägend für die Landeshauptstadt waren, sind in der Männerdomäne der Straßen, Skulpturen und anderweitiger Ehrungen deutlich unterrepräsentiert. Jetzt soll es eine mehr werden. Schon jahrelang wird von verschiedenen Seiten gefordert, Luise Kiesselbach (siehe Kasten) mit einem Denkmal zu ehren – nun geht es auf die Zielgerade.

„Sie war eine Frauenrechtlerin der ersten Stunde“, sagt Peter Schimpf, Vorstand der Luise-Kiesselbach-Stiftung. „Zwar ist ein Platz nach ihr benannt – aber keiner weiß, wer sich dahinter verbirgt.“ Darum soll nun ein Denkmal her, in Form einer Bronzebüste. Gestaltet wird diese von der Künstlerin Roswitha Freitag. Sie hat bereits ein entsprechendes Werk geschaffen, das heute in der Eingangshalle des Luise-Kiesselbach-Hauses in Riem steht. Das Denkmal soll ähnlich aussehen. „Ich werde vielleicht noch ein paar Feinheiten modifizieren“, so die Künstlerin aus dem Westend.

Peter Schimpf ist Vorstand der Luise Kiesselbach Stiftung.

Denkmal für Luise Kiesselbach: Standort noch ungewiss

Der Haken: Darüber, dass Luise Kiesselbach ein Denkmal gewidmet werden soll, herrscht Einigkeit – ganz im Gegensatz zum Standort dieses Denkmals. Weil nach Kiesselbach bereits ein Platz benannt ist, sei ein zusätzliches Denkmal von städtischer Seite nicht Usus, wie Günter Keller (SDP), Vorsitzender des Bezirksausschusses erläutert. Organisiert und finanziert werden muss es daher von privater Seite.

Aus Sicht des Vereins für Fraueninteressen würde sich der Luise-Kiesselbach-Platz natürlich besonders für ein Denkmal anbieten. Aber auch die Kurfürstenstraße 30 in Schwabing wäre denkbar. „Dort lebte und arbeitete sie während ihrer ganzen Münchner Zeit von 1912 bis 1929“, sagt Schriftführerin Christa Elferich. Der Verein habe sich bereits in der Vergangenheit vergeblich um ein Erinnerungsschild an der Adresse bemüht – doch der private Eigentümer des Hauses sei nicht einverstanden gewesen. Auch die ehemalige Geschäftsstelle des Vereins an der Brienner Straße 37 wäre ein denkbarer Standort.

Luise-Kiesselbach-Platz: Denkmal an Bushaltestelle?

Hinauslaufen wird es aber auf den Platz in Sendling-Westpark – beziehungsweise dessen unmittelbare Umgebung. „Es besteht die Möglichkeit, die Büste vor dem Münchenstift-Altenheim St. Josef aufzustellen“, so Peter Schimpf. Aus Sicht von Münchenstift-Leiter Siegfried Benker könnte „das Denkmal sofort morgen aufgebaut werden“. Beispielsweise am Haupteingang oder bei der Bushaltestelle. „Ziel ist, dass es möglichst viele sehen“, so Benker. Auch der Oberbürgermeister sei mit einer Positionierung bei St. Josef einverstanden. Schimpf könne sich mit diesem Standort ebenfalls anfreunden.

Der Leiter des München Stifts Siegfrid Benker.

Im hiesigen Bezirksausschuss war man dazu zunächst geteilter Meinung – ein Denkmal auf dem Platz selbst, fand vor allem die CSU-Fraktion doch passender. In seiner jüngsten Sitzung hat sich das Gremium nun aber einstimmig dafür entschieden, St. Josef als Standort zu bestimmen. „Wir werden uns demnächst mit der Stiftung in Verbindung setzen und dann sollte dem Denkmal eigentlich nichts mehr im Wege stehen“, so Viertel-Chef Günter Keller. Ob es heuer noch klappt? Angesichts der allgemeinen Umstände ist Keller diesbezüglich skeptisch.

Wer war Luise Kiesselbach (* 28.12.1863, † 27.1.1929)?

„Luise Kiesselbach war neben Anita Augspurg und Ika Freudenberg eine prägende Figur – nicht nur für den Verein für Fraueninteressen, sondern für die bürgerliche Frauenbewegung in München und Bayern insgesamt“, sagt Christa Elferich vom Verein für Fraueninteressen. „Sie war eine herausragende Verbandspolitikerin. Und als erste öffentlich bestellte Armenpflegerin in Bayern war sie eine Pionierin der Sozialpolitik.“ Der Begriff „Parität“ war laut Elferich ein Schlüsselbegriff für Luise Kiesselbach: „Er steht für die Gleichheit aller Konfessionen, die Ebenbürtigkeit zwischen Mann und Frau, aber auch zwischen dem Helfer und dem Bedürftigen.“

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