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Tauben-Drama am Münchner Hauptbahnhof: Tierschützer erheben Vorwürfe gegen Bahn

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Von: Daniela Borsutzky

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Tauben werden am Münchner Hauptbahnhof häufig tagelang nicht aus den Netzen befreit und sterben dort.
Tauben werden am Münchner Hauptbahnhof häufig tagelang nicht aus den Netzen befreit und sterben dort. © Laura Will

Lässt die Bahn Vögel, die sich am Hauptbahnhof im Löcher-Netz verirrt haben, wissentlich sterben? Tierschützer schlagen Alarm - das sagt die Bahn zu den Vorwürfen...

Ludwigsvorstadt - „Die Bahn hat eine Taube sehenden Auges verenden lassen!“, empört sich Arne Brach (Grüne), Tierschutzbeauftragter im BA Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt. Er berichtet, dass am vergangenen Wochenende Tierschützer am Hauptbahnhof eine Taube entdeckt hatten, die sich in einem Abwehrnetz in 13 Metern Höhe verfangen hatte. „Trotz eingeschalteter Polizei und Feuerwehr sowie eines eigens aus Österreich zu Hilfe gerufenen Industriekletterers ließ die Bahn die Rettung nicht zu“, berichtet Brach. Die Gefahr für Helfer sei zu groß gewesen. Inzwischen ist das Tier tot.

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*HalloMuenchen.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA. © Hallo München

Tauben-Drama am Hauptbahnhof: Vögel verfangen sich im Löcher-Netz und sterben

„Es ist manchen nicht klar, aber das Tierschutzgesetz (s. Kasten) gilt für alle Wirbeltiere gleichermaßen. Auch für Tauben und Ratten“, erklärt Brach. Insofern sei es gut, dass ein Tierrechtsanwalt Strafanzeige erstattet hat. „Die Bahn braucht anscheinend juristisch eins auf den Deckel, um das Thema ernst zu nehmen. Vielleicht schafft sie sich dann für einen ihrer größten Bahnhöfe entsprechende Gerätschaften an, um in großer Höhe arbeiten oder helfen zu können.“

Vor Ort hat Hallo am Mittwochabend weitere tote Tauben in den Netzen entdeckt. Lea Schmitz vom Tierschutzbund bestätigt, dass es sich um keinen Einzelfall handelt. „Netze, die Stadttauben fernhalten sollen, können – wenn sie nicht fachgerecht angebracht sind und nicht regelmäßig gewartet werden, zu schwerwiegenden Verletzungen führen oder zur Todesfalle werden“, so Schmitz.

Tierschützer schlagen Alarm und gehen rechtliche Schritte ein: Das sagt die Bahn zu den Vorwürfen

Der auf Tierrecht spezialisierte Anwalt Eisenhart von Loeper hat sich der Sache angenommen. Auf Hallo-Nachfrage erklärt er: „Mit ihrem Hausrecht im Hauptbahnhof dürfen die Bahn-Verantwortlichen keinesfalls die Nothilfe für die Taube in großer Höhe versagen, die tagelang in Todesnot qualvoll im Netz gefesselt ist. Sie machen sich erkennbar dreifacher Vergehen schuldig, nämlich unterlassener Hilfeleistung, der Tierquälerei und womöglich der Tiertötung ‚ohne vernünftigen Grund‘.“

Das Veterinäramt hat die DB aufgefordert, die Taube zu bergen und eine Stellungnahme abzugeben. Laut einer Bahn-Sprecherin habe man, sofort nachdem das Tier entdeckt wurde, einen Hubsteiger angefordert, der am Mittwoch eingetroffen sei.

„In der Höhe ist eine Rettung anders nicht möglich, auch nicht durch die Feuerwehr. Der Einsatz der privat angeforderten Industriekletterer war aus versicherungstechnischen Gründen nicht möglich.“ Seit Mittwoch werde das Netz über dem Querbahnsteig geprüft und instandgesetzt. Man sei im Gespräch mit dem Veterinäramt. Warum die DB kein eigenes Gerät für derartige Fälle hat und wie oft sich solche bereits ereignet haben, ließ die Bahn unbeantwortet.

Tierschutzgesetz

Das Tierschutzgesetz (TierSchG) besagt in § 1: Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen. In § 17 heißt es in Bezug auf Straf- und Bußgeldvorschriften: Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer 1. ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund tötet oder 2. einem Wirbeltier a) aus Rohheit erhebliche Schmerzen oder Leiden oder b) länger anhaltende oder sich wiederholende erhebliche Schmerzen oder Leiden zufügt.

Im Hauptbahnhof München sind mehrere Tauben zu Tode gekommen. Gegen die Deutsche Bahn wurden nun Anzeigen gestellt, die Grünen fordern konsequenten Tierschutz.

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