Notorischer Grenzgänger in Rente

Pfarrer Ernst geht in den Ruhestand – die Nachfolge in der Paul-Gerhardt-Kirche bleibt ungewiss

Pfarrer Heinz-Günther Ernst wie man ihn kennt – in Freizeitkleidung und mit Stoffbeutel auf dem Radl. Am meisten werde er in München die gute Infrastruktur vermissen.
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Pfarrer Heinz-Günther Ernst wie man ihn kennt – in Freizeitkleidung und mit Stoffbeutel auf dem Radl. Am meisten werde er in München die gute Infrastruktur vermissen.
  • Daniela Borsutzky
    VonDaniela Borsutzky
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Die Paul-Gerhardt-Kirche in der Mathunistraße verliert eine ihrer Attraktionen: Pfarrer Heinz-Günther Ernst geht in den Ruhestand. Zum Abschied hat das „Laimer Original“ mit Hallo gesprochen.

LAIM Als ein „Original“, ein „Unikum“, so wird Heinz-Günther Ernst im aktuellen Gemeindebrief von den Stimmen beschrieben, die mit persönlichen Botschaften Ade sagen. Sechseinhalb Jahre stand er an der Kanzel der Evangelisch-Lutherischen Paul-Gerhardt-Kirche an der Mathunistraße und war im Viertel umtriebig. Jetzt verabschiedet er sich in den Ruhestand – und auch von München.

Im Dezember zieht Ernst um, es geht ins sächsische Vogtland. „Ich bin ein notorischer Grenzgänger“, sagt er lächelnd.

Er erzählt, wie ihn die deutsche Wiedervereinigung geprägt habe und von seiner Leidenschaft für Israel. Er plaudert über die drei Söhne, die Zwillings-Enkel und seine Frau, mit der er quasi eine Wochenend-Ehe führe und mit der es nie langweilig werde.

Seine Tennis-Kumpels beim ESV Pasing werden ihm fehlen. „In Sachsen kegelt man, das ist aber nichts für mich, das ist nicht gut für meinen Rücken.“

Pfarrer Ernst: Ruhestand und Umzug nach Sachsen - Wie er an seine Faszination zu Gott und Israel kam:

Bad Elster wird also das neue Zuhause, ein Kurort mit christlicher Gemeinde und günstigen Mietpreisen. Eine Großstadt sollte es für den Pfarrer nicht mehr sein. „Mit 66 Jahren einen neuen Freundeskreis aufbauen ist nicht so einfach. Ich wollte wohin, wo man als Einzelner gesehen und wertgeschätzt wird.“

Aufgewachsen sei er als introvertiertes Einzelkind in Schweinfurth, die Jugend von Leistungsorientierung bestimmt.

Theologen gab es keine in der Verwandschaft, in der Oberstufe habe er über einen Schulkameraden zum Glauben gefunden. „Die haben sich einfach gefreut, wenn ich in den Jugendkreisen dabei war, obwohl ich ja nichts Produktives beigetragen hab“, so Ernst. „Gott ist bei jedem, unabhängig von Leistung. Das war neu für mich.“

Während dem Theologiestudion in Basel entdeckt Ernst auch seine Faszination für die hebräische Sprache. Über die Jahre leitete er immer wieder Gruppenreisen in Israel, sobald es die Situation erlaube, will er die Organisation wieder aufnehmen.

Wegen seiner laufenden Hebräisch-Kurse werde er auch künftig alle paar Wochen München besuchen – ganz los werde man ihn also vorerst nicht, sagt Ernst lachend.

Laimer Original verabschiedet sich - Nachfolger für Paul-Gerhardt-Kirche noch unbekannt

Unwägbarkeiten gibt es hinsichtlich seiner Nachfolge. Denn die Landeskirche befindet sich in einem Kürzungsprozess, Pfarrstellen werden eingespart.

Christoph Jahnel, Dekan für den Prodekanatsbezirk München-West, erklärt auf Hallo-Nachfrage: „Der Kirchenvorstand der Paul-Gerhardt-Gemeinde entwickelt gerade ein Profil, was auf dieser Stelle in Zukunft gemacht werden soll. Vermutlich wird die Stelle ab 2024 nur noch eine halbe sein, da wir überall im Dekanat Stellen kürzen müssen.“

Abschiedsgottesdienst von Pfarrer Ernst

Der Abschiedsgottesdienst von Pfarrer Ernst wird am Sonntag, 31. Oktober, gefeiert. Ab 10 Uhr in der Paul-Gerhardt-Kirche, Mathunistraße 25.

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