Dialogveranstaltung über Zukunftsvisionen:

Klimaangepasstes Bahnhofsviertel - Hallo München hat vorab mit den Experten gesprochen

So könnte die Landwehrstraße in Zukunft aussehen. Das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) hat einzelne Nahaufnahmen aus dem Südlichen Bahnhofsviertel als Zukunftsbilder aus dem Jahr 2040 grafisch aufbereiten lassen.
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So könnte die Landwehrstraße in Zukunft aussehen. Das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) hat einzelne Nahaufnahmen aus dem Südlichen Bahnhofsviertel als Zukunftsbilder aus dem Jahr 2040 grafisch aufbereiten lassen.

Die Sommer werden heißer, die Städte enger. Wie unangenehm hohe Temperaturen gerade in Zentren sind, bekommen vor allem die Menschen im Südlichen Bahnhofsviertel zu spüren – dort wo geschäftiges Treiben und wenig Grün aufeinandertreffen. Doch wie sieht die klimagerechte Stadt von Morgen aus?

Dieser Frage gehen Experten und Bürger bei der Dialogveranstaltung „Zukunftsvisionen für ein klimaangepasstes Südliches Bahnhofsviertel“ nach (siehe unten). Die Veranstaltung soll zu Engagement für mehr Stadtgrün anregen. „Öffentliches und privates Grün werden immer wichtiger für die Aufenthaltsqualität. Und jeder kann seinen Beitrag dazu leisten“, sagt Wolfgang Heidenreich von Green City. Wie das geht und warum das nicht mal teuer ist, lesen Sie auf dieser Seite.

Wolfgang Heidenreich von Green City

Dialogveranstaltung

Das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und Green City laden am Mittwoch, 23. September (16 bis 19 Uhr) zur Online-Dialogveranstaltung „Zukunftsvisionen für ein klima­angepasstes Südliches Bahnhofsviertel“. Anmeldung unter www.greencity.de/suedliches-bahnhofsviertel.

Die Teilnahme ist frei.

Wo es im Viertel heiß ist

Julia Mittermüller und Amelie Bauer vom Institut für Soziologie der LMU haben im vergangenen Jahr eine Erhebung unter dem Titel „Wie angenehm ist das Südliche Bahnhofsviertel im Sommer?“ durchgeführt. „Wir haben mit den Menschen vor Ort geredet, wie das Viertel von ihnen bei Hitze wahrgenommen wird“, sagt Mittermüller.

Julia Mittermüller – Lokale Passung München.jpg

Mit den Ergebnissen wurden unter anderem sogenannte subjektive Heatmaps erstellt – also Karten, auf denen mit roten und grünen Punkten dargestellt wurde, wo sich gefühlt heiße beziehungsweise angenehme Orte befinden. „Es hat sich herausgestellt, dass vor allem die großen Straßen, also Paul-Heyse-, Schwanthaler-, Landwehr-, Bayer- und Schillerstraße, von den Menschen unangenehm wahrgenommen werden“, so Mittermüller.

Das liege natürlich am Verkehr und dem Lärm, aber auch am fehlenden Grün. Je näher man ans Klinikviertel komme, desto grüner werde es – auf der Karte und in der Realität. „Aber auch auf der roten Theresienwiese finden sich grüne Punkte, beispielsweise bei der Bavaria oder oben am Bavariaring“, sagt Mittermüller.

Ihr Tipp: „Begrünte Balkone tragen wahnsinnig viel zu einem gefühlt angenehmen Ort bei.“

So wird die Hitze erträglicher

Im Rahmen des Projekts „Grüne Stadt der Zukunft“ hat das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) das Südliche Bahnhofsviertel untersucht. „Es wurde als Bestandsviertel ausgewählt, weil es als Innenstadtquartier mit gebäudenahem Grün sowie Grün- und Freiflächen unterversorgt ist. Die Stadt München plant, es diesbezüglich in den nächsten Jahren aufzuwerten. Man kann sich also in die Planungen einbringen“, erklärt Angela Oels vom IÖW.

Angela Oels vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW)

Die letzten Hitzesommer hätten gezeigt, dass es dort teilweise unerträglich heiß werde. „Das hat viel mit dem Klimawandel und fehlendem Grün zu tun. Mit Begrünung kann man es erträglicher machen“, so Oels. Ihre Empfehlungen für Eigentümer: auf den eigenen Flächen Hochbeete und Pflanzkübel aufstellen, den Innenhof entsiegeln, die Fassade und Dachflächen begrünen.

Doch auch als Mieter kann man seinen Beitrag leisten: „Man kann den Eigentümer darüber informieren, dass es Fördermöglichkeiten für Begrünungen seitens der Stadt gibt und ihn anregen, etwas zu tun. Und seinen Balkon kann man schnell und einfach selbst begrünen.“

Doch es gebe auch Schwierigkeiten: „An den Eigentümer kommt man natürlich nicht so einfach ran, wenn der in Abu Dhabi sitzt. Und es kann zu Zielkonflikten kommen, wenn für Bäume Parkplätze wegfallen.“ Dennoch sollte man ihrer Meinung nichts unversucht lassen.

Traum vom grünen Hotel

Noch ist die Fassade des AWA Hotels an der Schillerstraße grau. Das soll sich bald ändern: Geschäftsführerin Anita Wandinger-Nolen möchte vor dem Eingang Kübel aufstellen, aus denen eine Fassadenbegrünung über ein Gerüst nach oben bis in den ersten Stock wächst.

AWA Hotel in der Schillerstraße München

Und auch das Dach des Hotels soll grüner werden. Mit Unterstützung von Green City ist Wandinger-Nolen im vergangenen Jahr an die Stadt bezüglich des Förderprogramms herangetreten. Doch noch hängt sie im Bürokratie-Dschungel fest: „Leider ist noch nichts genehmigt und ich befürchte, das es noch eine ganze Weile dauern wird.“

Trotz der verwaltungsmäßigen Hürden empfiehlt Wandinger-Nolen jedem, sich für mehr Grün einzusetzen: „Schon kleine Akzente können in einer grauen Betonwüste so viel ausmachen.“

Förderung

Um Bürger zu motivieren, etwas für mehr Grün in der Stadt zu tun – sei es auf eigenem Grund oder auf Firmengelände – unterstützt die Landeshauptstadt dieses Engagement mit einem Förderprogramm. Einen Antrag auf Bezuschussung können Sie stellen, wenn das Anwesen mehr als drei Wohneinheiten oder eine Gewerbefläche umfasst und die Begrünung eine freiwillige Maßnahme darstellt. Infos: www.muenchen.de/bau/foerderprogramme.

Daniela Borsutzky

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