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Bombendrohung, Katar-Kritik, Hainer-Wahl: So lief die Jahreshauptversammlung des FC Bayern München

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Von: Benedikt Strobach

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Bei der Jahreshauptversammlung des FC Bayern München wurde Präsident Herbert Hainer (Mitte) wiedergewählt. Im Fokus stand vor allem das umstrittene Katar-Sponsoring.
Bei der Jahreshauptversammlung des FC Bayern München wurde Präsident Herbert Hainer (Mitte) wiedergewählt. Im Fokus stand vor allem das umstrittene Katar-Sponsoring. © dpa/Angelika Warmuth

Bei der Jahreshauptversammlung des FC Bayern München war Katar erneut Kritikpunkt. Präsident Hainer wurde wiedergewählt. Es gab eine Bombendrohung.

Uli Hoeneß, der sich mit dem Katar-kritischen Vereinsmitglied Michael Ott anlegt. Herbert Hainer, der als Präsident des FC Bayern zwar wiedergewählt wurde, aber nur ein mäßiges Wahlergebnis einfuhr. Finanzvorstand Jan-Christian Dreesen, der trotz der Corona-Pandemie eine stabile finanzielle Lage vermelden konnte. Oliver Kahn, der für seinen Ausraster nach dem späten 2:2-Ausgleichstreffer im Spitzenspiel bei Borussia Dortmund gefeiert wurde. Und kurz vor Schluss noch eine Bombendrohung. All das war Teil der Jahreshauptversammlung (JHV) des FC Bayern München am gestrigen Abend im Audi Dome.

FC Bayern Jahreshauptversammlung in München: Hainer als Präsident wiedergewählt, Katar-Sponsoring erneut Thema

Doch der Reihe nach: Bevor Herbert Hainer erneut zum Präsidenten des FC Bayern München gewählt werden sollte, wurde das Streitthema Katar auf der Jahreshauptversammlung des deutschen Fußball-Rekordmeisters erneut kontrovers, aber diesmal erstaunlich sachlich diskutiert. Vorstandsboss Oliver Kahn betonte noch vor den Redebeiträgen der Mitglieder, dass eine Entscheidung über die Partnerschaft mit der Fluglinie Qatar Airways erst 2023 fallen werde.

Der lukrative Sponsoring-Vertrag läuft im kommenden Sommer aus. „Wir werden das Thema weiter intensiv nach der WM besprechen und für den FC Bayern eine Lösung finden“, kündigte Kahn am Samstagabend im Audi Dome an. „Einige Fans - und das respektiere ich - sehen unsere Kooperation mit unserem Partner Qatar Airways sehr kritisch“, äußerte der 53-Jährige. Darum habe man sich intensiv ausgetauscht.

Kahn rechtfertigte aber auch die Zusammenarbeit. „Es ist in Katar zu Fortschritten gekommen, bei Arbeitsrechten und Menschenrechten.“ Niemand habe gesagt, dass Katar ein Land sei, „in dem europäische Standards erfüllt werden. Aber wer etwas ändern und anstoßen will, muss Menschen begegnen, mit ihnen reden und sich austauschen, statt sie auszugrenzen“, argumentierte der Bayern-Chef.

Zu Beginn der Versammlung hatte sich Vereinspräsident Hainer bei den Mitgliedern für „Fehler“ beim Umgang mit der Katar-Problematik auf dem eskalierten Vereinskonvent des Vorjahres entschuldigt. Das kam in der Halle an. Der 68 Jahre alte Nachfolger von Ehrenpräsident Uli Hoeneß (70), welcher in der ersten Reihe sitzend aufmerksam zuhörte, wurde mit 1092 Ja-Stimmen für eine zweite dreijährige Amtszeit gewählt. 218 stimmberechtigte Mitglieder votierten aber auch gegen ihn, 85 enthielten sich. „Ich werde sie nicht enttäuschen“, versprach Hainer den Mitgliedern.

JHV des FC Bayern München - Hoeneß geht Katar-kritisches Mitglied Michael Ott verbal an: „Auftritt war peinlich“

Katar-Kritiker Michael Ott beklagte wie im Jahr zuvor die Haltung der Vereinsführung im Umgang mit dem Emirat. Der Vereine werde „endgültig instrumentalisiert“, das sei aus seiner Sicht „inakzeptabel“. Er richtete an Hainer die direkte Frage, ob er als Präsident den Vertrag verlängern würde. „Diese Frage kann ich heute nicht mit Ja oder Nein beantworten“, sagte der Präsident. Schweigen werde man zu Missständen auf keinen Fall.

Der Auftritt von Ott erzürnte aber offenbar Uli Hoeneß. Der Ehrenpräsident soll das Mitglied nach übereinstimmenden Berichten verbal angegangen sein. „Ihr Auftritt war peinlich. Das ist der Fußballclub Bayern München und nicht die Generalversammlung von Amnesty International“, soll der 70-Jährige gesagt haben. Diesen Wortlaut gab Ott auch so wieder.

Für Präsident Hainer war Otts Auftreten am Abend der JHV okay. Sein eher mäßiges Wahlergebnis verband er ebenfalls mit der Katar-Thematik. „Das Thema hat sicherlich mitgespielt“, sagte er.

Die Zustimmung für den früheren Adidas-Chef lag dieses Jahr bei 83,3 Prozent. Hainer war vor drei Jahren mit einem Topergebnis von 98,1 Prozent Ja-Stimmen zum Nachfolger Uli Hoeneß gewählt worden.Der „Denkzettel“ der Mitglieder schien ihn aber angesichts der Tumulte beim Jahreskonvent des Vorjahres nicht besonders zu bedrücken. „Insgesamt ist die Versammlung sehr gut gelaufen“, kommentierte Hainer: „Ich bin sehr froh, dass die Mitglieder die Arbeit der letzten zwölf Monate und den Dialog sehr schätzen.“

JHV des FC Bayern München: Kahn definiert sportliche Ziele und wird für Ausraster gegen BVB gefeiert - Finanzen stimmen

Als sich Oliver Kahn zu den sportlichen Zielen in dieser Saison äußerte, hatten Trainer Julian Nagelsmann und die Profis Thomas Müller, Joshua Kimmich, Leon Goretzka und Kingsley Coman den Audi Dome am Vorabend des wichtigen Bundesliga-Topspiels gegen den SC Freiburg (Sonntag, 16. Oktober, 19.30 Uhr in der Allianz Arena) schon verlassen. Er forderte die Profis auf, in der Bundesliga wieder „diese Gier“ zu entwickeln, um „auch in dieser Saison Meister zu werden.

Die Elf ist unser klares Ziel“, sagte Kahn zur aktuellen Titelserie. In seinem Terminkalender habe er aber auch das Champions-League-Finale und das DFB-Pokal-Endspiel nach dem vorzeitigen Scheitern in der vergangenen Saison „rot markiert“.

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Gefeiert wurde Kahn von den Mitgliedern für seinen emotionalen Ausbruch nach dem späten 2:2-Ausgleich im Spitzenspiel gegen Borussia Dortmund am vergangenen Wochenende. Ein Mitglied lobte den ehemaligen Nationaltorhüter in einem Redebeitrag ausdrücklich dafür, da es an frühere Spielerzeiten Kahns erinnerte. „Ich fand das so was von mega-mega-geil. Dieses Bild hat gezeigt, wie Du den FC Bayern liebst“, sagte der Redner auf dem Podium direkt zu Bayern-Chef Kahn. Der Vorstandsvorsitzende hatte die Szene zuvor in seiner Rede humorvoll selbst angesprochen, was für großes Lachen und Gejohle im Audi Dome sorgte.

Eine gute Nachricht folgte: Trotz erneuter Einbußen im Zuge der Corona-Pandemie konnte der Rekordmeister für die zurückliegende Saison wieder schwarze Zahlen vorweisen. Der Umsatz des Gesamtkonzerns betrug 665,7 Millionen Euro, der Überschuss nach Steuern 12,7 Millionen Euro. „Das ist ein starkes Ergebnis“, äußerte Finanzvorstand Jan-Christian Dreesen (55). Der im Sommer 2023 ausscheidende Kahn-Stellverteter wurde von den Mitgliedern mit Ovationen für seine Arbeit gefeiert. Mit „feuchten Augen“ verließ Dreesen das Rednerpult.

JHV des FC Bayern München: Bombendrohung im Audi Dome - Halle musste geräumt werden, Polizei gibt Entwarnung

Kurz nach dem Ende der Jahreshauptversammlung gab es dann noch einmal Aufregung. Wegen einer „vagen Bombendrohung“ musste der Audi Dome geräumt werden. „Ich weiß, dass die Polizei alarmiert ist. Es kommt das USK, ein Räumkommando. Mehr weiß ich zum jetzigen Zeitpunkt leider noch nicht“, sagte Bayern-Präsident Herbert Hainer der Bild.

Nach einer Pressekonferenz im Anschluss an die Versammlung mussten alle noch anwesenden Mitglieder des deutschen Fußball-Rekordmeisters, Journalisten und sämtliche anderen Personen das Gelände schnell verlassen. Die Polizei meldete, dass die knapp 100 betroffenen Personen dieser Aufforderung zügig nachgekommen seien.

„Als das Gebäude leer war, wurde durch sprengstoffkundige Beamte mit Unterstützung der Diensthundestaffel sowie des Unterstützungskommandos eine Absuche nach verdächtigen Gegenständen durchgeführt“, berichtet die Polizei. Nachdem die Absuche negativ verlief, konnte der Audi Dome gegen 1 Uhr morgens wieder freigegeben werden.

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