Mehr als nur ein Freizeit-Treff

Der Blumenauer Mädchentreff erhält den Anita Augspurg Preis 2020 – auch für seine feministische Ausrichtung

Ausgezeichnetes Engagement: Lisa Neugebauer (32, li.) und Sandra Lüders (30) leisten feministische Bildungsarbeit an der Gelbhofstraße 16.
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Ausgezeichnetes Engagement: Lisa Neugebauer (32, li.) und Sandra Lüders (30) leisten feministische Bildungsarbeit an der Gelbhofstraße 16.
  • Daniela Borsutzky
    vonDaniela Borsutzky
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Der Blumenauer Mädchentreff bietet seit fast fünf Jahren einen Schutzraum für junge Mädchen. Jetzt wurde die Einrichtung mit dem Anita Augspurg Preis ausgezeichnet.

Davon, dass ihre Arbeit Früchte trägt, sind Sandra Lüders und Lisa Neugebauer überzeugt. „Völlig aus dem Nichts meinte eines der Mädels letztens: Schau, ich bin ungeschminkt und trage keinen BH – und es ist voll okay“, erzählt Neugebauer. Dass die Pädagoginnen des Blumenauer Mädchentreffs den mit 10 000 Euro dotierten Anita Augspurg Preis (s. Infokasten) aber tatsächlich gewinnen würden, damit hatten die beiden nicht wirklich gerechnet.

Der Treff ist eine offene Einrichtung des Vereins „Schule Beruf“ und wurde 2016 offiziell eröffnet. Hier finden Mädchen und junge Frauen zwischen neun und 21 Jahren einen Schutz- und Freiraum, in dem sie sich begegnen und ausprobieren können. Seit 2020 handelt es sich um ein autonomes Projekt mit zwei Vollzeitstellen und eigenem Büro. „Bis dahin war es ein langer Weg“, so Lüders. Der Treff hat sich etabliert, etwa 40 Stammmädels hat die Einrichtung – jedenfalls zu Nicht-Corona-Zeiten. „Wir kochen zusammen, basteln und machen Ausflüge. Oder die Mädels können sich einfach nur auf die Couch setzen und ins Handy schauen“, sagt Lüders.

Blumenauer Mädchentreff: Auszeichnung für soziales Projekt

Aber auch ein politisches Anliegen ist vorhanden: „Wir versuchen, die feministische Prägung zu forcieren und Empowerment-Arbeit zu leisten.“ Dabei bewege man sich in einem Spagat. „Wir knüpfen an feministische Traditionen an, stellen aber auch das Mädchen-Sein in Frage“, erklärt Lüders und verweist auf das Gendersternchen des Mädchen*treffs. In der Begründung für die Preisvergabe honoriert die Stadt unter anderem die „intensive, niedrigschwellige, bedarfsorientierte und feministische, über eine Freizeit-Treff-Struktur hinausgehende Begleitung von Mädchen und jungen Frauen“.

Wie sie das Preisgeld investieren, das wissen die Pädagoginnen noch nicht genau. „Ein Teil geht auf jeden Fall direkt an die Mädels, beispielsweise in Form eine Ferienfahrt“, sagt Neugebauer und betont, dass sie alles nach ihren partizipatorischen Ansprüchen gestalten wollen. Die Mädchen und jungen Frauen seien die Leidtragenden der Pandemie. „Den Preis in solchen Zeiten zu erhalten, ist ein schönes Zeichen. Gerade für unsere Stammmädels, die von Anfang an dabei sind und alle Unsicherheiten miterlebt haben, ist es cool, dass das Projekt nicht mehr in Frage gestellt wird“, sagt Neubauer. „Dass sie es wert sind.“

Der Anita Augspurg Preis

Frieden, Frauenbildung und Gleichberechtigung: Dafür setzte sich die 1857 geborene Anita Augspurg besonders ein. Ihr zu Ehren vergibt die Landeshauptstadt München seit dem Jahr 1994 ihren Preis für Leistungen, die zu mehr Gleichberechtigung von Frauen beitragen. Die Auszeichnung ist seit dem Jahr 2019 mit 10 000 Euro dotiert und wird jeweils anlässlich des Internationalen Frauentages im Rahmen eines festlichen Empfangs des Oberbürgermeisters im Alten Rathaus vergeben – heuer Pandemie-bedingt digital am Dienstag, 16. März, um 18 Uhr durch Bürgermeisterin Katrin Habenschaden.

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