Angst um Kastanien

„Rettet unsere Kastanien“ – Bürger fürchten um Bäume an der Johann-Clanze-Straße – Ist die Allee krank?

„Dieser Baum muss bleiben“ und „Rettet die Kastanien“ – finden die Anwohner und haben Plakate aufgehängt.
+
„Dieser Baum muss bleiben“ und „Rettet die Kastanien“ – finden die Anwohner und haben Plakate aufgehängt.

Die Anwohner der Johann-Clanze-Straße haben Angst um ihre Kastanien. Ist die ganze Allee krank? Das sagt die Stadt dazu...

Sendling-Westpark – Beinahe einhundert Kastanien stehen entlang der Johann-Clanze-Straße, spenden Schatten, filtern die Luft und dämmen den Lärm. Doch jetzt bangen die Anwohner um ihre Bäume. Sie haben beobachtet, wie Mitarbeiter des städtischen Gartenbaus mehrere Kastanien markiert haben. Zudem ist von „Vandalismus“ die Rede.

Die Nachbarn hätten gesehen, wie ein wohl städtischer Mitarbeiter von einem Baum die Rinde abgetreten habe. Auf Nachfrage hätten die Anwohner die Antwort erhalten, dass der Baum „eh wegkommt.“

Die Nachbarn sind sensibilisiert: In den letzten Jahren mussten sämtliche Kastanien auf dem nebenan gelegenen Eichendorffplatz dran glauben – das Bakterium „Pseudomonas syringae pv. aesculi“ hatte ihnen zugesetzt.

Uli Schaarschmidt lebt seit 20 Jahren an der Johann-Clanze-Straße und will die Kastanien vor seiner Haustüre erhalten. Der Maler glaubt nicht daran, dass die Bäume wirklich „rettungslos verloren“ sind. Anzeichen für eine Krankheit könne er nicht erkennen.

Anwohner Uli Schaarschmidt will, dass die Kastanien in der Johann-Clanze-Straße stehen bleiben.

Stattdessen argwöhnt er: „Die Stadt will alte Bäume nicht pflegen, weil es zu aufwändig und teuer ist. Stattdessen lässt sie diese herausreißen – auf Kosten des Steuerzahlers – und durch Bonsais ersetzen.“

„Volles Vertrauen“ in die Stadtgärtner hat Viertel-Chef Günter Keller (SPD). „Es mag sein, dass ein Baum nicht krank aussieht, es aber trotzdem ist. Die Spezialisten kennen sich da aus“, so Keller.

Das sieht auch Angela Burkhardt-Keller, Expertin für Baumschutz beim Bund Naturschutz, so. Doch sie hat Verständnis für die Anwohner: „Oftmals nehmen sich die Mitarbeiter der Behörden nicht genug Zeit, um den Menschen vor Ort die Sachlage richtig zu erklären.“

Die Anwohner haben Plakate an die Kastanien angebracht: „Dieser Baum muss bleiben, Hände weg.“

Burkhardt-Keller findet es wichtig, dass die Anwohner die Augen offen halten. Aber sie plädiert trotzdem dafür, die Expertise der Fachmänner anzuerkennen: „Schadsymptome an Bäumen sind sehr komplex und für den Laien oftmals nicht zu erkennen.“

Zum Pseudomonas-syringae-Bakterium erklärt sie: „Vereinfacht gesagt: Wenn eine Kastanie davon befallen ist, ist der Baum geschwächt. Andere Schädlinge haben somit ein leichtes Spiel.“

Wie es um die Kastanien an der Johann-Clanze-Straße steht, bleibt noch offen: Eine Stellungnahme aus dem städtischen Baureferat ging Hallo bis Redaktionsschluss nicht zu.

dbo

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Allein unter Männern – Seit zehn Jahren ist sie Leiterin in Europas letztem Ledigenheim im Münchner Westend
Allein unter Männern – Seit zehn Jahren ist sie Leiterin in Europas letztem Ledigenheim im Münchner Westend
Feuerwehreinsatz am U-Bahnhof Poccistraße  – Rauch breitet sich in Sperrengeschoss aus
Feuerwehreinsatz am U-Bahnhof Poccistraße  – Rauch breitet sich in Sperrengeschoss aus

Kommentare