Durchs Jahr geklickt - das war unser 2020

Hallo-Rückschau: Diese Themen haben die Leser aus dem Münchner Südwesten 2020 am meisten interessiert 

Die bosnisch-islamische Gemeinde „Hidaje“ will von Moosach nach Sendling-Westpark in einen Neubau an der Edelsbergstraße umziehen.
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Die bosnisch-islamische Gemeinde „Hidaje“ will von Moosach nach Sendling-Westpark in einen Neubau an der Edelsbergstraße umziehen.
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    Daniela Borsutzky
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Ein ereignisreiches Jahr liegt hinter dem Münchner Südwesten. Das zeigt auch unser Jahresrückblick. Welche Geschichten darin vorkommen, haben Sie mitbestimmt: Es sind die Themen, die auf unserer Homepage www.hallo-muenchen.de am meisten gelesen wurden.

Neue Moschee nicht vor 2022?

SENDLING-WESTPARK An der Edelsbergstraße, unweit des Audi Dome, soll ein islamisches Zentrum der bosnischen Gemeinde „Hidaje“ entstehen. Das Projekt schlug große Wellen – vor allem weil Anwohner eine Verschärfung der angespannten Verkehrssituation erwarteten. Im Januar rief die rechtsextreme Pegida zur Demonstration auf – letztendlich stellten sich einer Handvoll ausländerfeindlicher Bürger etwa 50 Gegendemonstranten von „München ist bunt“ gegenüber.

Hallo hat nachgehakt, wie es aktuell um das Bauprojekt steht: Am 26. Mai 2020 hat die Lokalbaukommission einen überwiegend positiven Vorbescheid zum Neubau eines Vereinshauses mit Seminarräumen und einem Gebetsraum erlassen. „Darin wurde ausgeführt, dass die Stellplatzfrage noch nicht hinreichend geklärt wurde und im Bauantrag nachzuweisen ist“, sagt Ingo Trömer, Sprecher des Planungsreferats. „Am 26. Juni wurde ein Bauantrag eingereicht, der sich aktuell noch in der Prüfung befindet.“

Auf die Frage nach dem Zeitplan antwortet ein Mitglied der Gemeinde: „Je nachdem, wann die Genehmigung kommt und wie es mit der Pandemie weitergeht, könnte es mit einem Baubeginn in 2021 knapp werden. Wir würden jedenfalls gerne den Bau innerhalb eines Kalenderjahres fertigstellen und uns nicht mit den Unwägbarkeiten einer winterlichen Baustelle plagen.“ Vor diesem Hintergrund schließe man nicht aus, dass der Baubeginn auf 2022 verschoben wird.

Gute Nachrichten gibt es hinsichtlich der Stellplatzsituation: „Wir freuen uns sagen zu können, dass unser unermüdliches Bemühen um Linderung etwaiger Sorgen der Nachbarschaft wegen eines befürchteten Wildparkens zu einem großen Erfolg geführt hat. So haben wir mit dem Betreiber des nur 150 Meter entfernten Cityparkplatzes einen langjährigen Stellplatznutzungsvertrag geschlossen, der mehr als ausreichend Stellplätze für unsere Mitglieder bieten wird.“

Die Infoveranstaltung für die Nachbarn, welche im Oktober Corona-bedingt entfallen musste, soll, sobald es die Umstände zulassen, nachgeholt werden.      

Nach geschlossenem „Riegerhofer“: neuer Grieche in Laim

Es war eine Meldung im Februar, die viele Laimer offenbar sehr getroffen hat: Der Aschermittwoch war der letzte Tag, an dem das „Riegerhofer“ (Archivfoto: dbo) zum traditionellen Fischessen lud – danach schloss das Restaurant seine Türen. Es habe zu viele Baustellen gegeben, die Wirtschaft habe sich nicht rentiert, hieß es von Restaurantseite.

Verpächter ist der nebenan gelegene SV Laim. „Wir hatten an die hundert Bewerber“, sagt Vorstand Nikolai Fischer. „Vom Asia-Imbiss bis zum Konzept einer Shisha-Bar war alles dabei.“ Letztendlich habe man sich für „Filos der Grieche“ entschieden.

Langfristig stehen an der Riegerhoferstraße weitere Baustellen im Haus, die Lukas-Schule erweitert ihre Kapazitäten. Und dann ist da noch die Pandemie. „Wir mussten uns für jemanden entscheiden, der die Location weiter betreiben kann. Das geht nur mit weiteren Standbeinen“, erklärt Fischer. „Filos der Grieche“ hat noch weitere Filialen in München und kooperiert zudem mit einem Lieferdienst.

Der Verein sei mit dem neuen Pächter grundsätzlich zufrieden, so Fischer.           

Der Riegerhofer weicht einem neuen griechischen Restaurant.

Kommunalwahl: Neubesetzung der Stadtteilgremien

Ganz im Zeichen der Kommunalwahl stand der März. Die Leser interessierte vor allem, wer sie in den Bezirksausschüssen vertritt. In Sendling-Westpark und Laim holten die Grünen die meisten Stimmen, jedoch schlossen sich jeweils SPD und CSU zu einer Koalition zusammen. Auch in der Ludwigsvorstadt und auf der Schwanthalerhöhe gewannen die Grünen und sicherten sich gleichzeitig den Vorsitz. In Hadern siegte die CSU, welche allerdings in die Opposition ging und den Grünen den Vorsitz überließ.

Entwarnung: Hydrant statt Bombe

In hohe Aufregung wurden die Anwohner um die Laimer Unterführung Ende April versetzt. Denn auf der Baustelle an der 2. Stammstrecke wurden bei einer Sondierung im Gleisbereich zwei verdächtige Metallgegenstände in zwei Metern Tiefe und einem Abstand von zehn Metern entdeckt. Der Verdacht: Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg.

Die Gegenstände wurden zunächst durch Spezialisten freigelegt. Hätte sich der Verdacht auf Kampfmittel bestätigt, wäre die Entschärfung für Sonntag, 3. Mai, geplant gewesen. Entschärfungen von Fliegerbomben gehören mittlerweile schon fast zum Alltag der Feuerwehr – jedoch nicht während der Corona-Krise.

Einer von drei Einsatzkräften direkt am Ort des Geschehens war Klaus Heimlich, Brandrat der Münchner Feuerwehr. „Die Erleichterung war schon sehr groß und bei allen deutlich spürbar“, erinnert sich Heimlich. Denn: Die vermeintlichen Bomben entpuppten sich als Hydrant und Wasserrohr.

Klaus Heimlich ist Brandrat der Münchner Feuerwehr.

„Eine Situation wie dort, hatten wir zuvor noch nie“, sagt der Brandrat und meint die Umstände der Pandemie. Es habe mehr Akutbetreuungsstellen gegeben, man musste noch mehr auf das Verständnis der Bürger hoffen und deren Mitarbeit – und natürlich Abstand halten.

Hydrant und Wasserrohr wurden übrigens nicht aufgehoben. „Das ist nur Alteisen und wurde weggeschmissen. Das hat keinen historischen Wert“, erklärt Heimlich.     

„Schule ist nicht alles“: Bedeutung der offenen Kinder- und Jugendarbeit

Basteln, mit Gleichaltrigen Zeit verbringen, sich austauschen – Corona hat auch die offene Kinder- und Jugendarbeit in den Vierteln lahmgelegt, zeitweise mussten die Treffs komplett schließen. Der „Münchner Trichter“, eine Vereinigung der Kinder- und Jugendhilfe in München, forderte im Mai in einer Stellungnahme: Die offene Kinder- und Jugendarbeit „muss wieder zugänglich gemacht werden – und zwar so schnell wie möglich“.

„Wir versuchen, das beste rauszuholen“, erläutert Andreas Huber, Leiter des „Tatz“ an der Hinterbärenbadstraße. „Wir sind froh, wenn wir Angebote machen können, weil die seelische Gesundheit der Kinder wichtig ist. Genauso sehen wir aber die Notwendigkeit der Maßnahmen.“ Insgesamt sei man im Feierwerk, dem Träger des „Tatz“, erfreut hinsichtlich der Entwicklung seit dem ersten Lockdown. „Es gab öffentliche Debatten. In der Gesellschaft ist die Wichtigkeit unserer Arbeit angekommen“, so Huber.

Andreas Huber ist Leiter des TATZ.

Was dem „Tatz“-Leiter wichtig ist: „Gerade in Krisenzeiten dürfen die Belange von Kindern und Jugendlichen nicht unter den Tisch fallen. Schule ist wichtig, aber nicht alles – es geht auch ums seelische Wohlbefinden.“

Neue Heimat gefunden: Happy End für die „Büchergalerie Westend“

35 Jahre war die „Büchergalerie Westend“ an der Ligsalzstraße 25 zuhause. Dann wurde Inhaberin Inge Kindermann von der Hauseigentümerin, der Erzdiözese München, gekündigt. Denn das Haus wird abgerissen, die Buchhändlerin sollte Ende Juni ausziehen.

Inge Kindermann ist die Inhaberin der „Büchergalerie Westend“.

Daraufhin haben sich viele Viertelbewohner mit ihr solidarisiert, es wurden Unterschriften gesammelt, auch der BA setzte sich für einen Erhalt ein. Mit Erfolg: Zunächst gewährte die Kirche Kindermann eine Gnadenfrist bis Ende Januar 2021 – dann fand sich durch einen Tipp aus der Nachbarschaft eine neue Ladenfläche. Der Umzug in das neue Heim erfolgte am 9. November. Seitdem hat sich Kindermann an der Kazmairstraße 77 gut eingelebt.

Noch wohnt die Buchhändlerin über ihrem ehemaligen Laden an der Ligsalzstraße. Wie lange sie dort noch bleiben kann, ist ungewiss – eine neue Wohnung ist bisher nicht in Sicht.

Medaille für Kluska

Der Landschaftsarchitekt Peter Kluska hat den Westpark entworfen. Im Juli wurde ihm die Medaille „München leuchtet“ für sein besonderes Engagement um die Münchner Freiraumkultur verliehen. Kluska verstarb im Oktober in der Nacht vor seinem 82. Geburtstag. 

Landschaftsarchitekt verstarb im Oktober 2020.

Baustellen-Ärger

Im August wurde überraschenderweise ein Beitrag von Mai 2019 erneut vielfach aufgerufen: Der Rundgang auf der „Horror-Baustelle“ am Stiftsbogen. Bis heute leiden die Anwohner unter der Baustelle, unter anderem kommt es immer wieder zu Wassereinbrüchen.  

Das letzte Ledigenheim

WESTEND Große Aufmerksamkeit bei den Hallo-Lesern erfuhr im September der Bericht über das letzte Ledigenheim Europas – angesiedelt im Westend. Es ist ein Auffangbecken für knapp 400 mittellose Männer und wird von der Juristin Claudia Bethcke geleitet. Im November stand ihr Zehnjähriges als Objektverwalterin an.

Im Westend gibt es das letzte Ledigenheim Europas.

Es ist derzeit Corona-bedingt ruhig im Haus an der Bergmannstraße 35. „Für den Normalverbraucher ist es schon nicht einfach durchzublicken. Wenn jetzt ein Mensch, der nicht so gut Deutsch kann, ein Schreiben vom Gesundheitsamt mit 22 Seiten kriegt, dann tut der sich besonders schwer“, so Bethcke. Nur eine Handvoll positive Fälle gab es bislang im Haus, alle ohne Symptome. „Wir konnten sie alle umquartieren in Zimmer mit eigener Toilette, sodass eine Quarantäne möglich ist.“

Aktuell wird ein neues Gesamtkonzept für das Gebäude erarbeitet, denn in Sachen Brandschutz besteht dringender Nachholbedarf.

Modell Superblock

Im Oktober interessierte unsere Leser besonders das „Modell Superblock“, das die Interessensgemeinschaft „Freiraumviertel“ zum Beispiel in der Isarvorstadt austesten will. Das würde eine neue Verkehrsführung, dadurch weniger Autos und mehr Freiräume bedeuten. Aktuell bewertet die Initiative, welches Viertel sich am besten für das Projekt eignet.  

Lokalpolitiker fordern Schlittschuhlaufbahn auf der Theresienwiese

Der BA 2 hatte im November gefordert, auf der Theresienwiese eine temporäre Eislauffläche zu errichten. Von Seiten der Stadt hat es laut BA-Chef Benoît Blaser bisher keine Rückmeldung gegeben. Die Verwaltung hatte ähnliche Vorschläge bereits in den Jahren 2011 und 2019 abgelehnt.

Abriss & Neubau

Zum Ende des Jahres wurde im Dezember der Artikel „Münchner Family-Office will Bürokomplex errichten“ vielfach geklickt – darin geht es um den geplanten Abriss des Gebäudes an der Mozartstraße 4. Der beantragte Vorbescheid ist noch nicht erteilt.

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