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Zwischen Corona und Politik: 20 Jahre EineWeltHaus in München

Das EineWeltHaus ist eine bayernweit einzigartige Einrichtung. Von links: Gründungsmitglied Anna Mackowiak, Programmgestalterin Caren Rehm und Modupe Laja aus dem Vorstand.
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Das EineWeltHaus ist eine bayernweit einzigartige Einrichtung. Von links: Gründungsmitglied Anna Mackowiak, Programmgestalterin Caren Rehm und Modupe Laja aus dem Vorstand.
  • Daniela Borsutzky
    VonDaniela Borsutzky
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Im Juli 2001 öffnete das EineWeltHaus an der Schwanthalerstraße seine Türen. Seitdem bietet es Hilfe, Begegnung und Austausch. Wie die Pandemie das Geburtstagsfest und den Alltag beeinflussen.

Ludwigsvorstadt - Hier wurde der erste Menschenrechtsbaum Münchens gepflanzt. Aus einem ehemaligen Süßgkeitenautomaten im Eingangsbereich können seit Kurzem für einen Euro interaktive Kunst&Kultur-Konserven gezogen werden.

Und bereits 2006 wurde das Areal zur Coca-Cola-freien Zone erklärt. Über 80 000 Besucher kamen jährlich in Vor-Pandemie-Zeiten zu Ausstellungen, Konzerten oder Arbeitstreffen ins EineWeltHaus (EWH) an der Schwanthalerstraße 80. Bis zu 250 Nutzergruppen tauschen sich in den Räumen in der Ludwigsvorstadt aus.

„Doch wir sind kein Stadtteilkulturhaus“, stellt Anna Mackowiak klar. Sie ist Gründungsmitglied des EWH, das im Juli 2001 eröffnet hat und von der Stadt gefördert wird. „Unser Angebot richtet sich an die komplette Stadtgesellschaft. Und wir sind ein politisches Haus“, betont Mackowiak.

Wie sich die Situation für das EineWeltHaus durch Corona verändert hat

Ein großes Fest zum 20. Geburtstag soll es natürlich geben – allerdings erst im kommenden Jahr. So bleibe auch mehr Zeit für die Vorbereitung, sagt Modupe Laja, das dienstälteste Mitglied im ehrenamtlichen Vorstand des Trägerkreises.

Kurzarbeit, Hygienekonzepte, Pächterwechsel in der „Weltwirtschaft“, dem beliebten Lokal mit Biergarten im Innenhof – da blieb wenig Zeit für eine Partyplanung.

Doch das große Problem ist freilich nicht eine verschobene Feier. „Corona zwingt die Menschen in die Isolation“, sagt Laja. „Menschen, die aufgrund einer prekären Situation sowieso isoliert sind und für die gesellschaftliche Teilhabe vorher schon erschwert war, konnten die Angebote des EWH nicht mehr wahrnehmen.“

Angebote wie die Rechtsberatung für ausländische Bürger, die momentan nur telefonisch möglich ist. Begegnung und Teilhabe ist an diesem Ort auch für marginalisierte Gruppen möglich. „Das EWH ist ein wichtiger Seismograf“, erklärt Laja die Bedeutung des Hauses. „Wir schaffen Raum für soziale, ökologische sowie machtkritische Perspektiven.

Der Wunsch, über alles diskutieren zu dürfen

Unsere Themen sind am Puls der Zeit, was gesellschaftliche Entwicklungen anbetrifft.“ Man positioniere sich gegen jegliche Form von Rassismus und Antisemitismus. Dazu brauche es aber auch einen gewissen demokratischen Handlungsspielraum, um Unterdrückungssysteme ansprechen und kritisieren zu können.

Anna Mackowiak wünscht sich, dass künftig über alles diskutiert werden darf. Es ist eine Anspielung auf den Umgang mit dem Nahostkonflikt. Zum Hintergrund: 2017 wurde vom Rathaus beschlossen, dass keine städtischen Räume mehr für Veranstaltungen der BDS-Kampagne, die zum Boykott Israels aufruft, genutzt werden dürfen.

Das EWH war betroffen. „Wie soll ich mich zu etwas positionieren, mir eine Meinung bilden, wenn ich mich öffentlich überhaupt nicht richtig informieren kann“, fragt Mackowiak.

Dass das EWH aber oftmals auf dieses Exempel reduziert werde, stört Modupe Laja. Sie führt das Beispiel der Unterdrückung der Uiguren an. „Wir bekommen automatisch auch über die Gruppen mit, welche gesellschaftlichen und weltpolitischen Themen aktuell von Relevanz sind.“

Jetzt freue man sich erst mal darauf, dass das Haus langsam wieder mit Leben gefüllt wird. Beispielsweise bei der kostenlosen Open-Air-Filmreihe „Frischluftkino“, bei der bis September jeden Freitagabend ein Spielfilm im Garten gezeigt wird. Oder wenn die „Weltwirtschaft“ voraussichtlich Ende Juli wieder den Betrieb aufnimmt.

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