Laim: Ali Khans erste Liebe...

"Nicht schön, aber erdig": Wie der Kabarettist und Musiker das Viertel sieht, in dem er aufwuchs

LAIM In Laim wohnt er schon lange nicht mehr – aber wenn der Schwabinger Ali Khan heute durch das Viertel fährt, ist es mit einem Schlag wie früher. „Da werden Erinnerungen wach“, sagt der Kabarettist, Musiker und Radiomoderator, der im Münchner Westen geboren wurde und dort, von 1954 bis 1965, die ersten elf Jahre seines Lebens verbrachte. „Den Stallgeruch wird man einfach nicht mehr los.“ Seine Kindheitserlebnisse hat der Münchner mit persischen Wurzeln jetzt aufgeschrieben: Seine „Laimer Geschichten“ (siehe Kasten) – eine Liebeserklärung an das Arbeiterviertel, das „keine Schönheit, aber erdig und echt ist“, wie der 55-Jährige sagt. Ali Khan, der eigentlich Ali Haydar Wilhelm Halmatoglu heißt, ist Sohn einer Südtirolerin und eines persischen Vaters, die es „eher zufällig“ nach Laim verschlagen hatte – „hier konnte man halt billig wohnen“, meint Khan: „So war ich in diese Welt in jeder Beziehung zwischen den Stühlen hineingeboren.“ Sein Papa, ein strenger Moslem, starb, als Ali sechs Jahre alt war. „Eine Katastrophe – aber das Schlimmste war, auch noch von der geliebten Mama wegzusein.“ Die betrieb einen Kiosk an der Fürstenrieder Straße. „Ich war viel allein“, erinnert sich Khan. Wenn die Mutter einkaufen gegangen ist, „wollte ich immer aus dem dritten Stock springen – ich war ein echt böses Kind, eine Landplage.“ Zum Glück gab es Freunde – ausgegrenzt hat sich der kleine Ali im Viertel nie gefühlt. „Mit meinen Freunden habe ich auf den Bahngleisen gespielt, das war schon abenteuerlich und ist heute ja unvorstellbar“, erzählt er. „Beim Fußballspielen waren zwei Steine unser Tor, es hat auch nicht jeder selbstverständlich einen Ball gehabt.“ An der Schule an der Schrobenhausener Straße kam er gut zurecht – vielleicht auch, weil da das komödiantische Talent des Münchner Tausendsassas erstmals aufblitzte. „Mein Kasperldasein hat mich gerettet“, lacht Ali Khan. „Ich war zwar nicht so konzentriert wie die Klassenbesten, dafür aber ein Entertainer und bei allen Schulaufführungen dabei – das hat meine Noten ein bisserl nach oben getrieben.“ Unvergesslich auch seine Streifzüge durch den Stadtteil, der für Khan „ein lebbarer Mikrokosmos“ war: „In der Schäufeleinstraße gab es nur Sozialwohnungen – da habe ich heute noch den Kohlsuppengeruch in der Nase.“ Die Ludlstraße aber war für ihn am spannendsten, sagt Ali Khan: „Ein wilde Mischung aus Hinterhöfen und Rotlichtmilieu, mit Trambahnschaffnern, die betrunken auf ihrem Bankerl eingeschlafen sind, und die Kasse stand daneben.“ Was er an Laim heute noch mag? „Mich“, lacht er, „und das Poststüberl mit seinen Spielautomaten, das ist noch genauso ist wie früher.“ Schade findet er, dass aus den früheren Kinopalästen („In den besten Zeiten hatten wir fünf“) Supermärkte geworden sind. Aber dass Kaufhäuser, wie der Beck, im Viertel nicht gehen, hält er für ein „gutes Zeichen“: So was war und ist nix für die Loamer“, sagt er, „das ist was für Geldige, und die hat Laim nicht.“ Kontakt hält Kahn zu ein paar Kumpeln „von damals“ – und wenn er die trifft, ist alles wie früher: „Man ist wieder zehn Jahre alt und schafft den Sprung ins Jetzt nicht.“ Claudia Theurer

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