»Lärm ist ein Folterinstrument«

Baustellen vor der Tür: Anwohner der Ridler- und Ganghoferstraße im Westend leiden

Westend Die Lärmhölle beginnt für Kirsten Reichel bereits am frühen Morgen: „Wir stehen mit dem Lärm auf, er begleitet uns am Tag, und wir wir gehen mit ihm in der Nacht auch ins Bett“, sagt die 38-Jährige. Sie wohnt mit ihrem Lebensgefährten und ihren zwei Kindern in einem Haus auf der Ecke Ridler- und Ganghoferstraße, quasi genau vor der Tür werden die Medienfabrik München und ein Wohnhauskomplex gebaut, wenige Meter weiter befindet sich die Großbaustelle Bahndeckel. „Der Lärm ist ein Folterinstrument“, sagt sie, eine Lärmhölle für die Anwohner. Reichel und die Mieter der anderen Wohnungen in den betroffenen Wohnblöcken leben seit Sommer vergangenen Jahres mit dem Lärm: „Unser Problem ist, dass wir in einem Mischgebiet leben, laut Auskunft des Kreiverwaltungsreferats ist hier Baulärm bis zu 70 Dezibel zu ertragen – diesen Wert haben wir in der Regel von 6 bis 21 Uhr“, sagt Reichel. Und das hat Folgen: „Wir nehmen keine Mahlzeiten mehr in Ruhe ein, selbst bei geschlossenem Fenster haben wir keine Ruhe mehr“, klagt sie. „Wir können und wollen ja die Baustellen nicht verhindern, aber es muss doch möglich sein, ein halbwegs normales Leben zu führen, auch der Kinder wegen“, sagt sie. Denn ihr Sohn leide besonders unter dem ständigen Lärm, habe Konzentrationsprobleme in der Schule und könne in seinem Zimmer, das direkt auf die Baustelle hinaus geht, nicht mehr schlafen. Was Reichel und die anderen Lärmgeplagten aber noch mehr stört, ist, dass ihrer Aussage nach zum Teil bis tief in die Nacht und morgens schon vor 6 Uhr gearbeitet wird. Immer wieder würden die lärmgeplagten Anwohner deswegen die Polizei rufen, zuletzt erstattete Reichel Anzeige und führt Buch über die Beschwerden. Gerade im Sommer ist der Baulärm besonders schlimm: „Zum einen müssen wir deswegen die Fenster geschlossen halten und schwitzen dann drinnen wie verrückt“, sagt die Chefsekretärin. „Und abends und nachts, wenn wir dann lüften wollen, ist es immer noch so laut, dass wir kaum schlafen können.“ Nach Aussage der zuständigen Lokalbaukommission (LBK) hat es mehrere Beschwerden und Anrufe wegen der Medienfabrik-Baustelle gegeben: „Es gab auch schon Aufforderungen an den Bauträger“, bestätigt LKB-Sprecher Thomas Haser. „Wir werden das Referat für Umwelt und Gesundheit bitten, nachts Lärmprüfungen vorzunehmen.“ Jochen Schröder

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