Mehr Sicherheit am Hauptbahnhof

Kein Alkohol am Hauptbahnhof

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Der Hauptbahnhof: Eine Gegend, in der es zur Zeit viele Probleme gibt. Um die Kriminalität zu senken sind mehrere Maßnahmen geplant. Auch Alkoholkonsum soll verboten werden.

Kreisverwaltungsreferat schlägt Stadtrat verschiedene Maßnahmen für mehr Sicherheit vor.

Kriminalität, Drogen, Prostitution: Der Münchner Hauptbahnhof entwickelt sich immer mehr zu einem Brennpunkt, befürchten Anwohner, Geschäftsleute und Politiker (Hallo berichtete).

Jetzt wird wohl ein nächtliches Alkoholverbot erlassen. Denn die Zahlen sind eindeutig: Um 132 Prozent sind die nächtlichen Straftaten unter Alkoholeinfluss im Hauptbahnhof-Bereich im ersten Halbjahr 2016 im Vergleich zum gleichen Zeitraum im Jahr 2015 gestiegen. Die Zahl der nächtlichen Körperverletzungen hat sich sogar um 165 Prozent von 63 auf 167 Fälle erhöht. Und in dieser Statistik sind die Anzeigen der Bundespolizei, die für das innere Bahnhofsgebäude zuständig ist, noch gar nicht eingerechnet.

Laut dem Münchner Polizeipräsidium ist der Hauptbahnhof ganztägig ein Treffpunkt für Alkoholabhängige. Besonders beliebt bei der Szene ist der Bereich rund um das Schwammerl, dem Vordach am Haupteingang. Teilweise hielten sich dort über 100 Personen auf, so die Polizei. Es käme unter anderem zu Verschmutzungen, Aggressionen und Belästigungen von Passanten.

Das Kreisverwaltungsreferat (KVR) schlägt deshalb dem Stadtrat vor, von 22 Uhr abends bis sechs Uhr morgens den Konsum von Alkohol strikt zu verbieten. Betroffen davon wären die Straßen rund um den Hauptbahnhof einschließlich der Paul-Heyse-Unterführung.

Der Stadtrat entscheidet am 15. November darüber, ein Alkoholverbot wird wohl eine Mehrheit bekommen. Sowohl CSU als auch SPD hatten bereits einen entsprechenden Antrag gestellt. Die Fraktion Grünen – Rosa Liste dagegen kündigte an, den schärferen Regeln nicht zuzustimmen. „Wer die Menschen aus den Problemzonen herausholen will, muss ihnen Hilfe und Unterstützung anbieten“, erklärt Lydia Dietrich (Grüne). „Verbote und Verweise sind dazu nicht geeignet.“ Die Fraktion wünscht sich stattdessen mehr Streetworker, um gegen Sucht und Prostitution vorzugehen.

Neben Alkohol werden am Hauptbahnhof auch Cannabis, Heroin und sogenannte Badesalze konsumiert, außerdem bieten illegale Prostituierte ihre Dienste an. Laut dem Referat für Gesundheit und Umwelt sind aber bereits mehrmals wöchentlich Streetworker im Einsatz. Eine Ausweitung würde keine Verbesserung bringen, lautet die Einschätzung der Behörde.

Negativ bewertet wird auch ein CSU-Vorschlag. Die Fraktion beantragte, das Betteln in der Gegend generell zu verbieten. Aggressives Betteln sei sowieso nicht erlaubt, gegen stilles Betteln gäbe es rechtlich keine Handhabe, so die Stadt.

Grundsätzlich zulässig wäre dagegen eine städtische Videoüberwachung. Zur Zeit hat die Polizei Kameras am Bahnhofsplatz bei den Kreuzungen zur Arnulfstraße und zur Bayerstraße installiert und die Bahn kontrolliert den Bahnhofsausgang Bayerstraße. Eine zusätzliche Überwachung durch die Stadt würde daher vor allem für Bereiche in Betracht kommen, die bisher noch nicht erfasst werden.

Überlegt wird zudem, ob die Sauberkeit und die Beleuchtung des Bahnhofes verbessert werden können. Die Bahn hat außerdem zugesagt, dass im Zuge des Neubaus des Hauptbahnhofes das Schwammerl-Vordach abgerissen werden soll. Dadurch erhoffen sich Polizei und KVR einen Rückgang der Kriminalität, da der Vorplatz dann einsehbarer und als Szenetreffpunkt unattraktiver wird. cla

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