Frauen-Spezial

"Peitsche? Brauch ich nicht"

So leitet Kathrin Wickenhäuser mit 33 Jahren zwei Hotels im Bahnhofsviertel.

Ihr Markenzeichen: ein Lächeln. Ihr Führungsstil:   höflich, aber bestimmt. Zuckerbrot und Peitsche, könnte man auch sagen. „Bis die Peitsche ausgepackt wird, muss man sich bei mir aber einiges erlauben“, sagt Kathrin Wickenhäuser. Das sagt viel aus über die 33-Jährige, die vor knapp fünf Jahren die Leitung zweier Hotels im Bahnhofsviertel übernommen hat. Menschlich will sie ihr Unternehmen leiten, Ansprechpartnerin sein für die Sorgen und Nöte ihrer 75 Mitarbeiter. 

Doch die Diplom-Soziologin hat auch eine andere Seite – und die bekommen vor allem Verhandlungspartner zu spüren. Banken, Versicherer, Lieferanten. „Als Frau muss man sich den Respekt verdienen“, sagt Wickenhäuser. Wenn sie in die Gesichter ihrer Gegenüber blickte, erkannte sie oft den selben Gedanken. „Kann die das, hat die das drauf?“

Doch für die junge Frau war das nur mehr Ansporn. 

Durch ihre Arbeit hat sich die Hotel-Chefin in den vergangenen Jahren verändert. „Man wird härter, konsequenter.“ Dass sie sich als Frau oft mehr behaupten muss als ihre männlichen Kollegen, stört die 33-Jährige nicht. Sich zu behaupten hat Wickenhäuser schon früh gelernt. „Ich bin seit 15 Jahren in der Branche, habe in den Sommerferien im Hotel meiner Eltern gejobbt, bin oft um vier in der Früh mit der ersten Trambahn hergefahren.“ Es sei ihr wichtig gewesen, ihr eigenes Ding zu machen, sich nicht nur ins gemachte Nest zu setzen. 

Seit 2008 steht Kathrin Wi- ckenhäuser jetzt zusammen mit ihrem Lebensgefährten Alexander Egger an der Spitze der Hotels Cristal und Dolomit sowie einer Bar und eines Parkhauses. Knapp zwei Jahre habe es gedauert, sich den Respekt der Mitarbeiter zu verschaffen. Wie sie das geschafft hat? „Am besten durch harte Arbeit – man muss zeigen, wie es richtig gemacht wird“, so die Hotel-Chefin. „Und man muss auf seinem Weg bleiben.“



"Man kann heute Rock tragen und trotzdem Karriere machen"

In den USA saß sie in verschiedenen Unternehmen auf dem Chef-Sessel, heute berät sie als Coach in München Frauen in allen Lebenslagen. Hallo München hat mit Dr. Verena Maas über den nicht ganz unkomplizierten Aufstieg von Frauen in die Chefetagen gesprochen.


Frauen auf dem Chefsessel: Warum klappt das in Deutschland immer noch so selten?

„Wir haben es in Deutschland immer noch mit starken alten Strukturen zu tun. Die weichen zwar langsam auf, das braucht aber seine Zeit. Das liegt vor allem am weit verbreiteten Bild des Mannes von der Frau im Beruf, die immer noch häufig nur als Sekretärin oder Assistentin gesehen wird.“


Müssen Frauen  mehr leisten, um beruflich aufzusteigen?

„Das ist leider immer noch so. Auf Frauen wird nach wie vor mehr geachtet, ob wir Fehler machen. Aber auch die Frauen selbst machen sich oft zu viel Druck, beispielsweise wenn sie ihre Vorteile wie Rationalität, soziale Kompetenz oder lösungsorientiertes Denken einbringen wollen.“

Haben Sie Tipps, wie es Frauen auf der Karriereleiter weiter nach oben schaffen?

„Das Wichtigste ist, sich selbst treu zu bleiben und seine Ziele zu verfolgen. Man kann heute durchaus einen Rock tragen und trotzdem Karriere machen. Wenn man sich als Frau nicht verbiegt, dann klappt es auch. Wenn die Männer das erkennen, dann akzeptieren sie Frauen in Führungspositionen auch.“ 


Und wie bleibt Frau ganz oben, wenn sie es erstmal geschafft hat?

„Das ist eigentlich ganz einfach: Sie muss einen guten Job machen, die richtige Einstellung haben, ihren Beruf lieben. Und das muss vom Arbeitsumfeld auch erkannt werden. Authentisch bleiben, dann funktioniert es auch.“


Ein Blick in die Zukunft: Wird es künftig mehr Frauen auf dem Chefsessel geben?

„Definitiv. Auf den Schulen und Universitäten sind Frauen auf dem Vormarsch. Ihre Zahl nimmt zu, und sie haben oft die besseren Noten. Eine Quoten-Regelung brauchen wir nicht.“  

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