Eine Hilfe für Häftlinge

25 Jahren Betreuung von Gefängnisinsassen durch evangelische Straffälligenhilfe

Betrüger, Diebe, Räuber oder Sexualstraftäter: Gerhard Gruber hat schon viele Verbrecher kennengelernt. In seiner Freizeit trifft er sich regelmäßig im Gefängnis mit ihnen: Er ist ihr Vertrauter, ihr Kontakt zur Außenwelt, ihr Helfer für den Start in ein neues Leben.

Gruber engagiert sich bei der Evangelischen Straffälligenhilfe, die heuer 25-jähriges Bestehen feiert. In der Ludwigsvorstadt betreibt sie zum einen das Bodelschwingh-Haus für aus der Haft entlassene Männer. Rund 40 ehemalige Straftäter können nach der Haft in der Einrichtung unterkommen, Sozialpädagogen unterstützen sie bei den ersten Schritten in Freiheit. Zum anderen bietet die Straffälligenhilfe schon während der Haftzeit eine Betreuung an. Ehrenamtliche besuchen die Häftlinge in den elf bayerischen Justiz-

anstalten oder schreiben mit ihnen Briefe.

Gerhard Gruber engagiert sich seit 2003 und hatte schon über 20 Betreuungen. „Man hofft natürlich immer, dass man die Leute beeinflussen kann“, erklärt er. Früher war er Schöffen-Richter, dabei hat er mitbekommen, wie wichtig es ist, dass die Häftlinge nicht alleine gelassen werden. Nach dem Gefängnis gibt es eine Rückfallquote von 65 Prozent“, sagt er. Die möchte Gruber senken, indem er die Straftäter auf die Zeit nach der Haft vorbereitet. Er bespricht mit ihnen zum Beispiel Organisatorisches, Jobchancen und Wohnmöglichkeiten, bei manchen Treffen geht es auch um persönliche Angelegenheiten oder den ersten Freigang.

Für Häftlinge, die bei dem Projekt mitmachen, steigen die Chancen auf Hafterleichterung.

Danach sehnen sich alle. Ansonsten sind ihre Bedürfnisse verschieden. „Manche können gar nicht schreiben, andere sind super schlau“, erzählt Gruber. Bei manchen müsse man als Helfer dann vorsichtig sein, vor allem, wenn sie wegen Betrugs einsitzen. „Manche versuchen, uns zu instrumentalisieren“, sagt er.

Denn auch wenn man einen Häftling monate- oder sogar jahrelang betreut und sich gut mit ihm versteht: Eine Sicherheit, dass er auf dem richtigen Weg ist, gibt es nicht. „Man darf es nicht persönlich nehmen, wenn es einer nicht schafft“, so Gruber. Auch er hat einmal einen jungen Mann betreut, es war ein typischer Fall: schwere Kindheit, schon früh Ärger mit der Polizei, irgendwann eine Haftstrafe wegen Körperverletzung. Nach seiner Entlassung war er voller guter Vorsätze – und überfiel dann doch wieder eine Diskothek. Gruber kümmerte sich noch einmal um ihn, inzwischen ist der Kontakt aber abgebrochen: „Das passiert meistens, viele wollen einfach abschließen mit der Haft“, so Gruber. Einige wenige aber melden sich weiter bei ihm. Ein Kubaner zum Beispiel, der inzwischen in seiner Heimat als Fremdenführer arbeitet, hat ihn sogar auf einen Besuch eingeladen. Manchmal wird Gruber gefragt, warum er sich um Straftäter und nicht um die Opfer kümmert. Seine Antwort darauf ist einfach: „Wenn sich um die Häftlinge niemand kümmert, gibt es immer mehr Opfer.“
cla

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