Verzweifelte Anrufe der Hoffnung

Telefonseelsorge sucht Helfer: ein Interview mit einer Ehrenamtlichen

Wenn alles hoffnungslos scheint, hören sie zu: 24 Stunden, 365 Tage im Jahr sind die Helfer der katholischen Telefonseelsorge für andere da. Mit einem Infoabend in der Ludwigsvorstadt sollen neue Ehrenamtliche gewonnen werden. Im Interview berichtet Helferin Andrea Spuckti (50) über ihre Arbeit.

Frau Spuckti, was brauchen potentielle Helfer?

Man braucht ein großes Herz und viel Menschenliebe. Das ist alles, die Gesprächstechniken lernt man dann in der Ausbildung. Eine Grundvoraussetzung ist natürlich auch, dass man psychisch stabil ist.

Ist das Ehrenamt belastend?

Es ist wichtig, dafür zu sorgen, dass man eine gewisse Distanz hält. Wir haben Supervisionen und tauschen uns mit den Kollegen aus. Natürlich gibt es Gespräche, die noch nachhängen. Ich bringe dann meinen Körper in Bewegung. Manchmal gelingt es mir gleich nach dem Auflegen damit abzuschließen, manchmal muss ich öfter marschieren.

Mit welchen Problemen haben Sie denn zu tun?

Es gibt keine typischen Fälle. Bei uns kommt alles vor, was es auf der Welt zwischen Himmel und Erde gibt. Themen sind zum Beispiel Familie, Partnerschaft, Einsamkeit, berufliche Probleme wie Arbeitslosigkeit, finanzielle Sorgen, Alkohol- und Drogenprobleme, Gewalt, Depressionen oder auch Suizid-Gedanken.

Wie reagieren Sie darauf?

Wenn jemand mit Suizid-Gedanken bei uns anruft, zeigt das, dass es noch ein Nachdenken gibt. Jeder Anruf ist ein Anruf der Hoffnung. Wir versuchen, herauszufinden, woher die Gedanken kommen, fragen ab, wie weit die Planungen schon sind und geben Informationen zu weiteren Hilfsangeboten. Manche Anrufende nennen Name und Adresse. Das ist ein Geschenk, dann können wir jemanden vom Krisendienst vorbeischicken oder nachts die Polizei alarmieren. Wenn wir die Namen aber nicht wissen, sind wir machtlos.

Wie laufen die Gespräche ab?

Der Anrufer kann das Gespräch gestalten, wie er will, und entscheiden, ob er seinen Namen sagt oder lieber anonym bleiben möchte. Manche wollen einfach nur, dass ihnen jemand zuhört. Ansonsten versuchen wir, eine Struktur in das Gespräch zu bringen.

Wer kann sich an die Telefonseelsorge wenden?

Jeder kann anrufen, der das Bedürfnis hat zu reden. Für den einen ist eine Situation schrecklich, für den anderen noch lange nicht. Da gibt es kein festes Maß. Wir freuen uns auch, wenn jemand anruft und sagt, dass er einen spitzen Tag hat.

Gerade werden wieder Helfer gesucht. Warum?

Immer mehr Menschen nutzen die Telefonseelsorge, auch weil es ein sehr niederschwelliges Angebot ist. Unsere Gesellschaft wird immer komplexer, deshalb haben manche Menschen das Gefühl zu scheitern oder fühlen sich alleine.

Was gibt Ihnen das Ehrenamt?

Ich bekomme dadurch einen reicheren Blick auf die Welt. Nach einer Schicht bin ich immer dankbar für das, was ich habe.

Interview: Claudia Schuri

Für Interessenten gibt es am Dienstag, 7. März, um 18.30 Uhr einen Infoabend in der Landwehrstraße 66. Die Telefonseelsorge ist unter 08 00 / 1 11 02 22 erreichbar.

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