Die Verantwortlichen drohen jetzt mit Strafverfolgung

„Horror-Baustelle“: Maulkorb für die Stiftsbogen-Anwohner

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An verschiedenen Orten auf der Baustelle am Stiftsbogen wurden Verbots-Schilder angebracht – offenbar um die Anwohner daran zu hindern, die Misstände weiterhin öffentlich zu machen.

Hadern - Sie leben auf einer „Horror-Baustelle“: Dass die Stiftsbogen-Anwohner öffentlich auf die Misstände aufmerksam gemacht hatten scheint den Verantwortlichen zu missfallen

Mehrfach hatten die Anwohner rund um den Stiftsbogen 154 bis 166 die Missstände auf der dortigen Baustelle öffentlich gemacht: Überstehende Paletten auf dem Dach, unvorhergesehene Stromausfälle, ein Container der in die Balkonbrüstung einer Anwohnerin krachte und zuletzt ein unterhöhlter Steg, der wegzubrechen droht. Es waren keine bloßen Behauptungen – die Anwohner hatten die Mängel akribisch fotografisch dokumentiert (Hallo berichtete). Offenbar ist dies auf Missfallen bei den Verantwortlichen gestoßen: Jetzt wurden mehrere Schilder an der Baustelle angebracht mit folgender Mahnung: „Fotografieren und Videoaufnahmen der Baustelle verboten! Jede Zuwiderhandlung wird umgehend zur Anzeige gebracht!“

Für Birgit König (links), Anwohnerin und Vorsitzende der kürzlich gegründeten „Mietergemeinschaft Stiftsbogen 154 - 166“ steht fest: „Wir sollen eingeschüchtert werden.“

Birgit König, Anwohnerin und Vorsitzende der kürzlich gegründeten „Mietergemeinschaft Stiftsbogen 154 - 166“ , weiß ebenso wie ihre Nachbarn nicht, wer die Schilder angebracht hat. Aber eines sei klar: „Wir sollen eingeschüchtert werden“, sagt König. „Das ist schade, denn wir würden uns gerne auf normalem Wege über eine Mietminderung einigen – ohne, dass man uns mit Strafverfolgung droht.“

Die zuständige Hausverwaltung „Gegenfurtner“ wiederholte auf Hallo-Nachfrage, dass man sich nicht zur Baustelle äußern werde. Die zuständige Baufirma „Riebel GU Sankt Gallen Niederlassung Deutschland“ reagierte bisher auf keine Anfrage.

Constanze Spitzweck, Sprecherin der Polizei München, erklärt, was erlaubt ist und was nicht: „Grundsätzlich gilt die Panoramafreiheit. So lange kein fremdes Eigentum betreten wird, kann man fotografieren was man möchte.“ Das bedeutet, dass die Anwohner von frei zugänglichen Flächen aus durchaus Bilder schießen dürfen. „Ebenso verhält es sich mit ihren eignen Wohnungen oder Balkonen. Von dort aus kann einem niemand verbieten Fotos zu machen.“ Wird die Baustelle dabei betreten, könnte eine Anzeige auf Hausfriedensbruch gestellt werden, welche von der Polizei aufgenommen wird. „Alles weitere wäre dann Zivilrecht und hat mit der Polizei nichts mehr zu tun“, erklärt Spitzweck.

Die Anwohner lassen sich indes von dieser Drohung nicht beeindrucken und werden weiter für ihre Rechte kämpfen, lässt König verlauten. dbo

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