Von wegen „Sesam, öffne dich!“

Hilfe für die Bewohner - zu teuer für die GWG!

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Die meisten Bewohner der Alpspitzstraße 9 sind körperlich eingeschränkt. Die schwere Eingangstüre können viele nur mit fremder Hilfe öffnen.

Sendling-Westpark - Die Bewohner der Alpspitzstraße 9 fordern eine elektrische Türe – die ist laut GWG zu teuer

Als Gabriele Pichler (Foto re.) bei der Bürgerversammlung vorspricht, spricht sie nicht für sich selbst – sondern für die 56 Parteien, die in der Alpspitzstraße 9 wohnen, die selbst nicht bei der Versammlung erscheinen können. Denn mehr als die Hälfte der Bewohner ist körperlich eingeschränkt, sie tun sich schwer, die Eingangstüre zur ihrem Haus selbstständig zu öffnen. Bereits 2016 sind die Bewohner an die GWG herangetreten und habe eine elektrische Türe beantragt – ohne Erfolg.

„Meine Mutter lebte fast ein Vierteljahrundert hier. Ich kenne die Leute aus dem Flur und ihre Probleme“, erzählt die 65-Jährige. Beim Ortstermin mit Hallo bestätigt sich die Situation, kaum ein Bewohner, kann die schwere Türe ohne Hilfe öffnen.

Albert Rannetsberger (Foto li.) wohnt seit knapp acht Jahren im zweiten Stock in der Alpspitzstraße. Der 69-Jährige sitzt im Rollstuhl, hat vor Kurzem einen neuen Lungenflügel bekommen. „Vor zwei Jahren habe ich mehr als 40 Unterschriften gesammelt und bin damit an die GWG herangetreten. Zu diesem Zeitpunkt benutzen 39 Menschen in diesem Haus einen Rollator, aktuell sind wir außerdem drei Rollstuhlfahrer“, erzählt Rannetsberger. „Die Leute plagen sich. Zwar hilft ein jeder jedem, aber oft ist einfach gerade niemand zur Stelle, wenn man jemanden braucht“, beklagt er sich.

Es gab regelmäßige Kontakte mit der GWG, „die Umsetzung schien greifbar“, erzählt Pichler. „Doch dann hieß es, dass dazu neue Türen notwendig sind und dafür kein Geld da ist.“ Rannetsberger hätte längst aufgegeben – doch dann stellte Pichler einen Antrag auf der Bürgerversammlung und erhielt Rückenwind von den Viertelbewohnern.

Von einer Unterschriftenliste will man bei der GWG nichts wissen: Michael Schmitt, Sprecher der Wohnungsgesellschaft, erklärt dass ihnen hierzu keine schriftlichen Informationen vorliegen würden, lediglich einen Kontakt mit den Bewohnern bestätigt er. Außerdem erklärt Schmitt, dass die Bewohner keinen Anspruch auf eine elektrisch zu öffnende Tür hätten, da sich in dem Gebäude keine ausgewiesenen behindertengerechten Wohnungen befinden. Der Einbau eines elektrischen Türelements würde 14 000 Euro kosten. „Aus Gründen der Wirtschaftlichkeit ist eine entsprechende Nachrüstung allerdings nicht vertretbar“, sagt Schmitt.

Ein weiteres Problem, dass auf die Bewohner des Hauses bald zukommt: Im Januar muss der Lift ausgetauscht werden. „Ein Monat ohne Aufzug – na das kann was werden“, schwant Rannetsberger. dbo

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