S-Bahn sucht Lokführer – und Hallo verlost Fahrt im Führerstand

Wer will vorne mitfahren?

Alles im Griff hat Kristoff Schunk im Fahrerhaus der Münchner S-Bahn.

Hier ist Kristoff Schunk am Zug: Der 27-Jährige ist S-Bahn-Lokführer – ein Job, für den die Deutsche Bahn gerade dringend Leute sucht. Denn jetzt, wo die zweite Stammstrecke beschlossene Sache ist, muss aufgestockt werden. Welche Ausbildung für den Beruf nötig ist, wie Hallo-Leser ohne Schulung vorne mitfahren können, lesen Sie hier.

Jetzt ist Feinarbeit gefragt. Mit der linken Hand zieht Kristoff Schunk (27) den schwarzen Hebel ein kleines Stück zurück. Der Bahnhof ist gleich da. Die einfahrende S-Bahn hat drei Wagen, ein Gewicht von 450 Tonnen und ist 210 Meter lang. Hier kommt es auf jeden Meter an. „Dass man den Bahnsteig trifft, ist am wichtigsten“, erklärt Schunk. Er ist Lokführer und muss den Zug genau an der richtigen Stelle zum Stehen bringen. Denn fährt die S-Bahn zu weit, fällt im schlimmsten Fall der Halt ganz aus. Einfach den Rückwärtsgang einlegen geht nicht. Schunk zieht den Hebel noch ein bisschen nach hinten, der Zug bremst weiter ab und bleibt schließlich stehen. Punktlandung. Fahrgäste steigen ein und aus, der 27-Jährige wirft vom Fenster aus einen Kontrollblick auf den Bahnsteig, dann schiebt er den Knopf wieder nach vorne, die S-Bahn nimmt Fahrt auf.

Seit September dieses Jahres hat Schunk den Job bei der Münchner S-Bahn, er ist ein Quereinsteiger. Vorher hat er als Mechatroniker gearbeitet, dann machte er eine sogenannte Funktionsausbildung zum Triebfahrzeugführer. In neun bis zwölf Monaten lernen die künftigen Lokführer dabei, wie man eine S-Bahn fährt. Voraussetzung ist eine abgeschlossene Berufsausbildung und ein bestandener psychologischer Eignungstest, bei dem zum Beispiel die Stressresistenz und die Konzentrationsfähigkeit geprüft werden. Jugendliche mit erfolgreichem Schulabschluss können bei der Bahn eine Ausbildung zum „Eisenbahner im Betriebsdienst“ machen. Nachwuchs wird immer gesucht, nachdem jetzt die zweite

Stammstrecke kommt, umso mehr. „Ein dringend nötiges Projekt“, sagt Teamleiter Jörg Marcinkowski. Nur so könne der S-Bahnverkehr weiter ausgebaut werden. Dafür braucht es Lokführer. „Es ist ein schöner Beruf“, findet Marcinkowski. „Auch für Ältere ist er gut geeignet.“ Er selbst ist seit mehr als 30 Jahren dabei und überzeugt: „Einmal Lokführer, immer Lokführer.“

Auch Schunk ist sicher, dass der Berufswechsel die richtige Entscheidung war. Für den Job ist er von seiner Heimat Flensburg nach München gezogen. Züge haben ihn schon als kleinen Bub fasziniert. Besonders gefällt ihm an seiner Arbeit, dass er immer unterwegs ist. Genau das hat ihm als Mechatroniker gefehlt. „Ich bin einfach nicht der Typ, der den ganzen Tag an einem Fleck steht“, sagt er. Jetzt fährt er in jeder Schicht zwischen 200 und 300 Kilometer. Eine Stammlinie hat er nicht, in München wechseln die 600 Lokführer bei den Strecken durch. Besonderes gerne fährt Kristoff Schunk bei gutem Wetter mit der S3 nach Holzkirchen, der S6 nach Tutzing und der S2 nach Altomünster. Dann sitzt er in seinem Lokführerstand und genießt den Blick auf die Berge, den Starnberger See oder die unbebaute Landschaft. Tagtägliche Eisenbahnromantik.

Doch der Lokführer-Beruf hat auch Schattenseiten. Die Verantwortung ist groß, man arbeitet im Schichtdienst auch dann, wenn andere frei haben, und bekommt bei Störungen den Unmut der Fahrgäste ab. Besonders auf der Stammstrecke ist es kritisch. Im Berufsverkehr fährt alle zwei Minuten eine S-Bahn, kleine Verspätungen können eine riesige Kettenreaktion auslösen. „Schon zehn Minuten sind der Worst-Case“, so Marcinkowski. Im Fahrerraum hat Schunk Anzeigen, die zum Beispiel zeigen, ob er im Zeitplan ist, wie weit der Fahrweg noch ist oder wie schnell er gerade fährt. Auf der Stammstrecke maximal 80 Stundenkilometer, draußen können es bis zu 140 Stundenkilometer sein. Mit dem schwarzen Hebel reguliert er die Geschwindigkeit, für den Notfall gibt es eine automatische Zwangsbremsung. Am Boden ist ein Pedal, im Lokführerjargon Totmannknopf genannt. Alle 30 Sekunden nimmt Kristoff Schunk seinen Fuß davon. So signalisiert er dem System, dass er anwesend und bereit ist, gleich wieder exakt in den nächsten Bahnhof einzufahren. „Der Fernverkehr reizt mich nicht so“, sagt er. „De S-Bahn bietet mit den vielen Stopps mehr Abwechslung.C. Schuri

Hallo München-Interview

"Die täglichen Herausforderungen des Berufs sind anspruchsvoll"

Die Münchner S-Bahn sucht neue Lokführer und hat deshalb eine großangelegte Imagekampagne gestartet. Personalchefin Silvia Vogt (kl. Foto) erklärt im Interview, was sie sich davon erhofft und wie die Personalsituation aussieht. 

Warum startet die Bahn eine Imagekampagne?

Wir möchten Facharbeiter und Schulabgänger für den Beruf des S-Bahn-Lokführers begeistern und die S-Bahn München als großen regionalen Arbeitgeber herausstellen. Mit der Kampagne wollen wir deutlich machen, wie wichtig diese Berufsgruppe ist, und das Image des Lokführers stärken.

Wie viele Lokführer bilden Sie denn aus?

Im kommenden Jahr bilden wir 90 Quereinsteiger in einer neun- bis zwölfmonatigen Funktionsausbildung aus und stellen 24 Schulabgänger ein, die in eine dreijährige Ausbildung zum Eisenbahner im Betriebsdienst/Fachrichtung Lokführer und Transport starten.

Ist es schwierig, geeignetes Personal zu finden?

Der Arbeitsmarkt im Großraum München ist kein einfacher. Es herrscht nahezu Vollbeschäftigung und den Menschen bieten sich sehr viele berufliche Möglichkeiten. Hier konkurrieren wir klar mit anderen Firmen um die besten Leute. Lokführer zu gewinnen möchte ich nicht per se als schwierig bezeichnen. Der Beruf ist nach wie vor der beliebteste Ausbildungsberuf bei der DB. Aber die täglichen Herausforderungen, die diese Tätigkeit an den Mitarbeiter stellt, sind anspruchsvoll. Hinzu kommt, dass nicht jeder dem Schichtdienst gewachsen ist.

In den nächsten Jahren benötigt die DB mehr Lokführer. Wieso?

Das ergibt sich unter anderem durch Taktverdichtungen bei der S-Bahn München, zum Beispiel wird am Freitagnachmittag der Zehn-Minuten-Takt ausgebaut. Weitere Gründe sind der tarifvertraglich beschlossene Abbau von Überstunden und altersbedingte Abgänge. Außerdem wechseln die Menschen heute viel schneller ihren Job und den Arbeitgeber oder schlagen einen zweiten Bildungsweg ein.

Verlosung

Hallo München verlost zwei Mitfahrten am Führerstand der Münchner S-Bahn für jeweils zwei Personen. Die Termine können individuell vereinbart werden. Um zu gewinnen, schreiben Sie einfach eine E-Mail an aktion@hallo-muenchen.de oder eine Karte an die Hallo München-Redaktion, Dessauerstraße 10, 80992 München. Das Stichwort lautet Lokführer.

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