Erasmus-Grasser-Gymnasium wird ein "Staat"

Gymnasiasten leiten das neue Land Grassington

Sie schwenken die Flagge von Grassington (v. li.): Oskar Konrad (14), Leon Haziray (15), Jonas Gruber (15, alle neunte Klasse) und Michael Heerlein (19, Q11) aus dem Organisatorenteam.
+
Sie schwenken die Flagge von Grassington (v. li.): Oskar Konrad (14), Leon Haziray (15), Jonas Gruber (15, alle neunte Klasse) und Michael Heerlein (19, Q11) aus dem Organisatorenteam.

Sendling: Für ein paar Tage organisiert das Erasmus-Grasser-Gymnasium ein Projekt, bei dem die Schule selbst zum Stadt-Staat wird - mit allem was dazu gehört 

Jetzt wird im Erasmus-Grasser-Gymnasium geheiratet, im Casino gezockt und bei Parlamentssitzungen diskutiert: Für ein paar Tage verwandelt sich die Schule in das Land Grassington. Und dort gibt es alles, was zu einem echten Staat dazu gehört: verschiedene Betriebe, ein Standesamt, ein Einreiseamt, eine Polizei und natürlich auch eine Regierung. „Wir haben Parteien gegründet und es fanden auch schon Wahlen statt“, erklärt Schülersprecher Michael Heerlein (19) aus der Q11, der das Projekt gemeinsam mit einigen weiteren Schülern organisiert. Bei der ersten Parlamentssitzung werden die Abgeordneten dann zum Beispiel über das Kulturprogramm oder auch über den Mindestlohn bestimmen. Auch ein Strafgesetzbuch wird festgelegt.

Die Polizei sorgt dafür, dass alle Regeln eingehalten werden. „Wir passen zum Beispiel darauf auf, dass es keine Diebstähle oder Gewalttaten gibt“, erklärt Jonas Gruber (15) aus der neunten Klasse, der als Bereichsleiter für die Polizei zuständig ist. Jeder der 1000 Schüler hat in Grassington eine Aufgabe. Alle müssen pro Tag fünf Stunden arbeiten und bekommen dafür als Lohn sogenannte „Zahlhaags“ ausgezahlt. Die können sie wieder investieren – zum Beispiel für eine Hochzeit mit dem Liebsten beziehungsweise im schlechten Fall für eine Scheidung, für eine Theateraufführung, einen Museumsbesuch oder zum Shoppen. Über 50 verschiedene Unternehmen wird es in Grassington geben. „Ich hoffe, dass wir viele verschiedene Essensbetriebe zusammenbringen“, sagt Michael Heerlein. „Ich freue mich schon auf total gestresste Betriebsleiter.“

Das Ziel? Praktische Dinge zu lernen, die in der Schule einfach nicht gelernt werden können

Denn die sind dafür verantwortlich, dass das Geschäft gut läuft und das Unternehmen nicht insolvent geht. „Da lernt man genau die Sachen, zu denen man in der Schule nicht kommt“, sagt der Neuntklässler Leon Haziray (15). Wie kalkuliert man die Preise für die Produkte? Wie viele Waren braucht man? Wie viel Lohn bekommen die Angestellten? Und was macht man mit den Müll? Es gibt zwar eine Müllabfuhr, Ziel ist aber trotzdem, möglichst wenig Abfall zu verursachen.

All das zu beachten ist nicht einfach. Bereits letztes Jahr fand am Erasmus-Grasser-Gymnasium das Projekt „Schule als Staat“ statt. „Damals war am ersten Tag ein absolutes Chaos“, erinnert sich Heerlein. „An der Grenze gab es sehr lange Einlasskontrollen und viele Betriebe sind nicht richtig angelaufen“, erzählt er. „Manche waren sofort ausverkauft, manche gleich pleite.“

Ab dem zweiten Tag war es besser. „Dann war alles flüssig“, sagt Heerlein. Die Organisatoren hoffen, dass dieses Jahr gleich alles läuft. „Wir sind schon gespannt, wie es die Schüler hinbekommen, einen kompletten Staat zu leiten“, sagt Leon Haziray. „Eigentlich ist alles geregelt und jeder weiß, was er zu tun hat.“

cla

Wer sich in Grassington umsehen möchte, kann als Tourist in den Staat, Fürstenrieder Straße 53, kommen (Montag, 24. Juli, 10.30 bis 14 Uhr, Dienstag, 25. Juli, 10 bis 16 Uhr, Mittwoch, 26. Juli, 12.30 bis 18 Uhr).

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Helferkreis sucht Freiwillige für die Geflüchtetenunterkunft in der Elsenheimerstraße
Helferkreis sucht Freiwillige für die Geflüchtetenunterkunft in der Elsenheimerstraße

Kommentare