Das Fenster zum „Hof“

Großhaderner regen sich auf: 20 Baucontainer stehen vor ihren Wohnungen

Die Aussicht aus dem Wohnzimmerfenster von Patricia Oliveira Marinho sah mit einer Reihe Container schon bescheiden aus. Mittlerweile stehen diese sogar zweistöckig.
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Die Aussicht aus dem Wohnzimmerfenster von Patricia Oliveira Marinho sah mit einer Reihe Container schon bescheiden aus. Mittlerweile stehen diese sogar zweistöckig.

Hadern: Eine Nachbarschaft sieht blau: Von einem auf den anderen Tag stehen zehn Container zwischen den Häuserreihen der Rudi-Seibold-Straße in Großhadern.

Auf der Grünfläche, auf der sonst Kinder spielen und die Anwohner ihre Wäsche aufhängen, stehen nun Büro- und Besprechungsräume sowie Toiletten – und das voraussichtlich noch bis Herbst 2018. „Es ist dunkel in den unteren Wohnungen, und wir haben keine Privatsphäre mehr“, schimpft Anwohnerin Ina Fomm. Ihre Nachbarin Gül Topuz fügt hinzu: „Unsere Kinder haben keinen Platz mehr zum Spielen.“

Dies ist nicht das erste Mal, dass diese Baumaßnahmen der städtischen Wohngesellschaft GWG den Unmut der Bürger wecken: Die weitläufigen Grünflächen mussten im Dezember 2016 den acht neuen Gebäuden mit 93 Wohnungen geopfert werden (Hallo berichtete). Seit Ende 2016 die Baugrube ausgehoben wurde, tat sich wenig auf der Baustelle. Das ändert sich, da noch diesen Monat sieben Kräne aufgestellt werden sollen, damit ab Oktober gebaut werden kann. Besonders erbost sind die Anwohner, da sie sich nicht informiert fühlen. GWG-Pressesprecher Michael Schmitt sagt hingegen: „Die Mieter wurden über die Baumaßnahme ausführlich informiert“. Dabei verweist er auf ein Schreiben vom Juli 2016. Darin wird erklärt, dass die GWG eine kurze Bauzeit mit möglichst wenigen Baustelleneinrichtungsflächen anstrebt. Gemäß dem Zeitplan des GWG-Schreibens befindet sich die Baustelle derzeit knapp drei Monate im Rückstand.

Für die aufgestellten Container ist die GWG laut Schmitt nicht verantwortlich, da diese zur „Baustelleneinrichtung des Generalübernehmers“ gehören. Von wem die Container sind, ist für Patricia Oliveira Marinho unwichtig. Keine drei Meter von ihren Fenstern entfernt stehen sie – und nun auch noch in zwei Etagen. „Ich habe den ganzen Tag die Vorhänge zu“, erklärt Oliveira Marinho.

Die besorgten Anwohner beklagen nicht nur den fehlenden Platz zum Spielen für ihre Kinder. Um die Container aufzustellen, wurde der Rasen abgetragen und aufgetürmt. „Der Erdhaufen muss weg, da er sehr gefährlich ist“, sagt Rukiye Karabas.

Um die bisherigen Belästigungen auszugleichen, gewährte die GWG eine Mietminderung von rund zehn Prozent. Jedoch erst, nachdem Anwohner dies rechtlich einforderten. Weitere Entschädigungen, so Schmitt, seien nicht geplant.
S.Kläsener

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