–7 Grad! Und sie bleiben draußen!

Wie Obdachlose bei Schnee und Eis in der Stadt überleben

MÜNCHEN Er ist da – begleitet von klirrender Kälte hat der Winter Einzug gehalten. Was derzeit für die meisten Bürger undenkbar ist, ist für rund 350 Menschen in München Alltag: Sie verbringen einen Großteil des Tages und oftmals sogar auch die Nacht draußen. Grund: Sie sind obdachlos. Zu denen, die kein Dach über dem Kopf haben, gehören auch Sven und Kuno. Die beiden 46-Jährigen sind seit rund drei Jahren auf der Straße unterwegs – eine Wohnung oder gar eine Unterbringung in einem Wohnheim kommt für sie nicht in Frage. „Auf der Straße haben wir eine gewisse Freiheit“, sagt Sven. Ihre früheren Leben als Messerbauer und Bankkaufmann haben die beiden Männer längst hinter sich gelassen. „Wir sind nicht sozialisierbar, oder besser gesagt, nicht domestizierbar.“ Dies trifft auch auf Schorsch zu: Der 67-Jährige lebt seit über 20 Jahren auf der Straße. „Momentan ist es hart“, sagt er. Minusgrade und der eisige Wind machen dem Obdachlosen zu schaffen. Der Tag sei kein Problem – schließlich gibt es Schnellimbiss-Restaurants, Bibliotheken sowie soziale Einrichtungen wie die Bahnhofsmission, wo es kostenlose Mahlzeiten gibt. Schwierig seien die kalten Nächte – doch der „Hauptbahnhof-Schorsch“ (hier in den Hallen verbringt er die meiste Zeit) hat noch immer ein Platzerl gefunden... Für ein ungebundenes Leben nehmen auch Sven und Kuno die Winterkälte auf sich. „Wer nur im Sommer auf der Straße lebt, ist ein Weichei“, meint Kuno. Um zu überleben, haben sie einfache Strategien: „Man muss sich ein windstilles Fleckerl suchen und braucht eine vernünftige Isomatte, Schlafsack und Decken“, sagt Sven. Wenn man seine Sachen tagsüber in einem Versteck deponiert, könne man allerdings nur hoffen, dass abends noch alles da sei: „Unter Obdachlosen gibt es kaum Solidarität.“ Dennoch sehen Sven und Kuno derzeit keine Alternative zur Straße – ist es besonders kalt, schlafen sie in Bahnhofshallen oder in Kirchen. Besser als im Männerwohnheim – „da weiß man nicht, mit wem man das Zimmer teilen muss“, sagt Sven. Außerdem müsse man früh nach Hause kommen, Alkohol sei verboten „und es gibt eine Hausordnung“, merkt Kuno an. Da bleiben die beiden Männer lieber auch bei Kälte draußen – „in der größten Wohnung der Welt: in Münchens Innenstadt“, scherzen sie. bit/igr Hier gibt es Hilfe für Obdachlose Wer kein Obdach hat, kann sich an das „Amt für Wohnen und Migration“ (Franziskanerstraße 6-8) wenden. Hilfe für wohnungslose Männer gibt es im „Städtischen Unterkunftsheim“ (Pilgersheimerstr. 9-11), Hilfe für wohnungslose Frauen bietet „Karla 51“ (Karlstraße 51). Die „Teestube“ (Zenettistraße 32) stellt für Bedürftige Essen, Getränke und Duschen zur Verfügung. Bei St. Bonifaz (Karlstraße 34) gibt es eine Essens- und Kleiderausgabe sowie Duschmöglichkeiten. igr

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