"Before"

Gewalt gegen Migranten steigt

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Angriff mit der Faust: Immer öfter werden Menschen mit Migrationshintergrund Opfer von Diskriminierung und Gewalt.

Seit einem halben Jahr berät „Before“ Opfer von Rassismus. Die Fälle werden immer mehr.

Wenn sie mit der U-Bahn fährt, dann spürt die 17-jährige Asma (alle Namen geändert) wieder die Angst und die Hilflosigkeit. Asma stammt ursprünglich aus Tschetschenien, sie ist Muslima und trägt ein Kopftuch. Genau das wurde ihr zum Verhängnis – mitten im weltoffenen München. Ein anderer U-Bahn-Fahrgast pöbelte das Mädchen und seine Mutter an. Niemand griff ein. Dann schlug der Täter Asma zweimal auf die rechte Wange – und plötzlich war alles anders für die 17-Jährige: Sie hatte Sehprobleme, konnte nicht mehr schlafen und traute sich nicht mehr mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren. Ihre Ausbildung musste Asma abbrechen. Um wieder ins Leben zurück zu kommen brauchte sie Unterstützung. Genau für solche Fälle gibt es in München seit einem halben Jahr „Before“, eine Beratungsstelle für Betroffene von rechter und rassistischer Gewalt und Diskriminierung in München.

Über 50 Betroffenen hat die Organisation bisher schon geholfen. „Dahinter verbergen sich immer langwierige und komplexe Themen“, erklärt der Vorsitzende und ehemalige Oberbürgermeister Christian Ude. Bevor sich jemand bei „Before“ meldet hat er oft eine lange Leidensgeschichte hinter sich. Denn Diskriminierung und rechte Gewalt kann sich auf alle Lebensbereiche auswirken. Das zeigt das Beispiel einer irakischen Familie: Ein Bekannter der Nachbarin hatte zuerst den Vater Hamit M. vor den Augen seiner vierjährigen Tochter angegriffen. Einen Monat später drang der Mann gemeinsam mit einem Komplizen in die Wohnung der Familie ein. Er zerstörte die Einrichtung und schubste die Mutter durch das Zimmer. Die Folgen: Verletzungen, Traumata und finanzielle Probleme: Aus Angst, weiter in der Wohnung zu leben zog die Famile in wechselnde Hotel- und WG-Zimmer, beide Eltern verloren ihre Arbeit.

Solche Vorfälle sind keine Einzelfälle, befürchtet Christian Ude. „Übergriffe und Diskriminierung nehmen erschreckend schnell zu.“ Auch wenn es in München immer noch besser sei als in vielen anderen deutschen Städten müsse man jetzt handeln: „Wenn man lange nichts tut und die Situation beschleunigt, ist es zu spät“, sagt er. „Aus einer liberalen und toleranten Großstadt kann schnell ein Ort der Angst werden“, so Ude. Asma und Familie M. fühlen sich dank der Hilfe von „Before“ ganz langsam wieder ein bisschen sicherer in der Stadt. Familie M. lebt jetzt in einem Clearinghaus, alle haben neue Jobs gefunden. „Before“ hat auch psychologische Beratung organisiert. C. Schuri

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