A-Z-Interview mit Stephanie Jacobs

Sie sorgt dafür, dass Münchens Luft sauber bleibt

Ludwigsvorstadt - Stephanie Jacobs steuert München in die Zukunft. Die Gesundheits- und Umweltreferentin hat gerade viel zu tun - was verrät sie im A-Z-Interview.

Das Jahr startet für Stephanie Jacobs mit einem privaten Meilenstein. Am 9. Januar wird Münchens Referentin für Gesundheit und Umwelt 40 Jahre alt. „Aber ich mache es wie die Queen, ich feiere im Sommer“, erklärt sie lachend. Aktuell hat die Großhadernerin nämlich alle Hände voll zu tun – mit ihrer Elektromobilitäts-Offensive. 11,6 Millionen Euro hat die Stadtministerin durch frei werdende Fördermittel zur Verfügung: „Damit fördern wir jetzt beispielsweise die Anschaffung von elektrischen Lastenrädern, die Umstellung der Fahrzeugflotten im städtischen Bereich und unterstützen jeden gefahrenen E-Taxi-Kilometer mit 20 Cent sowie den Bau von elektrischen Ladesäulen auf städtischem Grund.“ Manchen reicht das nicht. Die Initiatoren des laufenden Bürgerbegehrens für saubere Luft in München kritisieren, das Referat für Gesundheit und Umwelt (RGU) würde nicht genug tun. Jacobs sieht das entspannt: „Vieles, was sie fordern, machen wir schon – nur mit dem Unterschied, dass bei uns keine Jahreszahl dabeisteht. Und eigentlich möchte ich die Luft schon vor 2025 sauber kriegen.“

Stadtministerin Stephanie Jacobs (39) von A bis Z

Aerzte: Das RGU beschäftigt 106 Ärzte. Die impfen, gehen in Unterkünfte, sind zuständig für die Schul­eingangsuntersuchung oder als Schulärzte tätig.

Beratung: In der Bayer-, Paul-Heyse- und Schwan­thalerstraße bieten wir Beratungsstellen für vielfältige Gesundheitsthemen. Die Umwelt- sowie die Bauberatung haben wir in Riem.

Carsharing: Ausleihen ist das neue Besitzen. Das ist die Idealform der Zukunft. Ein Carsharing-Auto ersetzt laut einer Studie drei andere.

Dachauer Straße: Unser ehemaliges Gesundheitshaus an der Dachauer Straße 90 soll abgerissen und mit einem Neubau ersetzt werden. Wahrscheinlich wird es jetzt ein Umwelthaus werden. Zusätzlich soll das Bauzentrum aus Riem dorthin verlagert werden sowie die Referats- und Geschäftsleitung.

E-Mobilität: Ich bin sehr stolz, dass wir Vorreiter in Deutschland sind – mit unserem 30 Millionen Euro-Förderprogramm für die Anschaffung von Elektro-Fahrzeugen, das am 1. April in Kraft getreten ist. Nun hat der Bund die Förderung für Autos übernommen. Diese Gelder sind bei uns jetzt frei geworden und werden umgelegt auf andere Töpfe.

Friedhöfe  gehören auch zum RGU. In den schwersten Stunden hilft unsere städtische Bestattung weiter.

Geburt: Ich fand es unsäglich, dass Mütter bei Geburt abgewiesen werden. Ich habe selbst erlebt, wie voll Münchens Kreißsäle sind. Jetzt haben wir eine engere Vernetzung der Kliniken, unter anderem über das für Notfälle geschaffene Ivena-System.

Hebammenversorgung: Übers Internet (www.hebammensuche.bayern) kann man in München jetzt leichter eine Hebamme zur Vor- und Nachsorge finden. Und wir haben den Umzug des Geburtshauses mit 200 000 Euro zum neuen Standort im West­end gefördert.

Isarflussbad: Eine super Idee. Wir führen gerade eine Machbarkeitsstudie durch, um einen gut erreichbaren Standort zu finden, in dem gefahrlos und im Einklang mit den Naturschutzvorschriften gebadet werden kann.

Jahresziele: 2017 wollen wir vieles umsetzen: beispielsweise den Runden Tisch Pflege, die RGU-Außenstellen in Riem und in Freiham, das Elektromobilitäts-Konzept und ein modernisiertes Förderprogramm zur Energieeinsparung im Gebäudebereich.

Klimaschutz: Nach dem Pariser Abkommen, das eine maximale Erderwärmung von 1,5 Grad anstrebt, müssen wir unsere Ziele nachjustieren. Wir brauchen beispielsweise höhere Anreize für die Sanierung im Gebäudebestand.

Lastenräder: Eine super Alternative zum Auto. Damit kann man bis zu 300 Kilo transportieren. Ab sofort fördern wir auch Privatpersonen, die sich ein elektrisches Lastenrad anschaffen wollen, mit bis zu 1000 Euro. Bisher ging das nur für Gewerbe.

Mama: Ich habe zwei Söhne, die zwei und fünf sind. Zum Glück kann ich manche Termine flexibel legen, manchmal auch Akten mit nach Hause nehmen. Den Rest überbrücken wir durch Unterstützung von der Familie, Kindergarten und Au-pair.

Nachverdichtung: Wichtig, dass wir uns trotz Nachverdichtung die Grün­flächen soweit es geht erhalten oder das Grün anders denken: Auf den Dächern mehr Grün, an den Fassaden mehr Grün... Ohne Grün geht es nicht.

Oeko-Pakt: Ihm ist die Landeshauptstadt beigetreten, um bioregionale Produkte zu fördern. Bei Empfängen haben wir zum Beispiel bei Fleisch- und Fischprodukten eine Quote von 100 Prozent an bioregionalen Produkten.

Patientenbeauftragter: Diese Stelle wird gerade neu im RGU geschaffen. Er soll sich mit Beschwerdestellen austauschen, aber auch Bürger befragen, wie zufrieden sie mit der ärztlichen Versorgung sind.

Quatsch: Für Quatsch halte ich den Vorschlag von unserer Bundesumweltministerin mit dem Nummernschild-Bingo. Also dass Autos täglich abwechselnd je nach gerader oder ungerader Endziffer auf dem Kennzeichen in die Umweltzone einfahren dürfen.

Ratten: Wir haben keine Rattenplage in München. Unsere Kontrolleure sorgen dafür. Es gibt über 750 städtische Spielplätze, circa fünf waren im Sommer gesperrt, sie waren nur sehr prominent gelegen. Jeder Münchner sollte seinen Müll wieder mitnehmen.

Staatsregierung: Da komme ich her – genauer gesagt: aus dem Umwelt/Gesundheitsministerium. Manche Dinge, die ich auf Staatsebene begleiten durfte, wie die medizinische Hygieneverordnung, muss ich jetzt vollziehen.

Tauben: Fütterungsverbot und Taubenhäuser sind unsere zwei Säulen, um das Problem in den Griff zu bekommen. Allerdings wollen nur wenige Taubenhäuser haben, obwohl wir sie finanziell fördern würden.

Umweltzone: Damit haben wir die Feinstaubproblematik in den Griff bekommen. Wird sie weiterentwickelt, kriegen wir auch das Stickstoffdioxid-Thema gelöst. Man muss nicht von heute auf morgen von einem Fahrverbot für Dieselfahrzeuge ausgehen. Aber man muss diese Fahrzeuge erst einmal kennzeichnen.

Vorsätze: Mehr Schlaf, gesündere Ernährung, mehr Sport – also das, was sich diese Tage wahrscheinlich alle Münchner vornehmen.

Wachstum: München wächst jährlich um etwa 30 000 Menschen. Auch das RGU wächst, wir liegen bei 1025 Mitarbeitern.

X-Chromosom: Wir sind ein sehr weibliches Haus – auch auf der Führungsebene. Ich habe nur Hauptabteilungsleiterinnen.

Y-Chromosom: Stichwort Männergesundheit. Wir beschäftigen uns beispielsweise mit älteren, alleinstehenden Männer, um die sich nach einem Klinikaufenthalt niemand kümmert. Das muss man im Entlassmanagement künftig mehr berücksichtigen.

Zuständig: Für die Städtisches Klinikum München GmbH ist das Betreuungsreferat mittlerweile die Kämmerei. Aber wir sind der fachliche Ansprechpartner.

Maren Kowitz

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