Rückreise nach Afghanistan

Riskanter Freundschaftsbeweis

Am Flughafen: Geiger Albert Ginthör (l.) ist zusammen mit Ahmad Shakib Pouya nach Afghanistan gereist, um gegen dessen Abschiebung zu kämpfen.

Gärtnerplatz-Geiger begleitet Flüchtling von München nach Kabul auf die deutsche Botschaft.

Es war ein ganz großes Zeichen der Freundschaft und der Solidarität. Ein lebensgefährliches. Albert Ginthör, Geiger im Orchester des Gärtnerplatztheaters, ist gemeinsam mit seinem Künstlerkollegen Ahmad Shakib Pouya (33) nach Afghanistan geflogen, als dieser vergangene Woche ausreisen musste, um einer Abschiebung zuvor zu kommen.

Pouya lebte seit sechs Jahren in Deutschland. Er hat dort Asyl beantragt, weil er von den Taliban bedroht wurde, nachdem er als Zahnarzt mit französischen Organisationen zusammengearbeitet hatte. Der 33-Jährige Mediziner und Künstler hat sich schnell integriert, zuletzt trat er als Musiker bei der Oper „Zaide“ in der Alten Kongresshalte auf. Obwohl er in seiner Heimat den Tod befürchtet, mussste er nur wenige Tage nach der letzten Vorstellung zurück nach Afghanistan.

Mit ihm flog Ginthör, der Geiger wollte damit ein Zeichen setzen. In Afghanistan kamen die beiden dann zunächst in der Hauptstadt Kabul in einem bewachten Sicherheitshotel unter. Es war keine schöne Unterkunft, wie der Geiger berichtete: Die Luft war stickig und stank, das Zimmer hatte keine Fenster, draußen war es gefährlich, innen ein bisschen wie in einem Gefängnis. Albert Ginthör hat trotzdem nicht mit seiner Entscheidung gehadert. „Jede Minute und Stunde, die ich mit Pouya hier verbringe, bestärkt mich, das Richtige getan zu haben“, teilte er mit. Tatsächlich gibt es jetzt wieder Hoffnung für Pouya. Er konnte gemeinsam mit Ginthör bei der deutschen Botschaft in Kabul vorsprechen und bekam einen Sondertermin in der Visa-Abteilung. In wenigen Tagen kann er hier einen Antrag auf Wiedereinreise stellen. Bis es so weit ist, ist er wieder untergetaucht. Aus dem Hotel ist er mittlerweile ausgezogen, aus Angst, dort entdeckt zu werden. Die nächsten Tage wird er sich alleine durchschlagen. Denn Ginthör ist gestern wieder zurück nach Deutschland gereist. „Als erkennbar westlicher Ausländer war er sehr gefährdet“, so Nicole Steller vom Verein Zuflucht Kultur, der Pouya unterstützt. „Es wäre für beide zu gefährlich geworden, wenn er länger geblieben wäre.
cla

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